Azubis im Lockdown

Ausbildung in Corona-Zeiten ist zwar anders, aber möglich

Machen das Beste aus der Situation: Anette Kreger (links) mit ihrer Auszubildenden Lea Tavares de Brites im Tui-Reisebüro an der Leipziger Straße.
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Machen das Beste aus der Situation: Anette Kreger (links) mit ihrer Auszubildenden Lea Tavares de Brites im Tui-Reisebüro an der Leipziger Straße.

Der Betrieb: geschlossen. Der Kontakt zum Kunden: per Telefon. Der Unterricht: findet virtuell statt. Ausbildung in Coronazeiten ist für alle Beteiligten eine große Herausforderung.

Kassel/Kaufungen – Die Azubis Lea Tavares de Brites und Leon Schneider berichten, wie sie sie meistern.

Tui Reisebüro

„Ich kann mich noch genau an den 15. März 2020 erinnern. Da kamen die ganzen Stornierungen“, sagt Lea Tavares de Brites. Die 21-Jährige absolviert in Pandemiezeiten ihre Ausbildung zur Tourismuskauffrau beim Tui-Reisebüro in Kassel. Als sie dort nach ihrem Abitur im August 2019 startete, war noch alles normal. „Ich habe viel gelernt und erlebt im Büro und in der Schule“, sagt die Kaufungerin.

Anderthalb Jahre später ist nichts mehr normal. Das Reisen in Coronazeiten ist stark eingeschränkt. Lea Tavares de Brites Ausbildung ebenfalls. Zwar ist sie nach wie vor an drei Tagen in der Woche im Büro an der Leipziger Straße und Büroleiterin Anette Kreger versucht, sie trotz der Lage so gut wie möglich auszubilden. Der Konzern unterstütze sie dabei sehr gut. „Die Auszubildenden bekommen Aufgaben, die sie bis zum Ende der Woche eigenständig lösen müssen, etwa eine Rundreise planen. Das ist sehr gut. Dennoch fehlt der Kunde, an dem Lea üben kann“, sagt Kreger. Statt im persönlichen Gespräch über die schönsten Reiseziele der Welt zu beraten, beantwortet Tavares de Brites nun vor allem Fragen verunsicherter Kunden am Telefon oder per E-Mail, nimmt Umbuchungen und Stornierungen vor. In der Berufsschule war sie seit den Weihnachtsferien nicht mehr.

Zweimal in der Woche findet digitaler Unterricht statt. „Ich komme mit dem Homeschooling ganz gut zurecht. Die Lehrer machen das wirklich sehr gut. Aber es geht schon Stoff verloren“, sagt Tavares de Brites. Besonders jetzt, als die Zwischenprüfungen anstanden, habe der persönliche Kontakt gefehlt. „Ich habe mir das alles schon anders vorgestellt“, sagt die 21-Jährige. „Aber wer nicht?“

Dennoch schaut Tavares des Brites optimistisch in die Zukunft. „Natürlich habe ich auch ein bisschen Zukunftsängste, weil es der Branche gerade nicht gut geht. Aber ich bin sicher, die Menschen wollen reisen und etwas erleben, sobald es wieder geht. Und ich bin trotz allem gut ausgebildet. Ich sehe das positiv.“

Restaurant Tresor

„Für mich ist das eigentlich eher eine Chance“, sagt Leon Schneider. Der 20-Jährige absolviert eine Kochlehre im Hotel und Restaurant Tresor in Kaufungen. Inhaber Peter Viehmann hat gleich beim ersten Lockdown reagiert und einen Außer-Haus-Verkauf organisiert. „Die ganze Gemeinde unterstützt uns. Wir haben à la carte fast mehr Arbeit als sonst“, sagt Viehmann. Die Arbeitsabläufe hätten von jetzt auf gleich komplett anders gedacht werden müssen, sagt seine Assistentin Iris Heussner.

Gehen neue Wege: Peter Viehmann (links) und Azubi Leon Schneider vom Kaufunger Restaurant Tresor haben trotz Lockdowns jede Menge Arbeit.

Entsprechend viel zu tun hat Leon Schneider, auch weil er Aufgaben übernimmt von Kollegen, die in Kurzarbeit sind. „So konnte ich gleich mehr Verantwortung übernehmen“, sagt der Lohfeldener, der seine Ausbildung beim Tresor Anfang März 2020 begonnen hat.

„Zwei Wochen lang lief alles normal. Dann kam sofort der Lockdown“, erinnert er sich. Sein Vorteil: Er hatte zu diesem Zeitpunkt schon zwei Jahre Ausbildungszeit in einem anderen Betrieb absolviert. Der wurde jedoch geschlossen und Schneider wechselte in das Kaufunger Haus von Viehmann, das er bereits seit seiner Jugend kennt.

„Leon hat hier schon seinen Boys’Day gemacht und danach immer mal wieder das Messer geschwungen“, sagt Viehmann. Auch er hält die aktuelle Situation eher für eine Chance für Schneider, viel zu lernen. „Das Wichtigste ist, den Kopf nicht in den Sand zu stecken“, sagt Heussner.

Wie Lea Tavares de Brites schaut auch Leon Schneider optimistisch nach vorn. „Das wird hoffentlich nicht mehr Jahre so gehen. Und wenn die Gastronomie wieder öffnen darf, wird sie von Gästen überrannt“, ist er sich sicher.

Von Nicole Schippers

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