Mediziner mit Zusatzausbildung wird gebraucht

Kurbetrieb in Bad Wilhelmshöhe: Badearzt dringend gesucht

Das Herzstück des Kurbetriebs in Bad Wilhelmshöhe: Vorn ist die Kurhessen-Therme zu sehen, dahinter die Habichtswald- und die Ayurvedaklinik. Archivfoto:  Herzog

Kassel. Seit 15 Jahren ist Bad Wilhelmshöhe ein Kurort am Rand der Großstadt. Doch dem Titel „Bad“ droht Gefahr. Den gibt es nämlich nur, wenn auch ein Badearzt vor Ort praktiziert.

In wenigen Jahren ist es möglicherweise damit vorbei. Nachdem der langjährige Badearzt Dr. Hellmuth Greger in Ruhestand gegangen ist, gibt es mit seiner Kollegin Dr. Elke Brandau nur noch eine Ärztin in Kassel, die die Zusatzqualifikation als Badeärztin hat. „In drei Jahren werde ich 70, dann will ich aufhören“, sagt sie. Dann wird es eng für Bad Wilhelmshöhe.

Noch sieht Angelika Hüppe, die Geschäftsführerin der für den Kurbetrieb zuständigen Kassel Marketing GmbH, keine konkrete Gefährdung. Man wolle die Zeit für die Suche nach einer qualifizierten Nachfolge nutzen.

So einfach wird das nach Einschätzung von Dr. Elke Brandau nicht. Die Zahl der ambulanten Kuren sei drastisch zurückgegangen. „Ich hatte in diesem Jahr bislang nur wenige Patienten, die mich als Badeärztin aufgesucht haben“, sagt sie. Den Lebensunterhalt könne man damit nicht verdienen.

Angelika Hüppe

Die Nachfrage nach Badeärzten hat deutlich nachgelassen. Trotzdem geht es bislang ohne einen Mediziner mit dieser Zusatzausbildung in Kurorten nicht. „Das ist ein bundesweites Problem“, sagt Almut Boller, die Geschäftsführerin des Hessischen Heilbäderverbandes. Sie verweist darauf, dass die Qualifikation durch Wochenendseminare erworben werden könne. Die Anwendung natürlicher Heilmittel, die dabei unter anderem gelehrt werde, sei auch außerhalb des Badebetriebs gefragt.

Diese Fortbildung dauert anderthalb Jahre und kostet die Ärzte erst einmal Geld. Es gibt keine Gewähr, dass sich das auszahlt. Für stationäre Kuren zum Beispiel in der Habichtswald- und der Ayurvedaklinik wird kein Badearzt gebraucht. Trotzdem müssen die 350 Bade- und Kurorte einen entsprechenden Arzt nachweisen. Sie verschreiben die Anwendungen für eine ambulante Kur.

Und was passiert, wenn es in drei Jahren keine Nachfolge für die letzte Kasseler Badeärztin gibt? „Dann geht der Badtitel womöglich weg“, sagt Dr. Elke Brandau. In letzter Konsequenz drohe diese Gefahr.

Doch so weit will Almut Boller vom Hessischen Bäderverband nicht gehen. „Wir wollen sehen, dass man sich um eine Nachfolge bemüht. Dann gibt es auch Übergangsfristen“, sagt sie. Es gibt bereits kleinere Kurorte, in denen ein Badearzt für mehrere Gemeinden zuständig ist. In Kassel hat die Suche nach geeigneten Kandidaten bereits begonnen. „Wir haben noch drei Jahre, und die wollen wir nutzen“, sagt Angelika Hüppe.

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