Bilder alter Glaskunst

Christuskirche: Alte Kirchenfenster neu entdeckt

Christus auf allen Fenstern: Bei den Recherchen zu einem neuen Bildband über die Christuskirche wurden Zeichnungen der alten Kirchenfenster wiederentdeckt. Sie waren 1942 bei einem Bombenangriff zu Bruch gegangen. Pfarrer Lars Hillebold (links) und Jost Gerhard zeigen ein Motiv von Jesu Auferstehung. Welche Farben die Fenster hatten, ist nicht bekannt. Fotos: Malmus

Kassel. Die schlichten Fenster aus bunten Glasquadraten in der evangelischen Christuskirche sind nicht gerade Blickfänger. Was kaum noch jemand weiß: Einst zierte prächtige Glaskunst das Gotteshaus.

Jetzt sind alte Bilder der früheren Kirchenfenster wiederaufgetaucht. Auf den drei großen Fenstern in der Nordwand der Kirche waren Szenen aus dem Leben Jesu zu sehen. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Ehrenplatz für den Kaiser: Für Wilhelm II. war eine eigene Loge samt edler Stühle vorgesehen. Sogar ein Gesangbuch mit Ledereinband und Goldschnitt ließ die Gemeinde für ihn anfertigen.

Die Wiederentdeckung ist Gemeindemitglied Gerhard Jost zu verdanken. Zusammen mit Pfarrer Lars Hillebold hatte er die Idee, einen handlichen Führer der 1903 erbauten Christuskirche zu erstellen - und vertiefte sich monatelang in das Archiv der Gemeinde. In den Unterlagen stieß der 77-Jährige dann auf eine Erwähnung der „wundervollen Glasgemälde“, die - so notierte es 1907 der damalige Pfarrer - „den besten Werken des Mittelalters würdig an die Seite gestellt werden können“.

Die Kirchenfenster stammten von den Brüdern Otto und Rudolf Linnemann aus Frankfurt, die damals für die Gestaltung von Kirchen berühmt waren. Unter anderem im Frankfurter und Fritzlarer Dom finden sich Arbeiten von ihnen. Auch für den Kasseler Ratskeller hatten sie vier Wappenscheiben gefertigt, die allerdings nicht erhalten sind.

Bei einem Nachfahren der Linnemanns fragte Gerhard Jost nach – und tatsächlich konnten im Archiv in Frankfurt alte Bilder mit den Entwürfen den Fenster für die Kasseler Christuskirche gefunden werden. Sie zeigen Jesu Geburt, sein Wirken zu Lebzeiten (die im Lukasevangelium geschilderte Auferweckung der Tochter des Jairus) sowie die Auferstehung.

Farben nicht bekannt

„Das sind hochwertige Arbeiten im sogenannten Nazarener-Stil“, sagt Jost, der bis zu seiner Pensionierung als Diakon und Medienpädagoge bei der Landeskirche tätig war. Durch eine Fliegerbombe, die 1942 in der Nähe der Kirche explodierte, gingen die Fenster zu Bruch. Nur im Treppenhaus zur Seitenloge ist noch eine Original-Rosette erhalten. Welche Farben die großen Kirchenfenster damals hatten, ist nicht überliefert. Von einem Restaurator wolle man eines exemplarisch im damaligen Stil kolorieren lassen, sagt Pfarrer Lars Hillebold. Er ist begeistert von den Bildern und träumt davon, zumindest eines davon wiederherzustellen - zum Beispiel das vom Jesuskind und den Hirten im mittleren Kirchenfenster. Die Kosten dafür dürften aber wohl im sechsstelligen Bereich liegen.

Alte Fenstermotive der Christuskirche wiederentdeckt

Zur Erbauungszeit der Kirche spielte Geld offenbar nicht die Rolle, wie in dem kurzweiligen Büchlein, das Jost erstellt hat, auch zu lesen ist. „Würdig und monumental“ sollte die Kirche sein, lautete die Vorgabe der Wahlershäuser an den Architekten. Auch eine Loge für den Kaiser Wilhelm II., der damals seine Sommerresidenz auf der Wilhelmshöhe hatte, ließen sie einbauen.

Doch zu einem Besuch des Kaisers kam es nie. Immerhin seine Gemahlin Auguste Viktoria nahm in dem eigens angefertigten kostbaren Stuhl Platz. Während ihr Gesangbuch, das die Gemeinde bis heute verwahrt, deutliche Gebrauchsspuren aufweist, ist das des Kaisers noch wie neu.

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