Erster Haarschnitt im Schlafzimmer

In dritter Generation: Kasseler Friseur Reuse ist seit 70 Jahren ein Familienbetrieb

+
Aus den Anfangsjahren: Eduard Reuse, der das gleichnamige Friseurgeschäft 1949 gegründet hat, schneidet einem Kunden die Haare.

Im Schlafzimmer wurden dem ersten Kunden die Haare geschnitten. Das ist 70 Jahre her. Bis heute ist der Friseur Reuse in Bad Wilhelmshöhe ein Familienbetrieb. 

Als Eduard Reuse am 1. April 1949 seinen Friseurladen eröffnete, lag nicht nur die Kasseler Innenstadt noch in Trümmern. Auch das heutige Bad Wilhelmshöhe war vom Krieg gezeichnet, viele Häuser beschädigt oder notdürftig hergerichtet. Seinen ersten Kunden hat Eduard Reuse damals in seiner Wohnung bedient. Vor dem Spiegel der Frisierkommode im Schlafzimmer durfte er Platz nehmen und hat sich die Haare schneiden lassen.

Die Adresse für den zunächst noch reinen Herrensalon hieß damals noch Lange Straße. Mittlerweile ist der Friseur Reuse dreimal im Quartier umgezogen. 1952 in ein Ladengeschäft mit Schaufenster gegenüber, später an die Wilhelmshöher Allee/Ecke Kunoldstraße. „Seit 16 Jahren sind wir jetzt hier an der Wilhelmshöher Allee 280“, sagt Kirsten Gundermann-Reuse (55), die das Geschäft in dritter Generation betreibt.

Eröffnung nach Rückkehr aus Kriegsgefangenschaft 

Die Anfänge kennt sie noch aus Erzählungen von ihrem Schwiegervater und ihrem Mann. Mit einfachsten Mitteln sei es in den Nachkriegsjahren losgegangen. Unmittelbar nach der Rückkehr aus der französischen Kriegsgefangenschaft habe der damals 34-jährige Eduard Reuse alles daran gesetzt, sich und der Familie eine Existenz aufzubauen. Als gelernter Friseur war die Richtung vorgegeben. Sohn Richard arbeitete mehrere Jahre mit dem Vater zusammen, ehe er nach dessen Tod das Friseurgeschäft übernahm.

Sie ist heute die Chefin: Kirsten Gundermann-Reuse führt das Geschäft in der dritten Generation.

„Als ich meinen späteren Mann mit 18 Jahren kennengelernt habe, hatte ich vom Friseurhandwerk noch keine Ahnung“, sagt Kirsten Gundermann-Reuse. Heute ist sie die Chefin in dem Salon mit drei Mitarbeiterinnen. 

Im Schaufenster steht eine große 70, mit der die Kundschaft auf den Geburtstag aufmerksam gemacht wird. Und in einem Regel kann man sich noch das Handwerkszeug der Gründer ansehen. Vom Rasiermesser bis zu diversen Scheren reichen die Erinnerungsstücke.

Stammkunden kommen seit Jahrzehnten 

Das Friseurgeschäft Reuse ist längst zu einer Institution in Bad Wilhelmshöhe geworden. „Es gibt hier noch viele inhabergeführte Geschäfte, da passen wir gut hin“, sagt Kirsten Gundermann-Reuse. Manche Stammkunden aus der Nachbarschaft kommen schon seit Jahrzehnten, andere sind ihrem Friseur treu geblieben, obwohl sie ins Umland gezogen sind. Das Quartier in Bad Wilhelmshöhe habe sich jedenfalls hervorragend entwickelt, sagt die Chefin.

So sah das Schaufenster aus: Bis 1963 befand sich das Friseurgeschäft an der Langen Straße.

Ob es noch eine weitere Friseurgeneration aus der Familie geben wird, ist eher unwahrscheinlich. Aber das hat ja auch noch Zeit. Kirsten Gundermann-Reuse denkt noch längst nicht ans Aufhören.

Lesen Sie auch: Von Hairkules bis Haarnarchie: So verrückt heißen Friseur-Salons in Kassel

Hier befindet sich der Friseur Reuse: 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.