Wasserentsorger ermittelt

Klospülung landet in der Drusel - Kasselwasser angelt in Kanalisation

Sie angeln nach Klopapier: Kasselwasser-Laborchef Dr. Ulrich Hartmann (links) und sein Mitarbeiter Fabian Meyer. Fotos: Ludwig

Wilhelmshöhe. Manchmal schlüpfen die Mitarbeiter von Kasselwasser in die Detektivrolle. So wie jetzt wieder: Der städtische Wasserentsorger ist in Wilhelmshöhe Haushalten auf der Spur, die ihr Abwasser illegal in die Drusel einleiten.

Anwohner hatten mehrfach Klopapier im Fluss entdeckt. Die Verschmutzung geschieht aber wohl nicht mit Absicht. Dr. Ulrich Hartmann, Laborleiter von Kasselwasser, vermutet, dass Hauseigentümer versehentlich ihr Abwasserrohr an den Regenwasserkanal angeschlossen haben, der in die Drusel mündet.

Um herauszufinden, welcher Haushalt verantwortlich ist, brauchen Hartmann und seine Kollegen viel Geduld. Etwa 350 Häuser seien an den Regenwasserkanal angeschlossen, der Klopapier und Fäkalien in den Fluss spuckt. Seit Anfang September läuft die aufwändige Suche.

Um sich dem „Tatort“ zu nähern, hat Hartmann ein spezielles Gerät entwickelt – eine Art überdimensionaler Angelhaken. Dieser wird für mehrere Tage in die verschiedenen Abschnitte des Regenwasserkanals im Bezirk gehängt. Wenn sich am Haken Klopapier verfängt, weiß Hartmann, dass der Zufluss des Abwassers oberhalb dieser Stelle liegen muss. So nähert er sich Stück für Stück den verdächtigen Häusern.

Oft Klopapier gefunden: In der Drusel, an der Regenwassereinleitung in Höhe der Kunoldstraße.

Offenbar ist mehr als ein Eigentümer für die Verunreinigung der Drusel verantwortlich, die vermutlich schon länger anhält. Denn Hartmann hat bereits an zwei verschiedenen Stellen Klopapier geangelt. In den nächsten Tagen werden alle infrage kommende Hauseigentümer von Kasselwasser aufgesucht. Vor Ort wird geprüft, ob das Abwasser versehentlich ins Regenwasserrohr geleitet wird. Dabei werde Farbstoff in die Toilette gegeben und geschaut, ob das verfärbte Wasser im Regenwasserkanal ankommt. Wo genau sich die bereits identifizierten Orte befinden, will Hartmann nicht sagen.

„Die Eigentümer müssen mit einem Bußgeld rechnen und für die aufwändige Recherche aufkommen. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ sagt Tobias Rottmann, Leiter des Sachgebiets Grundstücksentwässerung bei Kasselwasser. Da könnten mehrere Hundert Euro zusammenkommen.

Derartige Fehleinleitungen sind nur in den 30 Prozent des Kasseler Kanalnetzes möglich, in denen Regen- und Schmutzwasser in getrennten Kanälen fließt. Wilhelmshöhe ist einer der betroffenen Stadtteile. Das Regenwasser landet dort etwa in der Drusel. Deshalb sollte man nie Putzwasser in den Kanal schütten.

Im restlichen Kanalnetz – vor allem dort, wo die Bebauung dichter ist – gibt es ein Mischsystem. Das heißt, über den Abwasserkanal werden Regen- und Schmutzwasser transportiert. Grund dafür ist, dass kein Fluss oder Bach in der Nähe ist, in den Regenwasser geleitet werden könnte.

Von Bastian Ludwig

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