Interne Streitigkeiten

Bad Boy Uli packte aus: Hells Angels lösten Kasseler Charter selbst auf

„Bad Boy Uli“: Die Geschichte von Ulrich Detrois besiegelte das Ende Hells Angels in Kassel. Archivfoto: Econ-Verlag / nh

Kassel. Interne Streitigkeiten und Abrechnungen waren Grund dafür, warum es seit 2008 keine Hells Angels mehr in Kassel gibt.

Die Entwicklungen waren ähnlich mit denen im Charter Göttingen, die nun in dem Gerichtsverfahren zur Sprache kommen.

Nur dass es damals nicht die Behörden waren, die dem Treiben des Kasseler Clubs ein Ende setzten, sondern die Hells Angels selbst. Angeblich verfügte das Ende der lange Zeit mächtigste Hells Angel in Deutschland Frank Hanebuth, Präsident des inzwischen ebenfalls aufgelösten Charters Hannover. Hanebuth sitzt seit Sommer 2013 in spanischer Untersuchungshaft.

Buch verstößt gegen Kodex

Im Zentrum stand damals Ulrich Detrois, der seine Geschichte im Jahr 2010 in dem Buch „Höllenritt“ vermarktete. Mit Fernsehauftritten verstieß er gegen einen Ehrenkodex, weil er Details aus dem Innenleben der kriminellen Rockerbande veröffentlichte. Darin beschrieb „Bad Boy Uli“, wie er in Hells-Angels-Kreisen hieß, dass er 2007 durch eine Intrige seiner „Brüder“ herausgeworfen worden war.

In der Folge vertraute er sich den einstigen „Erzfeinden“ von Polizei und Staatsanwaltschaft an, auch weil er damals um das Leben seiner Schwester fürchtete, die ebenso bedroht worden sei. Den Ermittlern berichtete er von den abscheulichen und kriminellen Machenschaften der Hells Angels: Morde, Menschenhandel, Drogengeschäfte, Gewalttaten, an denen er nicht nur beteiligt war. Er war auch Drahtzieher und hatte dafür im Gefängnis gesessen.

Nachdem Detrois seine „Brüder“ den Behörden ausgeliefert hatte, mussten sich sieben von ihnen im Mai 2008 wegen schweren Raubes vor dem Kasseler Landgericht verantworten. Sie hatten Detrois, nach dessen Ausschluss, Club-Symbole gewaltsam abgenommen und wurden dafür zu Bewährungsstrafen verurteilt. Der Prozess fand damals unter ähnlich scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt wie nun das Göttinger Verfahren.

Als Detrois für sein Buch warb, sprach er davon, dass er auch wegen seines Gangs an die Öffentlichkeit Morddrohungen erhalten habe. Die Polizei äußerte sich damals nicht dazu.

Detrois hatte mit dem Buch nicht nur die Hells Angels verärgert, sondern auch die Arbeit der Polizei erschwert, obwohl diese versucht hatte ihn zu schützen. Er offenbarte Taktiken und gab Hinweise auf Verstecke in und um Kassel, die die Polizei Personen für das Zeugenschutzprogramm nutzte. Wenig glaubwürdig wirkte in dem Zusammenhang, dass Detrois im Vorwort seines Buches, anderen beim Ausstieg aus der Szene Hilfe anbot.

In Kassel sind die Hells Angels seitdem Geschichte. Aktuell habe die Polizei keine Erkenntnisse, dass sich hier wieder eine Gruppe organisiert, sagte Pressesprecher Torsten Werner. (clm)

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