Hilfe per Ferndiagnose

Baby Guido aus Kassel von Münchner Feuerwehr gerettet: "Der Mann war der Wahnsinn"

+
Dankbar, dass alles gut gegangen ist: Kayissan Fortunat (links) ist seit Mittwoch zu Besuch bei ihrer Schwester Akokoe Aziadekey mit Söhnchen Guido und Mann Koffi.

Kassel. 385 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Kassel und München. In einer wohl einzigartigen Aktion ist es einem Münchner Feuerwehrmann gelungen, ein Baby in Kassel zu retten - per Telefon. Wir haben die Familie aus Kassel jetzt getroffen. 

Guido verfolgt den Rummel um seine ungewöhnliche Rettung ganz gelassen. Er guckt friedlich in die Luft, während seine Mutter und ihre Schwester die ganze Geschichte der HNA-Journalistin erzählen – und lässt nach ein paar Minuten ungerührt einen lauten Pups ab. Dass es dem zwei Monate alten Jungen aus Kassel wieder so gut geht, hat seine Familie nicht zuletzt einem Mitarbeiter der Münchner Feuerwehr zu verdanken. Denn vor zwei Wochen schwebte Guido Mawule – so sein zweiter, togolesischer Name – in Lebensgefahr.

Es war am Abend des 24. Mai, als Mutter Akokoe Aziadekey dem Kleinen das Fläschchen gab. Erst spuckte der Säugling einen großen Schwall wieder aus. Kurz darauf bemerkte die 35-Jährige, dass ihr Baby nicht mehr atmete und auch keinerlei Reaktion zeigte.

Weil die Togolesin, die erst von einem knappen Jahr aus Afrika zu ihrem Mann Koffi nach Kassel gezogen ist, noch nicht gut Deutsch spricht, ruft sie in Panik ihre Schwester in München an. Ihr Ehemann, der als Pfleger in einer Behinderteneinrichtung arbeitet, hat sein Handy im Dienst nicht bei sich.

Michael Waldhans

„Sie hat nur geweint und geschrien, sie dachte, Guido ist gestorben“, schildert Kayissan Fortunat den Anruf ihrer völlig aufgelösten Schwester aus Kassel. Die 32-Jährige, selbst dreifache Mutter, macht, was man in Notfällen tun soll: Sie ruft die 112. Ein Mitarbeiter der Leitstelle der Münchner Feuerwehr kümmert sich um den Fall. „Der Mann war der Wahnsinn“, schwärmt die 32-Jährige, die seit neun Jahren in Deutschland lebt.

Der Mann heißt Michael Waldhans, hat selbst zwei Kinder und ist nicht nur Feuerwehrmann, sondern auch ausgebildeter Rettungsassistent. Er informierte als erstes seine Kollegen in Kassel. Dann beginnt er – 385 Kilometer Luftlinie von Kassel entfernt – die verzweifelte Mutter in der Nordstadt zur ersten Hilfe anzuleiten. Über den Festnetzanschluss spricht der 44-Jährige mit der Schwester in München und fordert die Mutter in Kassel auf, ihr Handy auf laut zu stellen. Schwester Kayissan übersetzt hin und her.

Hatte einen bayrischen Schutzengel: der zwei Monate alte Guido aus Kassel.

Akokoe Aziadekey folgt nun den Anweisungen aus München: Sie legt ihr regloses Baby bäuchlings auf ihren Unterarm, stützt das Köpfchen mit der Hand und klopft dann vorsichtig zwischen die Schulterblätter ihres Sohns. Und: Guido beginnt zu schreien. Nicht nur die Mutter in Kassel, auch ihre Schwester und der Leitstellen-Mitarbeiter in München atmen auf. „Solche Einsätze entschädigen für alles“, sagt Waldhans.

Wenig später klingeln die Kasseler Rettungssanitäter an der Wohnung in der Wöhler-Siedlung. Vorsichtshalber wird Guido noch für zwei Tage im Krankenhaus beobachtet. Er hatte sich aber beim hastigen Trinken lediglich unglücklich an der Milch aus dem Fläschchen verschluckt, sodass Flüssigkeit in die Luftröhre geraten war.

Vater Koffi eilt, als er von dem Notfall erfährt, sofort ins Kasseler Klinikum. Heute kann die Familie wieder lachen. „Zum Glück habe ich eine Superhelden-Schwägerin“, sagt der Togolese, der seit 20 Jahren in Kassel lebt.

Die Münchnerin, die seit gestern zu Besuch in Kassel ist, will sich nach ihrer Rückkehr noch persönlich bei Guidos Retter von der Münchner Feuerwehr bedanken.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.