Zwölfköpfiger Reinigungstrupp sorgt für Sauberkeit

Graffiti, Cola und Taubenkot: So wird der Bahnhof Wilhelmshöhe gereinigt  

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Eine bauliche Herausforderung: Der Bahnhof Wilhelmshöhe wird von vielen Reisenden als hässlich und zugig beschrieben. Auch für Reinigungskräfte bringt die Immobilie Schwierigkeiten mit sich.

Am Bahnhof Wilhelmshöhe in Kassel sorgt ein zwölfköpfiger Reinigungstrupp für Sauberkeit. Die größten Herausforderungen sind Graffiti, Cola und Taubenkot.

Es gibt Orte, an denen haften bestimmte Klischees, und zwar genauso hartnäckig wie Taubenkot auf Steinboden. So eilt einem Bahnhof meist das Vorurteil voraus, ein dreckiger Ort zu sein.

Am Bahnhof Wilhelmshöhe sorgt ein zwölfköpfiger Reinigungstrupp für Sauberkeit und widerlegt das Klischee. Die größten Herausforderungen: Graffiti, Cola und eben Taubenkot. Aber es gibt auch schöne Geschichten – von einem verzweifelt gesuchten Teddybären zum Beispiel.

Ergün Sahin, der Servicebereichsleiter am Bahnhof Wilhelmshöhe, erinnert sich an einen besonderen Fall, als seine Mitarbeiter einen kompletten Müllcontainer nach einem vermissten Kuscheltier durchsucht hätten – mit Erfolg. Am Ende wurde der Bär zur Freude seines Besitzers nach Süddeutschland geschickt – gereinigt, versteht sich.

Das sind dann die schönen Geschichten. Das meiste, was die Reinigungskräfte beseitigen müssen, ist das allerdings weniger: Vandalismusschäden, Fäkalien und andere Hinterlassenschaften nämlich. Für ihre Arbeit sind die Mitarbeiter mit entsprechender Arbeitskleidung ausgestattet – teilweise ist sogar Atemschutz nötig.

Täglich knapp 30.000 Menschen in Bahnhof unterwegs

Der Arbeitstag der Reinigungskräfte beginnt um 4.30 Uhr – kurz, nachdem der erste Zug des Tages den Bahnhof erreicht hat, der letzte kommt kurz nach Mitternacht. Der Schwerpunkt liegt auf dem Herzstück des Bahnhofs – der Empfangshalle. Um 5 Uhr gleitet die Putzmaschine zum ersten Mal an diesem Tag an der Ladenzeile entlang. Sie wischt die Fliesen, über die täglich knapp 30.000 Menschen laufen – zuvor haben die Reinigungskräfte bereits Müll eingesammelt, Scherben aufgefegt und massive Verschmutzungen eingeweicht.

Gegen Mittag wird die Empfangshalle erneut gewischt. Dazwischen sind die Mitarbeiter mit Putzwagen, Schaufel und Kehrblech unterwegs. Ein immer größeres Problem ist Hausmüll, der einfach am Bahnhof zurückgelassen wird. Auch um Vandalismusschäden kümmern sich die Mitarbeiter von DB Service. „Eigentlich um alles, was lose rumliegt“, sagt Ergün Sahin.

Mit der Putzmaschine: Mehmet Cakir (55) ist mit zehn weiteren Kollegen für die Reinigung am Bahnhof zuständig. 

Eins wird auf den ersten Blick deutlich: Wer wartet, raucht – und das nicht gerade wenig. Seitdem man sich im Bahnhof selbst keine Zigaretten mehr anzünden darf, sammeln sich die Raucher vor der Eingangstür und in den Raucherbereichen auf den Bahnsteigen. „Unsere Mitarbeiter polieren regelmäßig die Aschenbecher und das mindestens zehn Mal am Tag“, erklärt Ergün Sahin, aber das halte immer nur für kurze Zeit. Gleiches gilt für die Mülleimer. „Denn wenn ein Mülleimer nicht ansehnlich ist, dann wird er erst recht nicht genutzt“, sagt Mehmet Cakir. Gerade die Raucherbereiche am Haupteingang und an den Gleisen seien ein Problem.

Bahnhof als Spiegelbild der Gesellschaft

Für die Reinigung ist der Bahnhof in vier Kategorien unterteilt. Die höchste Priorität hat die Empfangshalle, danach kommen die Eingangsbereiche, gefolgt von den Zugängen zu den Gleisen und die Bahnsteige an sich. Dort kommen dann Kehrmaschinen zum Einsatz.

Besonders viele Arbeiten gibt es meistens am Zugang zum Parkdeck und im Bereich um den Busbahnhof. Mit Blick auf die Reinigung ist der Bahnhof Wilhelmshöhe eine Herausforderung – zum einen die langen Wege und zum anderen der unterschiedliche Bodenbelag.

Aber wo sich viele Menschen aufhalten, da bleibe Dreck nicht aus. „Ein Bahnhof ist ein Spiegelbild der Gesellschaft“, sagt Ergün Sahin. Hier treffe man alles und jeden. Manche Reisende hätten Fragen, andere würden die Reinigungskräfte einfach ignorieren. Man komme auch oft in Kontakt mit Obdachlosen. Viele kennt man. „Wenn jemand Hilfe braucht, kümmern wir uns“, sagt Sahin. Zuvor war Sahin zehn Jahre für den Bahnhof in Frankfurt zuständig, dagegen sei Kassel ein „Kindergarten“.

Verschmutzungen per WhatsApp melden

Wer eine Verschmutzung auf dem Bahnhof Wilhelmshöhe melden möchte, wählt die Telefonnummer 0157 923 938 19 und speichert sie ein. Automatisch entsteht ein WhatsApp-Kontakt mit dem DB-Logo. Auf diese Weise kann der Kontakt mit DB-Services hergestellt werden, die sich darum kümmern, dass das Problem beseitigt wird.

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