Ursula Vogel lernte vor 66 Jahren ihren Ehemann beim Bergringrennen kennen

An der Rennstrecke im Park Wilhelmshöhe wartete 1951 die große Liebe

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Picknick: Ursula (links) und Friedrich Vogel am Diemelsee mit der befreundeten Gretel Henkelmann. Die „Campingmöbel“ waren eigens angefertigt, damit sie auf einem Motorrad transportierbar waren.

Kassel. Ursula Vogel hat sich vor 66 Jahren beim Bergringrennen in Kassel in ihren Ehemann verliebt. In einem Bericht der HNA stieß sie nun auf ein längst vergessenes Fotos aus der Zeit.

Sie traute ihren Augen nicht, als sie am 30. Januar, ihrem 82. Geburtstag, die Zeitung aufschlug. In der HNA war ein Bericht über das 90-jährige Bestehen des Kurhessischen Motorsport-Clubs Kassel. Illustriert war er mit einem historischen Foto vom Bergringrennen.

Es war ein Tag, der sich wie kein anderer in die Erinnerung der Seniorin, die in Bad Wilhelmshöhe lebt, eingebrannt hat: „Das Rennen fand am 19. August 1951 statt. Während dieses Rennens habe ich im Bergpark, am Aquädukt, die große Liebe meines Lebens kennengelernt, meinen späteren Mann“, schreibt sie in einem anrührenden Brief an die Redaktion.

Ursula Vogel (82)

Ursula, geborene Carl, war 16 Jahre alt, als sie den damals 23 Jahre alten Friedrich Vogel aus Dörnberg kennenlernte. Es muss Schicksal gewesen sein, denn fast wäre dieser Termin geplatzt: Ursula wohnte mit ihrer Familie in Spangenberg. „Mit dem Onkel meines Tanzstundenpartners wollten wir im Auto nach Kassel zum Motorradrennen fahren“, erinnert sich Ursula Vogel. Sie meldete sich zur Übernachtung bei ihrer Tante Käthe in Kassel an. Doch dann wurde die Einladung kurzfristig abgesagt. „Aber ich hatte ja schon meiner Tante geschrieben, dass ich komme und Telefone um abzusagen besaßen wir nicht“, sagt Ursula Vogel. Ich hatte mich auf das Rennen schon so sehr gefreut und war fest entschlossen, alleine hinzugehen. Damit war die Tante gar nicht einverstanden.  „Das kommt nicht in Frage, da komme ich mit“, entschied sie.

An der Strecke hatten es sich die Frauen bequem gemacht, als in der Rennpause ein Cousin aus Dörnberg, Ludwig, mit seinem Freund Friedrich auftauchte. Sie blieben den ganzen Tag zusammen. „Wir haben gemeinsam das Streckenbuch ausgefüllt und dabei viel gelacht.“

Später habe ihr Friedrich verraten, dass es für ihn Liebe auf den ersten Blick war. Auch Ursula hatte Schmetterlinge im Bauch. Weil sich die Verliebten in den kommenden Jahren wenig sahen, dafür aber Hunderte von Briefen schrieben, sei die Liebe von Brief zu Brief gewachsen. Geheiratet hat das Paar 1957. Es war eine glückliche Ehe mit vielen schönen Unternehmungen, erzählt Ursula Vogel. Besonders gerne erinnert sie sich an die Ausflüge auf der 125er-DKW. Später, als Sohn Andreas geboren war, stiegen die Vogels vom Motorrad aufs Auto um.

Sommerfrische: Friedrich Vogel mit seiner 125-er DKW am Diemelsee im Juli 1954. Hierher war er mit seiner Frau Ursula als Sozia und einem befreundeten Paar zum Zelturlaub gefahren.

Nach 56 Ehejahren starb Friedrich Vogel vor drei Jahren. Auch ihren einzigen Sohn musste Ursula Vogel vor einem Vierteljahr nach schwerer Krankheit beerdigen.

„Nun sind meine beiden Männer von mir gegangen und ich bin allein“, sagt sie. Kraft geben ihr die Erinnerungen. Der 19. August werde jedes Jahr als ein, wie Ursula Vogel sagt, „wunderbarer und erinnerungswürdiger Tag“ auf ganz besondere Weise gefeiert.

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