Asiatischer Stil ist längst verloren

Bergpark Wilhelmshöhe: Haus im Dorf Mulang für 1,1 Millionen Euro saniert

Der chinesische Stil, in dem Landgraf Friedrich II. ab 1780 das Dorf „Mou-lang“ (heute Mulang) errichten ließ, ist heute kaum noch zu erahnen. Nur die Pagode erinnert an die exotische Inszenierung.

Der gut 230 Jahre alte Kuhstall im Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe hingegen, der von der Museumslandschaft Hessen-Kassel (MHK) nun für 1,1 Millionen Euro saniert wurde, ist die längste Zeit im klassizistischen Stil zu bewundern.

Der Kuhstall an der Mulangstraße 5 ist eines von zehn Gebäuden an der Straße, die zum bis heute fast komplett erhaltenen Zierdorf gehörten. In diesem wurde einst das ländliche Leben zur Schau gestellt. Auch schwarze Arbeiter wurden damals als „exotische Anschauungsobjekte“ beschäftigt. Echte Landwirtschaft wurde aber nicht betrieben, es war eine reine Spielerei des Adels.

Frisch saniert: Der ehemalige Kuhstall des chinesischen Dorfes Mulang im Bergpark wurde aufwändig saniert. Bereits im 19. Jahrhundert sind aber die asiatischen Stilelemente des Gebäudes verschwunden.

Doch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war aus dem Zierdorf eine echte Wohnsiedlung geworden. Wilhelm IX, Sohn von Friedrich II., betätigte sich bei der Umgestaltung. Die Gebäude wurden erweitert und ihrer asiatischen Stilelemente beraubt. Auch das geschwungene Dach und die bunte Fassade des Kuhstalls verschwanden seinerzeit.

Weil die zehn Wohnhäuser bis heute durch den Eigentümer MHK als Wohngebäude vermietet werden, können sie immer nur bei einem Mieterwechsel saniert werden. Nun war der Kuhstall an der Reihe. Dies war auch allerhöchste Zeit, sagt Norbert Arnold von der MHK-Bauabteilung. Große Teile des Fachwerks seien von einem Holzschwamm befallen gewesen. Nach einer denkmalpflegerischen Untersuchung des verwinkelten Hauses starteten 2017 die Arbeiten. Dabei wurden etwa die Holzböden erneuert, historische Balken freigelegt und das alte Treppenhaus aus 1850 aufwendig saniert. Ein Höhepunkt ist der ungetrübte Blick aus dem Obergeschoss auf das Schloss Wilhelmshöhe. Nun stehen noch Arbeiten im Außenbereich an.

Kolorierter Stich vom Mulang: Diese Ansicht stammt aus dem Jahr 1791. Zu dieser Zeit war das chinesische Dorf „Mou-lang“ fertiggestellt worden. 

Die Mulang-Häuser werden zunächst intern unter den MHK-Mitarbeitern zur Miete angeboten. Für den Kuhstall gibt es bereits eine lange Interessentenliste

Das Dorf Mulang hat die Jahrhunderte und Kriege fast unbeschadet überstanden. Neben den zehn Wohngebäuden sind die Pagode, das Milch- und das Küchenhäuschen erhalten, die wegen ihrer Größe nicht bewohnbar sind. Zerstört wurden unter anderem eine Windmühle, eine Moschee und ein Speisesaal. In den Anfangsjahren führte ein Flüsschen durch das Dorf, der aber schon 1791 weichen musste als der Lac im Bergpark angelegt wurde.

Rubriklistenbild: © Illustration: MHK

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