Er steht schon seit der Eröffnung im Jahr 1991 in der Kritik

Bahnhof Wilhelmshöhe: Vorplatz soll endlich umgebaut werden

+
Der Bahnhof Wilhelmshöhe in Kassel von oben. Die Umgestaltung des Vorplatzes wurde immer wieder verschoben.

2019 soll die seit Jahrzehnten geforderte und mehrfach verschobene Umgestaltung des Bahnhofs Wilhelmshöhe konkrete Formen annehmen. Noch im ersten Halbjahr werden die Pläne vorgestellt.

Das kündigt die Stadt Kassel auf Anfrage an. Mehr als 20.000 Menschen pro Tag nutzen den Bahnhof Wilhelmshöhe. Der größtenteils überdachte Vorplatz zur Wilhelmshöher Allee hin sorgt schon seit der Eröffnung des Bahnhofs im Mai 1991 für Kritik. Bemängelt wird vor allem, dass die vorrangig für Straßenbahnen, Busse, Autos und Taxen konzipierten Verkehrswege kaum Platz für Fußgänger und Radfahrer lassen und für Menschen mit Behinderungen eine Gefahr darstellen.

Für den vermutlich millionenschweren Umbau des Bahnhofsvorplatzes arbeitet die Stadt nach eigenen Angaben eng mit der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) zusammen. Vertreter der Deutschen Bahn seien ebenfalls einbezogen. Wie Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) berichtet, wird die Neugestaltung des Platzes unter anderem Maßnahmen zur Barrierefreiheit sowie zur Neuregelung der Verkehrswege für Fußgänger, Rad- und Autofahrer betreffen. Für das Vorhaben solle noch in diesem Jahr eine finanzielle Förderung beantragt werden. Die Umsetzung solle dann ab 2021 erfolgen, so Nolda.

Details zum Umbau der Fläche werden mit Spannung erwartet, ebenso Schätzungen zu den Kosten. Bleibt es bei dem Zeitplan, würde der Umbau 30 Jahre nach Start des „Fernbahnhofs Kassel-Wilhelmshöhe“ beginnen.

So soll der Bahnhofsvorplatz in Wilhelmshöhe einmal aussehen. Um das volle Bild sehen zu können, klicken Sie rechts oben auf den Pfeil.

Der Bahnhofsvorplatz: Viel Verkehr und wenig Platz für Menschen

Der Bahnhof Wilhelmshöhe gilt mit seinen Schnellzugverbindungen als Kassels Tor zur Welt. Der Fernbahnhof ist aber auch ein Knotenpunkt im öffentlichen Nahverkehr der Stadt. Überdeutlich wird das auf dem Vorplatz des parallel zur Wilhelmshöher Allee errichteten Bahnhofstrakts. Unter dem säulengestützten Dach fahren auf insgesamt sieben Verkehrsspuren Straßenbahnen, Busse, Taxis, Lieferwagen und Autos.

Hupen ist an diesem Ort an der Tagesordnung, zumindest zu verkehrsreichen Tageszeiten. Für Autofahrer problematisch ist bereits die Verkehrsführung vor und zu dem Bahnhof. Wer von der Landgraf-Karl-Straße aus nach rechts in die Wilhelmshöher Allee einbiegen will, muss aufpassen und in Richtung Bahnhof einen großen Bogen machen. Immer wieder nehmen Ortsunkundige die rechts daneben verlaufende und zum Bahnhof führende Spur. Die aber ist Bussen und Bahnen vorbehalten.

Auf dem Vorplatz sind die vielen Spuren für den vielen Verkehr klar verteilt. Problematisch wird es hier für die, die zu Fuß über Straße und Schiene unterwegs sind, um ihren Bus oder ihre Tram zu erreichen. Der Platz für Fußgänger beschränkt sich auf den schmalen Streifen vor den Ein- und Ausgängen des Bahnhofs.

Kritik an Willy-Brandt-Platz 

Weil der Willy-Brandt-Platz „gefährlich“ und „unübersichtlich“ sei, wird sein Umbau bereits seit der Eröffnung des „Fernbahnhofs Kassel-Wilhelmshöhe“ (1991) gefordert. Als „katastrophal“ bezeichnen Betroffene und Vertreter von Senioren- und Behindertenverbänden die Situation, etwa der Blindenbund. Bislang aber führte die Kritik nicht zum Erfolg. Der zuletzt für 2016 angekündigte Umbau des Platzes verlief erneut im Sande. Offiziell, weil es noch Abstimmungsprobleme zwischen Stadt und Land gegeben habe.

Der Bahnhofsvorplatz ist eine Liegenschaft der Stadt Kassel. Mit der Ankündigung, man werde im ersten Halbjahr 2019 die Pläne für den Umbau vorstellen, hat Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) jetzt die Mitglieder im Stadtentwicklungsausschuss überrascht. Das Vorhaben solle dieses Jahr zur Förderung angemeldet und ab 2021 umgesetzt werden, berichtete Nolda auf eine Anfrage der CDU-Fraktion zu Kasseler Projekten.

Barrierefreiheit durch Umgestaltung 

Nach Angaben der Stadt sollen die mit Spannung erwarteten Umgestaltungspläne für den Bahnhofsvorplatz zunächst in der Bau- und Planungskommission vorgestellt und danach dann auch der Öffentlichkeit präsentiert werden. Bei der Neugestaltung werde es unter anderem um die Barrierefreiheit sowie um die Neuregelung der Verkehrswege gehen, deutete Stadtbaurat Nolda an.

Lösungen müssen am Bahnhof Wilhelmshöhe aber nicht nur für Fußgänger, sondern auch für Fahrradfahrer gefunden werden. Zwar gibt es auf dem Bahnhofsvorplatz inzwischen eine Station des Fahrradverleihsystems Nextbike. Ein eigener Weg, der Radler sicher über das Areal führt, wird aber noch vermisst.

Lesen Sie auch: Tier steigt in Kassel aus ICE aus: Hündin machte ohne Frauchen Halt am Bahnhof

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.