Attraktion im Bergpark Wilhelmshöhe

Der Weiße Ritter ist montiert: Neuzugang in der Rüstkammer der Löwenburg

Nur noch die Lederschnüre festziehen, dann ist es geschafft: Der niederländische Künstler Hans van Houwelingen baute gestern den Weißen Ritter für die Löwenburg zusammen.
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Nur noch die Lederschnüre festziehen, dann ist es geschafft: Der niederländische Künstler Hans van Houwelingen baute gestern den Weißen Ritter für die Löwenburg zusammen.

Die Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe hat eine neue Attraktion. Seit Donnerstag steht in der für Besucher zugänglichen Rüstkammer der Burg ein weißer Ritter.

Kassel - Oder besser gesagt: eine weiße Rüstung, die einem mittelalterlichen Ritter gepasst hätte. Im Gegensatz zu den anderen Rüstungen im direkten Umfeld ist diese Version aus Porzellan gefertigt. Und zwar von dem niederländischen Künstler Hans van Houwelingen. Der 64-Jährige hat die Einzelteile, die bereits seit Februar in Kassel sind, gestern Stück für Stück zusammengebaut.

Immer dabei war die Restauratorin Anne Becker von der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Sie hat jeden Schritt dokumentiert, damit sie den Ritter bei Bedarf ab- und wieder aufbauen kann. Spätestens wenn dieser Teil der Löwenburg saniert wird, ist dieses Wissen nötig. Nach derzeitigem Stand könnte das in etwa fünf Jahren der Fall sein.

Das Gegenstück: Der Schwarze Ritter steht direkt gegenüber der weißen Porzellanrüstung.

Doch erst einmal dürfen sich die Besucher über eine weitere Attraktion im Bergpark freuen. Die nach Angaben des Künstlers 30 Einzelteile des Weißen Ritters sind aus Porzellan. Gebrannt wurden sie in den Niederlanden in der ältesten Porzellanfabrik des Landes Royal Tichelaar Makkum.

Doch warum ausgerechnet eine Porzellanrüstung? Hans van Houwelingen hat elf weitere Exemplare nach einer historischen Vorlage für die Erweiterung des Parlamentsgebäudes in seiner Heimat geschaffen. Die Grundidee: Porzellan ist zwar sehr fest, kann aber auch leicht zerbrechen. Deshalb müsse man gut darauf aufpassen und es pfleglich behandeln. So ähnlich sei das auch mit der Demokratie, die immer wieder bedroht werde.

Sowohl von der Ausführung als auch von der Idee war MHK-Direktor Martin Eberle bei einem Besuch in den Niederlanden sofort begeistert. Durch den Austausch mit dem Kunstmuseum in Leuwarden für eine gemeinsame Rembrandtausstellung kam es zum Kontakt mit dem Künstler. Die Kosten für den Porzellanritter werden laut Eberle eine fünfstellige Summe erreichen.

Hat den Aufbau begleitet und dokumentiert: MHK-Restauratorin Anne Becker in der Rüstkammer der Löwenburg.

Eigentlich sollte die Rüstung bereits im Frühjahr die Ausstellung in der Löwenburg ergänzen. Durch Corona und die damit verbundenen Reisebeschränkungen hat sich alles verzögert. Jetzt ist es endlich soweit. In einer schützenden Glasvitrine steht der Weiße Ritter direkt gegenüber vom berühmten schwarzen Ritter der Löwenburg. „Ich bin mir sicher, dass das gut zusammen passt“, sagte gestern Hans van Houwelingen, der mit dem Auto nach Kassel gekommen war.

Der Aufbau des weißen Porzellanritters ging übrigens schneller als erwartet. „Das hat alles wunderbar gepasst und war sehr gut vorbereitet“, sagt Restauratorin Anne Becker.

Die Einzelteile: MHK-Direktor Martin Eberle bei der Präsentation des Ankaufs im Februar. Archiv

Ab sofort können sich Löwenburgbesucher jetzt zwei sehr unterschiedliche Ritter und viele andere Rüstungen ansehen. Für die Führungen muss man sich nicht anmelden. Die finden normalerweise dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr jeweils zur vollen Stunde statt. Sollte der Andrang wegen des Weißen Ritters größer sein, gibt es weitere Führungen.

Weil außer der Rüstkammer auf der Großbaustelle Löwenburg bislang nur die Kapelle zugänglich ist, gibt es einen reduzierten Eintritt. Der kostet 2 Euro (ermäßigt 1 Euro) oder ist Bestandteil des Bergparktickets. (Thomas Siemon)

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