1. Startseite
  2. Kassel

Baby nach Überdosis Paracetamol wieder zu Hause: Polizei bestätigt Anfangsverdacht

Erstellt:

Von: Anna Weyh

Kommentare

Wieder zuhause: Die Eltern Dogan (links) und Eylem Kayacan sind mit ihrem neun Monate altem Sohn Uraz Erim wieder aus dem Klinikum entlassen worden.
Wieder zuhause: Die Eltern Dogan (links) und Eylem Kayacan sind mit ihrem neun Monate altem Sohn Uraz Erim wieder aus dem Klinikum entlassen worden. © anna weyh

Dem neun Monate alten Uraz Erim wurde im Kasseler Klinikum von einer Krankenschwester eine lebensgefährliche Überdosis Paracetamol verabreicht. Dem Baby geht es langsam besser.

Kassel – Verunsichert schaut sich der neun Monate alte Uraz Erim um. Er hält sich am Arm seiner Mama fest und versteckt sich ein bisschen hinter ihr. „Eigentlich ist er immer sehr aktiv, aber seit dem Krankenhaus ist er total anhänglich“, sagt Eylem Kayacan und nimmt ihren Sohn in den Arm. Die junge Familie hat aufwühlende Tage hinter sich.

Wegen einer RS-Virusinfektion mit hohem Fieber wurde der Junge ins Kasseler Klinikum eingeliefert. Dort injizierte ihm eine Krankenschwester eine lebensgefährliche Überdosis Paracetamol. Das Baby landete mit viel zu hohen Leberwerten auf der Intensivstation. Jetzt, zehn Tage später, kann Uraz Erim das Kasseler Klinikum wieder verlassen. Es gehe ihm besser, aber ein langfristiger Leberschaden könne noch nicht ausgeschlossen werden, sagen die Eltern.

Nach Überdosis Paracetamol für Baby: Polizei bestätigt Anfangsverdacht

„Seine Blutwerte entwickeln sich gut, aber die Leberwerte sind immer noch viel zu hoch. Da sind weiterhin viele Fragezeichen“, sagt Eylem Kayacan. In den kommenden zwei Monaten werde ihr Sohn weiter regelmäßig untersucht. Die 31-Jährige könne ihn nach der traumatischen Erfahrung kaum allein lassen. „Wir sind übervorsichtig geworden. Wir haben Angst, dass er wieder krank wird.“

Auch wenn sich das Klinikum nach dem Fehler der Krankenschwester bemüht habe, das Vertrauen sei gebrochen. „Wir wurden danach super betreut, aber dennoch mussten wir den Fehler selbst entdecken und dafür kämpfen, dass die Sache ernst genommen wird“, sagt Dogan Kayacan.

Denn auch nachdem das Paar die Krankenschwester und weitere Mitarbeitende der Kinderstation auf die zu hohe Menge Paracetamol hingewisen habe, haben die Beteiligten ihr Fehlverhalten nicht zugegeben, sagt der Vater. Erst als er die Polizei verständigte und die Beamten die Krankenschwester befragten, habe sie zugegeben, dem Baby eine Überdosis verabreicht zu haben und informierte einen Arzt. Die Polizei bestätigte auf HNA-Anfrage diesen Anfangsverdacht.

„Wir sind froh, wieder zuhause zu sein“ - Baby geht es nach Überdosis Paracetamol besser

„Wir sind alle Menschen und machen Fehler. Aber wie kann ich das nicht zugeben und somit verhindern, dass ein Kind richtig behandelt wird“, fragt sich Eylem Kayacan. Sie und ihren Ehemann haben die vergangenen zwei Wochen mitgenommen. Der Stress äußere sich nun durch körperliche Symptome, auch seelisch sei die Erkrankung ihres Sohnes nicht spurlos an dem Paar vorbeigegangen.

Dennoch freut sich die junge Familie nun auf ihr erstes gemeinsame Weihnachtsfest. „Wir sind froh, wieder zuhause zu sein“, sagt Eylem Kayacan. Die Eltern genießen die Zeit mit ihrem Sohn. „Wir müssen schauen, wie sich alles jetzt weiterentwickelt. Aber er ist sehr stark“, sind sich die beiden einig. Trotz aller Bedenken, trotz aller Sorgen, die noch da sind: Das ist ein Lichtblick nach Tagen des großen Bangens. (Anna-Laura Weyh)

Auch interessant

Kommentare