Zuerst Deutsch lernen

Beispiel Kassel: So helfen Bürger, Kirche und CVJM Flüchtlingen

Setzen sich für die Flüchtlinge in Bad Wilhelmshöhe ein: Johanna Herzig, Marianne Dithmar, Lars Hillebold, Mahschid Moniri und Ursula Birg (von links) im CVJM-Kolleg. Foto: Mennecke

Kassel. Vielen Menschen in Kassel fällt die steigende Zahl an Flüchtlingen auf, die in der Stadt vorübergehend wohnen oder heimisch werden.

Der Gedanke, helfen zu wollen, wird meist von der schwierigen Organisation ausgebremst. Wir stellen ein Projekt aus Kassel vor.

„Die eine Seite benötigt Hilfe, die andere möchte etwas geben. Doch beide Seiten haben bisher noch nicht zusammengefunden“, erzählt Pastor Hillebold. Im Arbeitskreis Flüchtlinge haben sich 40 Personen, darunter Privatmenschen und Funktionäre gleichermaßen, zusammengefunden, um das Problem anzugehen. Sie wollen ein Netzwerk bilden, um Dinge für das tägliche Leben vermitteln zu können, Kontakte zu knüpfen oder ganz aktuell Hilfe beim Lernen der Deutschen Sprachen zu geben. „Wir haben dafür eine ehemalige Lehrerin gefunden“, berichtet der Pastor.

Ursula Birg unterrichtet als ehemalige Deutschlehrerin des Friedrichsgymnasiums Kassel die Flüchtlinge künftig zweimal wöchentlich. „Das ist eine ganz neue Herausforderung, da springe auch ich ins kalte Wasser“, sagt Birg. Da die meisten der Flüchtlinge Englisch sprechen, sei der Erstkontakt deutlich leichter. Den Unterricht teilen sich Birg und die Studenten des CVJM.

Möglich wurde das Angebot durch Unterstützer wie Marianne Dithmar, die finanzielle Hilfe leistet. „Die Menschen, zum Teil aus Somalia und Afghanistan sehnen sich nach Ruhe und Frieden. Das sollen sie hier bekommen“, sagt Dithmar. „Die Flüchtlinge in Bad Wilhelmshöhe sind für uns eine wechselseitige Bereicherung.“

„Einer der Menschen in der Gruppe der Flüchtlinge ist die 31-jährige Mahschid Moniri. Sie kam bereits vor vier Monaten aus dem Iran nach Deutschland und musste ihre Familienangehörigen zurücklassen.

Moniri kam im Flüchtlingsheim Jägerkaserne unter und hat dort Deutsch gelernt. Das neue Angebot in Wilhelmshöhe begrüßt die junge Frau sehr. „Sprachkurse sind sehr wichtig, um richtig in Deutschland anzukommen, sich wohl zu fühlen. Das geht aber nur, wenn man den direkten Kontakt zu Deutschen hat“, sagt Moniri. In ihrer Heimat hatte sie einen guten Job und wünscht sich, auch hier in Deutschland schnell wieder arbeiten zu können. „Gerne als Lehrerin, doch hier in Deutschland muss man dafür zwei Fächer und nicht wie in meiner Heimat nur ein Fach studiert haben. Mal schauen, ob das klappt.“

Der Arbeitskreis Flüchtlinge will sein Angebot so lange aufrecht erhalten, wie der Bedarf dafür besteht. Außerdem müssen dafür Unterstützer bereitstehen, die die Arbeit erst möglich machen, berichtet der Arbeitskreis.

25 Flüchtlinge kamen zum Treffen

Als die Helfer und die Flüchtlinge in Wilhelmshöhe sich zum ersten Mal in den Räumen des Christlicher Vereins junger Menschen in der Hugo-Preuß-Straße trafen, um sich kennenzulernen und den Deutschkurs vorzustellen, war es ziemlich voll: Gekommen waren 25 Flüchtlinge von 140, die in Bad Wilhelmshöhe zurzeit leben.

Bei Tee, Kaffee und Kuchen war die anfängliche Schüchternheit schnell verflogen - es wurde im Wohnzimmer des Hauses viel gelacht und in verschiedenen Sprachen viel erzählt. Schließlich kommen die Flüchtlinge unter anderem aus Somalia, Afghanistan oder dem Iran.

Beim Christlichen Verein Junger Menschen war man über die große Resonanz beim ersten Treffen sichtlich froh: „Warum sollen wir die Räume in unserem Kolleg nicht mit Leben füllen, wenn wir jetzt die Gelegenheit dazu haben“, sagte Johanna Herzog vom CVJM.

Auch dadurch, so die Frau, könne man die Liebe am Nächsten zeigen. (kmn)

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.