Forstamt legt illegale Strecke am Bergsee Asch still

Streit um Mountainbiker im Habichtswald: Aus für Downhill-Piste

Mountainbike-Talent Till Ohlendorf (17) vom KSV Baunatal, der in diesem Jahr 42. bei der Downhill-WM wurde.
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Kann im Habichtswald nicht legal trainieren: Mountainbike-Talent Till Ohlendorf (17) vom KSV Baunatal, der in diesem Jahr 42. bei der Downhill-WM wurde.

Die illegale Downhill-Piste am Bergsee Asch im Kasseler Habichtswald war Treffpunkt für hunderte Mountainbiker. Nun hat Hessen-Forst die Route stillgelegt. Das könnte zu mehr Konflikten führen.

Kassel – Was Matthias Schnücker vorige Woche im Habichtswald gesehen hat, hält er für lebensgefährlich. Der Bereichsleiter beim Landesbetrieb Hessen-Forst fotografierte eine von Mountainbikern illegal angelegte Downhill-Strecke am Hang zwischen dem Kleinen Herkules und dem Bergsee Asch. Seine Bilder zeigen Schanzen für bis zu acht Meter weite Sprünge und eine aus Basaltsteinen gebaute Steilkurve. „Wenn man da stürzt, fliegt man 60 Meter den Hang hinab“, sagt Schnücker.

Nun haben seine Mitarbeiter die Route mit gefällten Bäumen zugeworfen. Hier kann jetzt nicht mehr gefahren werden. Aus Haftungsgründen blieb Schnücker keine andere Wahl, wie er sagt: „Wenn wir so etwas tolerieren, stehen wir als Förster mit einem Bein im Gefängnis.“

Damit gibt es den wohl beliebtesten Treff für Downhill-Fahrer im Habichtswald nicht mehr. Anders als Mountainbiker, die längere Touren über Stock und Stein unternehmen, stürzen die Downhill-Fahrer auf Spezialrädern steile Hänge hinab. Rasante Sprünge gehören dazu. Mehrere hundert Athleten sollen oberhalb des Aschsees trainiert haben.

Einer der besten deutschen Nachwuchsfahrer ist Till Ohlendorf. 2019 gewann der 17-Jährige vom KSV Baunatal die nationale Gesamtwertung des IXS-Downhill-Cups. In diesem Sommer wurde er bei der WM in Österreich 42. Ohlendorf klagt: „Im Habichtswald kann niemand von uns legal trainieren.“ Im Sommer fährt er an Wochenenden darum regelmäßig in den Bikepark nach Willingen.

Hoffnung auf Besserung macht ihm nun ausgerechnet Forstwirt Schnücker. Schon seit Langem plant der PSV Grün-Weiß Kassel eine legale Downhill-Piste am Hohen Gras. Zuletzt hieß es, das Projekt stehe vor dem Aus, weil die Untere Naturschutzbehörde nur einen Teil der Strecke genehmigt hat.

Doch Schnücker versichert: „Das Projekt ist noch nicht gestorben.“ Und er sagt: „Wir haben nichts gegen Downhiller.“ Mit dem Naturpark Habichtswald wird zudem an einem Mountainbike-Konzept gearbeitet, in das auch Angebote für Bergabspezialisten eingebunden werden sollen.

Die Zeit drängt. Weil auch andere einsame Trails mit Bäumen zugelegt wurden, werden Mountainbiker vermehrt auf befestigte Wanderwege ausweichen und dort auf Spaziergänger treffen, schätzt Ohlendorf: „Die Konflikte werden jetzt zunehmen.“

Er weiß, dass einige Radsportler nicht abbremsen, obwohl es eng wird. Er erlebt aber auch Wanderer, die selbst dann mit dem Spazierstock wedeln, wenn man freundlich grüßend in Schrittgeschwindigkeit an ihnen vorbeiradelt. Auch deshalb sagt Schnücker: „Wir müssen Gas geben.“ (Matthias Lohr)

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