Zurück zu den Wurzeln: Es gibt wieder mehr Bäume und  weniger Parkplätze

Bauarbeiten abgeschlossen: Wilhelmshöher Allee in Kassel ist wieder frei

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Grüne Gleise, Hecken und 190 neu gepflanzte Bäume: Die Wilhelmshöher Allee präsentiert sich trotz des aktuell trüben Wetters zunehmend als grünes Band. Die Arbeiten wurden jetzt abgeschlossen.

Den Härtetest hat das neue Rasengleis im Hitzesommer 2018 bereits bestanden. Kassels Prachtstraße, die Wilhelmshöher Allee, ist zum grünen Band zwischen dem Bergpark und der Innenstadt geworden.

Dazu tragen auch 190 neu gepflanzte Bäume und drei Kilometer Hainbuchenhecken bei. Nach dreijähriger Planungs- und Umbauzeit ist das Großprojekt jetzt abgeschlossen. 

2,1 Millionen Euro wurden nach Angaben von Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) für die Aufwertung der Wilhelmshöher Allee investiert. Der mit 1,9 Millionen Euro größte Teil des Geldes kommt aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Den Rest zahlt die Stadt. Entscheidend für die Förderung war die Verknüpfung mit dem Weltkulturerbe Bergpark. Zudem gab es die Vorgabe, dass die Arbeiten bis Ende 2018 abgeschlossen sein müssen. 

Für die 190 neu gepflanzten Linden sind entlang der Wilhelmshöher Allee 23 Parkplätze weggefallen. 629 Parkplätze gibt es jetzt nach Angaben der Stadt an der 4,7 Kilometer langen Straße noch. 

Mittlerweile sind die letzten der neuen Bäume im oberen Teil der Wilhelmshöher Allee gepflanzt. Zusammen mit dem Rasengleis und den Hecken sollen sie nicht nur optisch eine Bereicherung sein, sondern auch das Stadtklima positiv beeinflussen. Entlang der Allee wurden zudem 17 große Bänke aufgestellt, auf denen man sich ausruhen kann. Einheitliche Fahrradbügel und Mülleimer gehören ebenfalls zur Ausstattung.

Neu gepflanzt: Zwischen dem Brüder-Grimm-Platz und dem Bergpark stehen mittlerweile 190 junge Linden, die für mehr Grün an der Allee sorgen.

Unterstützt wurde das Projekt von gleich vier Ortsbeiräten (Mitte, Wehlheiden, Vorderer Westen, Bad Wilhelmshöhe) sowie mehreren Anwohnern. Die haben auf Privatgrundstücken Flächen zur Verfügung gestellt, damit nicht nur im öffentlichen Raum Bäume gepflanzt werden konnten

Blick in die Geschichte der Willi-Allee

Vor dem Krieg war die Straße deutlich schmaler und es gab mehr Bäume

Die Bäume, die an der Wilhelmshöher Allee jetzt nachgepflanzt wurden, sind ein Stück Stadtreperatur. Denn bis zum Zweiten Weltkrieg war die Allee nicht nur deutlich schmaler als heute, sondern auch viel grüner. Woran das lag? Nicht nur Häuser, sondern auch zahlreiche Bäume entlang der Allee wurden durch Bombentreffer im Krieg zerstört. Auf dem bekannten Foto vom Einmarsch der Amerikaner im April 1945 sieht man die Soldaten durch eine Trümmerlandschaft ohne Bäume Richtung Innenstadt gehen.

Jede Menge Bäume vom Schloss bis in die Innenstadt: So wie auf dieser Postkarte sah die Wilhelmshöher Allee vor dem Krieg aus. Jetzt soll der Alleecharakter durch die Neupflanzungen wieder verstärkt werden. Um das ganze Foto zu sehen, klicken Sie oben rechts. 

Doch es waren nicht nur die Bomben, die den Charakter der Allee veränderten. Mindestens genauso viele Bäume verschwanden durch den Umbau der Straße in den 1970er-Jahren. Vorher teilten sich Straßenbahnen und Autos den Straßenraum. Dann wurde die Allee auf vier Fahrspuren verbreitert und die Bahn in die Mitte verlegt. In den Kreuzungsbereichen und am Straßenrand verschwanden Bäume.

Das hat sich in den vergangenen Monaten geändert. 2,1 Millionen Euro standen für die Umgestaltung von Kassels Prachtstraße zur Verfügung. Aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ wurde Kassel mit 1,9 Millionen Euro gefördert. Ausschlaggebend dafür: Die Wilhelmshöher Allee ist eine wichtige Sichtachse zum Weltkulturerbe Bergpark mit dem Herkules. Bei der seit zwei Jahren laufenden Aufwertung der Wilhelmshöher Allee orientieren sich die Planer an historischen Vorlagen.

Trümmer und abgestorbene Bäume: So sah die Wilhelmshöher Allee bei Kriegsende im April 1945 aus.

Als die Allee vor 230 Jahren angelegt wurde, führte die 4,7 Kilometer lange Straße noch durch weitgehend unbebaute Landschaft und vorbei an den Dörfern Wehlheiden und Wahlershausen. Bis vor 100 Jahren standen die Alleebäume fast durchgängig in einem Abstand von 7,50 Metern. Statt der ehemals 1000 Bäume am Straßenrand sind es jetzt wieder 562 und damit 190 mehr als vor Beginn des Programms.

Sichtachse zum Bergpark

Zusammen mit dem neu verlegten Rasengleis, das teilweise automatisch bewässert wird, und den ebenfalls neu gepflanzten Hecken am Rand der Gleise vermittelt die Wilhelmshöher Allee zunehmend wieder den Eindruck eines grünen Bandes. Genau das soll sie als Sichtachse zwischen dem Bergpark und der Innenstadt auch sein.

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