Kasseler Frauenklinik Dr. Koch bietet Spendemöglichkeit an

Babys können Leben retten durch Blut aus der Nabelschnur 

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Spende für die Allgemeinheit: Dr. Wouter Simoens und Alexey Eykhenvald-Buravlev demonstrieren anhand eines Muttekuchens (Plazenta) mit Nabelschnur, wie das Nabelschnurblut nach der Geburt entnommen wird. 

Kassel. Jede Geburt birgt theoretisch die Chance, ein Leben zu retten. Aus diesem Grund bietet die Kasseler Frauenklinik Dr. Koch als erste Geburtsklinik in Nordhessen die Möglichkeit an, Nabelschnurblut zu spenden.

Denn Nabelschnurblut enthält noch relativ unreife Stammzellen, die auch Blutkrebspatienten eine Überlebenschance bieten, für die bisher kein passenden Stammzellenspender gefunden wurde. „Durch unsere Geburtenzahl von über 1.900 Geburten jährlich erhoffen wir uns eine größere Zahl von Spenden“, sagt Dr. Wouter Simoens, Chefarzt der Geburtshilfe und Pränatalmedizin. Die werdenden Eltern würden ab jetzt meist bei Anmeldungs- und Informationsgesprächen über die Möglichkeit der Nabelschnurspende informiert. Vor der Spende gelte es lediglich, eine Einverständniserklärung und einen Fragebogen auszufüllen, in dem - ähnlich wie bei einer Blutspende - beispielsweise nach Medikamenten und Infektionskrankheiten gefragt wird.

Simoens: „Am Geburtsvorgang ändert sich nichts, Patientin und Kind stehen weiter im Mittelpunkt.“ So werde das Baby nicht früher abgenabelt, was übrigens heute meist die Väter erledigen. Das Nabelschnurblut werde erst abgenommen, wenn die Geburt vollständig beendet und das Kind bereits abgenabelt ist und in den Armen der Mutter liegt.

Das aus der Nabelschnurvene entnommene Blut werde in einem speziellen Beutel gesammelt und sofort an die Nabelschnurbank der gemeinnützigen Deutschen Knochenmarkspenderkartei (DKMS) am Universitätsklinikum Dresden verschickt. Dort werden die Stammzellen isoliert und eingefroren, um weltweit Leukämie-Patienten zur Verfügung zu stehen. Bislang wurde dieses wertvolle Material zu in der Regel ungenutzt entsorgt, sagt Simoens.

Das gesamte Geburtshilfeteam stehe hinter diesem Projekt, das für die Klinik einen großen Arbeitsaufwand bedeute. Seit vergangenen November habe man alles getan, um die Zertifizierung durch die DKMS zu erhalten, erläutert Oberarzt Alexey Eykhenvald-Buravlev. So seien die Anforderungen der DKMS an die Geburtsklinik hoch, es brauchte Behördengänge und Personalschulungen, die regelmäßig wiederholt werden. Im Mai wurde die Frauenklinik von der DKMS zertifiziert.

Ziel sei es, nicht nur die medizinische Pflicht den eigenen Patienten gegenüber zu leisten, sondern sich medizinisch auch für leukämiekranke Kinder und Erwachsene zu engagieren. Das Klinikteam leiste dies unentgeltlich und auch den Eltern entstünden keine Kosten.

Hintergrund: 

Weltweit wurde laut der Deutschen Knochenmarksspenderkartei bereits rund 30.000 Mal Stammzellen aus Nabelschnurblut transplaniert. Dieses hat im Vergleich zu Stammzellen, die aus dem Knochenmark gewonnen werden, besondere Eigenschaften: Die Gefahr einer möglichen Abstoßungsaktion ist geringer, daher müssen bei einer Transplantation nicht alle Merkmale übereinstimmen und mehrere Spenden können miteinander kombiniert werden. Stammzellen aus Nabelschnurblut werden für die Therapie bei leukämiekranken Kindern und auch Erwachsenen verwendet.

Neben der allgemeinen Nabelschnurspende gibt es auch die Möglichkeit, das Nabelschnurblut nur für die eigene Familie einzulagern. Dies ist jedoch mit Kosten für die Eltern verbunden (1.500 bis 2.600 Euro). Allerdings, so Dr. Wouter Simoens, seien diese Stammzellen lediglich für Geschwisterkinder oder andere Familienmitglieder, nicht aber für das betreffende Kind geeignet. Es gebe immer wieder Eltern, die sich für die individuelle Einlagerung entscheiden. Auch hierbei unterstützte man die Eltern.

Das ist auch an der Frauenklinik des Klinikums der Fall. Hier sei man in Bezug auf allgemeine Nabelschnurspenden derzeit in Gesprächen, heißt es. (hei)

Von Martina Heise-Thonicke 

Infos im Internet: www.dkms-nabelschnurblutbank.de

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