Anwohner sauer: Autos verstopfen den Harleshäuser Ortskern

Eingekeilt von Autos: Die Anwohner Ute Müller, Helmut und Waltraud Hartmann (von links) haben es satt, dass ihre engen Wohnstraßen im historischen Ortskern von Harleshausen ständig zugeparkt sind. Fotos: Schoelzchen

Kassel. Das Maß des Erträglichen ist für viele Bewohner des alten Ortskerns von Harleshausen überschritten. „Wir ersticken hier in einer Blechlawine“, sagt Ute Müller. Sie wohnt seit zehn Jahren mit Mann und Tochter an der Grebenstraße, einer Stichstraße zwischen Wolfhager Straße und Kronenstraße.

Bewusst seien die Müllers seinerzeit vom Vorderen Westen in das malerische Viertel „am Rand der Stadt“ gezogen. Bei diesen Worten muss Müller bitter lachen: „Wir haben hier mehr Park-Such-Verkehr als viele in der Innenstadt.“ Über die nahe Obervellmarer Straße wälzen sich täglich 20 000 Fahrzeuge, haben Zählungen ergeben. „Wir steuern auf einen Kollaps zu“, sagt Müller. Auch die Nachbarn, Helmut und Waltraud Hartmann, die ebenfalls im historischen Ortskern, Am Kirchhof, ein Fachwerkhaus bewohnen, sind entnervt. Der Parkdruck im Ortskern, wo sich viele Geschäfte und Praxen befinden, sei groß, und deshalb werden Autos von den kleinen Seitenstraßen angezogen „wie von einem Staubsauger“, sagt Helmut Hartmann. Oft parkten Kunden der Geschäfte entlang der Wolfhager Straße, aber auch die Berufstätigen im Quartier, in den engen Wohnstraßen, wo es keine Parkzeitbegrenzung gibt. „Manchmal stehen Autos „so dicht vor meiner Tür, dass ich kaum in mein Haus komme“, sagt Müller. Blumenkübel, die das Parken in der verkehrsberuhigten Zone eindämmen sollen, werden von Autofahrern oft auf den Gehsteig geschoben.

Pflanzkübel werden angefahren oder widerrechtlich auf den Bürgersteig versetzt.

Besonders regt die Anwohner auf, „dass das Problem seit vielen Jahren drängt und sich zunehmend verschärft. Hier muss endlich ein kluges Verkehrskonzept her“, sagt Hartmann. Bereits vor fünf Jahren haben die Anwohner ihre Vorschläge für eine Verbesserung der Verkehrssituation im Stadtteil zu Papier gebracht und dem Ortsbeirat vorgelegt. Nichts sei seitdem passiert. „Die Aufenthaltsqualität und Sicherheit an Wolfhager, Obervellmarer und Karlshafener Straße kann verbessert werden, wenn der Verkehr eingeschränkt wird“, heißt es darin. Der Verkehr in und um Harleshausen sollte klarer gelenkt werden, um vor allem den Lkw-Verkehr aus dem Quartier zu verbannen.

Außerdem wünschen sich die Ortskernbewohner Park-and-Ride-Gelegenheiten, die mit attraktiven ÖPNV-Angeboten verbunden sind. Hartmann kann sich einen Shuttle-Bus vorstellen, der die Bewohner vom Ziegenberg in den Ortskern bringt. „Die Menschen würden sich hier viel lieber aufhalten, wenn es weniger Autoverkehr rund um die Wolfhager Straße gebe.“ Eine erweiterte Tempo-30-Zone sei wünschenswert. Angst haben die Harleshäuser zudem vor künftigem Durchgangsverkehr in Richtung Flughafen Kassel-Calden. Appelle nützen da nicht mehr viel, befürchten sie. Hartmann: „Unsere Geduld ist am Ende, hier müssen sich endlich Verkehrs- und Stadtplaner mit dem Problem befassen.“

Von Christina Hein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.