Frau wurde von Mitgefangenen geschlagen, bedroht und beraubt

Babymörderin im Knast terrorisiert

Kassel. Vor fast dreieinhalb Jahren haben drei Häftlinge im Frauengefängnis Kaufungen eine Mitgefangene terrorisiert. Vor knapp anderthalb Jahren wurden sie deshalb zu jeweils achtmonatigen Bewährungsstrafen verurteilt. Doch erst gestern wurde vollständig rechtskräftig, was das Kasseler Amtsgericht im Dezember 2009 entschieden hatte.

Denn zwei der drei Frauen hatten damals Berufung gegen den Richterspruch eingelegt. Kurz bevor darüber nun vor dem Landgericht verhandelt werden sollte, zog die jüngere der beiden – eine 29-Jährige aus Kassel – jedoch ihre Berufung zurück. Und kurz nach dem Beginn der Verhandlung tat es ihr die ältere Angeklagte, eine 44-jährige Frau, nach.

Akkurat frisiert und modisch gekleidet sitzt sie auf der Anklagebank. Nichts verweist mehr auf die lange Drogenkarriere, die sie hinter sich hat. „Es läuft gut im Moment“, sagt die gelernte Einzelhandelskauffrau. Auch neue Strafverfahren gibt es keine. Bis vor Kurzem hatte das noch ganz anders ausgesehen. Wegen Diebstahls, Betrugs oder Drogenbesitz war die 44-Jährige immer wieder mit der Justiz in Konflikt geraten.

Und deshalb hatte sie auch im Dezember 2007 im Kaufunger Gefängnis gesessen, als dort eine Frau ankam, die es später zu trauriger Prominenz bringen sollte: Es war die heute 34-Jährige aus Haina, nach der Ende 2010 fast drei Monate lang international gefahndet worden war. Die Frau war untergetaucht statt die lebenslange Haft anzutreten, zu der sie wegen Mordes an ihrem Sohn verurteilt worden war.

Die 34-Jährige hatte den kleinen Karl im Oktober 2007 kurz nach der Geburt getötet – nachdem sie die Schwangerschaft sogar vor ihrem Lebensgefährten verheimlicht und das Kind dann unter falschem Namen im Fritzlarer Heilig-Geist-Krankenhaus zur Welt gebracht hatte. In der Gefängnishierarchie stand sie als „Babymörderin“ ganz unten. Und das ließen sie ihre Mit-Häftlinge deutlich spüren.

Von „nachvollziehbarer Empörung“ sprach wohlwollend das Amtsgericht, als es die drei Widersacherinnen der jungen Frau verurteilte. Doch dass es das Trio zu weit getrieben hatte, stand für die Richter außer Frage: Die Gefangenen hatten die 34-Jährige beschimpft, bedroht und geschlagen, ihr Tabak und Kaffee abgepresst. Und die Älteste soll eiskalt erklärt haben: „Ich fasse dich nicht an – aber ich quäle dich, bis du dich aufhängst!“

Obwohl alle drei Frauen damals vor Gericht ihre Unschuld beteuert hatten, waren sie schließlich wegen räuberischer Erpressung, Körperverletzung, Diebstahls und Bedrohung verurteilt worden. Heute, fast anderthalb Jahre später, scheinen sie sich endlich damit abgefunden haben. (jft)

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