Wie Krankenhäuser in Kassel verhindern, dass Neugeborene entführt werden

Nach Baby-Entführung: Kasseler Krankenhäuser sorgen für Sicherheit

Doppelt ist sicher: Damit Kinder ihren Müttern zuzuordnen sind, bekommen sie im Klinikum zwei solcher Identifikationsbänder.

Kassel / Frankfurt. Es ist wohl der größte Horror, den sich Eltern vorstellen können. Von einer Neugeborenen-Station in Frankfurt hatte eine Frau kürzlich ein Baby entführt. Krankenhäuser in Kassel haben nach eigenen Angaben bereits vor diesem Fall Vorkehrungen getroffen, damit es zu ähnlichen Fällen gar nicht erst kommen kann.

Sowohl das Klinikum Kassel als auch die Diakonie-Kliniken, zu denen die Klinik Dr. Koch gehört, bieten Müttern ein so genanntes 24-Stunden-Romming-in an. „Das heißt, die Mutter kann ihr Baby rund um die Uhr bei sich im Zimmer betreuen“, erklärte Oberarzt Johann Thießen, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe der Diakonie-Klinken. „Entsprechend können Mutter und Kind in einem Zimmer schlafen.“

Hebammen und Pflegekräfte klären Eltern im Klinikum darüber auf, ihr Kind nie unbeaufsichtigt zu lassen. So werde ihnen auch gesagt, dass sie ihr Kind nur Schwestern anvertrauen, „die sie auch kennen“, sagte Gisa Stämm, Sprecherin der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH), zu der das Klinikum gehört. Zugleich seien auch alle Mitarbeiter „sensibilisiert und angehalten, auf auffällige Personen zu achten“.

Nicht ohne Kontrolle: Wer auf die Neugeborenen-Station will, muss sich so wie Manuela Ringelberg an der Rufanlage melden.

Im Klinikum tragen Baby und Mutter so genannte Identifikationsbändchen. So sei sichergestellt, dass Mitarbeiter das Baby nur nach Prüfung zurück in die Obhut der Mutter geben. Zudem tragen Babys doppelte Bändchen, wie von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfohlen. „Sollte eines mal abrutschen, ist somit trotzdem eine eindeutige Identifikation möglich“, sagte Stämm.

In den Diakonie-Klinik gibt es zusätzlich ein Neugeborenen-Zimmer. Dort können Mütter ihre Kinder abgeben, sollte sie auf die Toilette gehen oder sich duschen, sagte Thießen. Das Neugeborenen-Zimmer sei durch ein Schloss mit Zahlencode gesichert, der alle drei Monate geändert werde und ausschließlich den Schwestern der Entbindungsstationen bekannt sei.

Zum Kreißsaal der Diakonie-Kliniken haben Fremde gar keinen Zutritt. Die Tür sei stets verschlossen. Zugang wird laut Thießen nur nach persönlicher Absprache mit den Eltern gewährt. Darauf seien die Mitarbeiter auch geschult.

Behütet: Lena Zeki nutzt das so genannte 24-Stunden-Rooming-in im Kasseler Klinikum. Ihre Tochter Emma Zehra schläft direkt neben ihrem eigenen Bett. Darüber freut sich auch Vater Arif. Fotos: Koch

Im Klinikum sei die Zahl der Eingänge zur Station bereits vor etlichen Jahren auf zwei reduziert worden, sagte Stämm. „Nachts sind alle Eingänge verschlossen, und Besucher müssen klingeln.“

Noch sicherer soll es im neuen Frauen-, Mutter-, Kindzentrum werden, das gerade im Klinkum auf dem Möncheberg entsteht. Dort ist laut Stämme ein elektronisches Sicherheitssystem vorgesehen.

In Frankfurt hatte die Entführerin vorgegeben, das Neugeborene fotografieren zu wollen. Damit wäre sie in Kassel wohl nicht durchgekommen. „Fotos von Babys werden ausschließlich mit den Müttern zusammen gemacht“, sagte Thießen.

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