Bezirksverband Nordhessen distanziert sich

60.000 Euro für Altenheim-Leiter: Awo-Nordhessen äußert sich zu Skandal in Südhessen

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Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo) ist in einen Skandal verwickelt. Nun hat sich der Verband Nordhessen geäußert. Symbolbild.

Der Ruf der Awo ist beschädigt. Über Jahre soll Führungspersonal in Südhessen horrende Jahresgehälter bezogen haben. Der Bezirksverband Nordhessen nimmt Stellung zum Skandal.

  • Der Awo-Kreisverband Nordhessen äußert sich zum Awo-Skandal in Südhessen.
  • Der Kasseler Geschäftsführer will Unsicherheit nach dem Skandal auflösen.
  • Mit verschiedenen Instanzen sollen Missstände in Nordhessen verhindert werden.

Die Awo-Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden haben den Ruf der Arbeiterwohlfahrt beschädigt. Über Jahre soll dort das Führungspersonal horrende Jahresgehälter von bis zu 300 000 Euro bezogen haben – die Staatsanwaltschaft ermittelt. 

Zum Skandal nahm nun Michael Schmidt, Geschäftsführer des Awo-Bezirksverbandes Nordhessen, gegenüber unserer Redaktion Stellung. Er steht seit 1996 an der Spitze.

Hier fassen wir die wichtigsten Fragen und Antworten zusammen.

Ist die Awo-Nordhessen von den aktuellen Vorwürfen betroffen?

Michael Schmidt bestreitet dies: „Wir sind davon nicht betroffen. Wir sind rechtlich selbstständig und haben keinen Einfluss auf die Vorgänge der beiden Kreisverbände.“ Der Bezirksverband Hessen-Süd sei für die Überwachung der betroffenen Kreisverbände zuständig. 

„Wir wissen selbst nicht mehr darüber, als das, was in den Medien zu erfahren war.“ Die Vorgänge müssten überdies eingeordnet werden: Von insgesamt 403 Awo-Kreisverbänden habe es in zwei derartige Auswüchse gegeben.

Viele Reaktionen nach Awo-Skandal

Welche Reaktionen hat die Awo-Nordhessen nach Bekanntwerden des Skandals erhalten?

„Ich werde vielerorts auf die Fälle angesprochen. Meine Erfahrung ist aber, dass die Menschen zwischen Nord- und Südhessen unterscheiden können“, sagt Schmidt. Anhand der laufenden Spendenkampagne in der Adventszeit sei nicht erkennbar, dass die Spender sich zurückhalten würden. Schmidt ist nun bemüht darum, die Unsicherheit, die im Zuge der südhessischen Ereignisse unter Mitarbeitern, Mitgliedern und Geschäftspartnern entstanden ist, aufzulösen.

Wie viel Geld wird bei der Awo-Nordhessen bewegt?

Der Bezirksverband betreibt in Nord- und Mittelhessen insgesamt 30 Pflegeheime, fünf Pflegedienste, fünf Altenpflegeschulen, sechs Kitas sowie Jugend- und Mädchenwohngruppen und Quartiersprojekte. Der Jahresumsatz liegt bei insgesamt 120 Millionen Euro. „Spenden spielen dabei nur eine ganz geringe Rolle“, sagt Schmidt. Den Großteil erwirtschaften die Pflegeheime, die sich über die Pflegesätze finanzieren. Von den 3000 Beschäftigten der Awo-Nordhessen arbeiten 2000 im Pflegebereich.

Awo-Skandal: Geschäftsführer nennt Gehalt nicht

Wie ist die Gehaltsstruktur bei der Awo-Nordhessen?

Seit Anfang der 2000er-Jahre werden die Pflegefachkräfte – wie fast überall in der Branche – nicht mehr nach Tarif bezahlt. Es gilt eine Awo-Entgeltordnung. „Unsere Mitarbeiter verdienen aber mehr als bei den meisten privaten Anbietern“, sagt Schmidt. Das Einstiegsgehalt liege bei 2400 Euro. Wer sich zusätzlich qualifiziert, könne sein Gehalt auf etwa 2700 Euro steigern.

Je nach individueller Leistung und Jahresabschluss der Awo werde im besten Falle noch ein volles 13. Gehalt gezahlt. Leiter von Pflegeeinrichtungen und Kitas würden – je nach Größe – ungefähr 55 000 bis 60 000 Euro Jahresgehalt erhalten.

Was verdient das Awo-Führungspersonal?

Gefragt nach seinem Geschäftsführergehalt wollte Schmidt keine genaue Summe nennen. Diese bewege sich aber im Bereich dessen, was der Awo-Bundesvorstand als angemessen für die Leitung eines Kreisverbandes in der Größe Frankfurts (1300 Mitarbeiter) ansieht. Dies waren 100 000 bis 120 000 Euro.

„Ich trage hier aber die Verantwortung für mehr als doppelt so viele Mitarbeiter“, sagt Schmidt. Auch gehe er keiner bezahlten Betätigung in anderen Gremien nach. Der dreiköpfige Vorstand erhalte keine Gehälter. Er arbeite ehrenamtlich und bekomme nur eine Aufwandsentschädigung.

Awo-Skandal in Nordhessen verhindern

Wie will die Awo-Nordhessen Missstände wie in Südhessen verhindern?

Zum einen gibt es einen Aufsichtsrat, der neben dem Vorstand auch mit einer externen Expertin besetzt ist. Vierteljährlich muss die Geschäftsführung die Geschäftszahlen offenlegen. Dies tut sie – obwohl dazu nicht verpflichtet – auch gegenüber dem Betriebsrat. Zudem gilt seit 2018 der Awo Governance-Kodex. 

Dieser regelt eine verantwortungsvolle Unternehmensführung. Die Einhaltung der Regeln wurde der Awo-Nordhessen von einem Kasseler Wirtschaftsprüfer 2018 attestiert. Ein entsprechendes Gutachten wurde unserer Redaktion vorgelegt.

Rücktritte, Skandale und Vorwürfe prägen aktuell die AWO-Affäre in Frankfurt, wie fnp.de berichtet. Fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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