Konzert wird aufs Messegelände verlegt

Aus Angst ums Welterbe: Broilers sollen nicht im Bergpark spielen

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Sie sind eine Kultband: Die Broilers bei einem Auftritt im ehemaligen Musiktheater in Kassel. Sie sollten eigentlich auch live beim Open-Air am Bergpark dabei sein, ihr Konzert wurde jetzt aber auf das Gelände der Messe Kassel verlegt.

Kassel. Das Konzert der Broilers am 19. August in Kassel wird verlegt: Statt im Bergpark soll es auf dem Messegelände stattfinden. Die Beteiligten begründen die Entscheidung unterschiedlich.

Die Broilers bringen ihre Fans mit Punkrock zum Springen und Tanzen. Genau das wollte die Düsseldorfer Band auch am Sonntag, 19. August, vor dem Schlosshotel Wilhelmshöhe in Kassel tun. Doch aus dem Open-Air-Auftritt vor der idyllischen Bergpark-Kulisse wird nichts. Das Konzert wird auf das Messegelände verlegt, erklärt Uwe Vater, Chef des Kasseler Veranstalters MM Konzerte.

Die Beteiligten begründen die Verlegung unterschiedlich. Uwe Vater sagt, die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), die Verantwortlichen des angrenzenden Unesco-Weltkulturerbes Bergpark Wilhelmshöhe, hätte wegen des Besucheransturms Angst um die Substanz ihrer Anlage und dass deshalb dem Bergpark der Weltkulturerbestatus entzogen werden könne. Die gekauften Karten für das Konzert, zu dem er 6000 Besucher erwartet, bleiben gültig.

Deutlich anders sieht das die MHK: Der neuen Konzertreihe vor dem Schlosshotel – bei der auch Milky Chance (17.8.), Max Giesinger und Wincent Weiß (16.8.) auftreten – stehe man grundsätzlich positiv gegenüber, doch habe man Uwe Vater schon bei der ersten Anfrage darauf hingewiesen, dass aus Sicherheits- und Kapazitätsgründen keine Veranstaltungen an Wasserspieltagen genehmigt werden könnten, so MHK-Sprecherin Natascha Callebaut. Davon betroffen: das Broilers-Konzert am Sonntag. Die Entscheidung, an Wasserspieltagen keine Veranstaltungen im Park zu genehmigen, sei eine grundsätzliche – zum Schutz des Welterbes.

Die Broilers sehen den Ortswechsel gelassen: Sie freuen sich auf eine große Sommerparty in Kassel. 

Dazu Vater: „Ich habe mich darüber hinweggesetzt, weil ich dachte, es gehe nur um die Verkehrsbelastung. Da das Konzert auf dem Gelände des Schlosshotels, nicht auf dem der MHK stattfindet, habe ich es dort geplant.“ Erst im Februar habe er von der MHK erfahren, dass der Welterbe-Status entzogen werden könnte. Er entspreche nun den Vorgaben und verlege das Konzert, um dem Welterbe gerecht zu werden. Er glaube aber, die Ablehnung habe mit der Band zu tun. „Ihre Musik passt nicht für den Bergpark. Würden Andrea Bocelli oder André Rieu auftreten, wäre es anders gelaufen“. Die MHK betont, die Regelung für die Wasserspieltage seit Jahren so umzusetzen. 

Wasserspiele sind nachmittags - Konzert wäre abends

So ganz kann Uwe Vater noch immer nicht verstehen, warum das Konzert der Broilers nicht am Abend eines Sonntags, an dem im Bergpark nachmittags die Wasserspiele sind, stattfinden darf. Und schon gar nicht, warum dadurch der Welterbe-Status in Gefahr sein soll. So zumindest hat Vater die Absage der MHK verstanden – die er bereits am 15. Februar erhalten hat. „Wo steht das denn geschrieben?“, fragt der Chef von MM-Konzerte, der seitdem aber auch nicht den Verkauf der Karten gestoppt oder die Kunden darüber informiert hat, dass sich der Veranstaltungsort ändern wird.

Zugleich lenkt er ein, denn er weiß sehr wohl, dass die Veranstaltung zwar auf dem Gelände des Schlosshotels stattgefunden hätte, er in Sachen Logistik aber in einigen Bereichen auch auf die Zustimmung der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) und der Stadt Kassel angewiesen wäre. Außerdem räumt Vater ein, dass er grundsätzlich gewusst habe, dass die MHK sich gegen ein Konzert an einem Wasserspieltag im Park ausgesprochen habe. Trotzdem hat Vater auf den Auftritt der Broilers an einem Sonntag im Park gesetzt und dafür seit einem halben Jahr Karten verkauft – und dabei offensichtlich auf das Einlenken der MHK gehofft.

Sie spielen am Bergpark am 17. August: Milky Chance, Philipp Dausch (links) und Clemens Rehbein.

Er sei allerdings davon ausgegangen, es gehe bei der Ablehnung um die Sorge, dass es zu Verkehrsproblemen ob der vielen Besucher für beide Veranstaltungen kommen könnte. Da beide Veranstaltungen zeitlich voneinander entzerrt stattfinden würden, habe er diesen Grund entkräften wollen. Erst bei einem Gespräch mit Vertretern der MHK am 15. Februar habe man ihm gesagt, „dass eventuell der Weltkulturerbe-Status entzogen werden könnte, wenn Wasserspiele und Konzert am selben Tag stattfinden“, erklärt Vater. Hätte er diese Information früher erhalten, wäre das Konzert so nicht in den Verkauf gegangen, betont er.

Neben dem Schutzaspekt für das Welterbe, das mit seinem Besucheraufkommen an Wasserspieltagen mit gutem Wetter bereits an seine Kapazitätsgrenzen komme, gebe es noch weitere Gründe, erklärt MHK-Sprecherin Natascha Callebaut. Vor und während der Konzerte sollte die Tulpenallee gesperrt werden, was einem sicheren und ungehinderten Abfluss des Verkehrs nach den Wasserspielen verhindern würde. Und: Die vorhandenen Parkplätze reichten für die Wasserspielbesucher oftmals nur knapp aus, darüber hinaus anreisende Konzertbesucher würden die Situation massiv verschlechtern, so die Einschätzung der MHK. „Diese Regelung wird seit mehreren Jahren umgesetzt und wurde Herrn Vater von MM Konzerten weit vor Beginn der Planungen der Konzerte mitgeteilt.“

Egal, wer nun wen wann worüber informiert hat, für die Fans bleibt unterm Strich der Fakt, dass das Konzert nicht im idyllischen Bergpark, sondern auf dem Gelände der Messe Kassel stattfindet.

Die Verlegung sehen die Broilers ganz entspannt: „Sonst bleibt aber fast alles beim Alten: eine große Sommerparty mit vielen Freunden unter freiem Himmel mitten in der Stadt und ein paar kalten Getränken. Wegen der neuen Location können wir jetzt noch lauter (und länger!) Krach machen und haben auch mehr Platz, um uns bühnenmäßig auszubreiten. Dem Spaß sind also noch weniger Grenzen gesetzt als zuvor, klassische Winwin-Situation“, teilen sie mit und freuen sich auf eine heiße Nacht in Nordhessen.

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