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Besucher begeistert: Kasseler Löwenburg nach zehn Jahren wiedereröffnet

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Von: Bastian Ludwig

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Kennen die Burg schon seit eigenen Kindheitstagen: Martin und Franziska Zobel aus Kassel waren mit ihrem Sohn Noah auf der Löwenburg.
Kennen die Burg schon seit eigenen Kindheitstagen: Martin und Franziska Zobel aus Kassel waren mit ihrem Sohn Noah auf der Löwenburg. © Dieter Schachtschneider

Mehr als zehn Jahre lang wurde die Löwenburg in Kassel saniert. Nun ist das Schloss für Besucher wieder offen - und die zeigen sich begeistert.

Kassel - Das Warten hat sich gelohnt: Mehr als zehn Jahre lang liefen die 35 Millionen Euro teuren Sanierungsarbeiten an der Löwenburg in Kassel. Mehrfach hatte sich das Bauprojekt um Jahre verzögert. Nun wurde die Burg eröffnet. Am Wochenende konnten die Besucher erstmals die Rekonstruktion des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Hauptturms samt Aussichtsterrasse sowie den sanierten Herren- und Damenbau besichtigen. Die Reaktionen waren teilweise überschwänglich.

Die gut 1000 Besucher, die am Samstag gezählt wurden, strömten kontinuierlich in die 1793 als mittelalterliche Ruine errichtete Burg. Am Sonntag waren es nochmal 1600. Das ganz große Gedränge blieb trotz freien Eintritts glücklicherweise aus. Die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) hatte die Besichtigung von Hauptturm und Beletage in Herren- und Damenbau gut organisiert. In Kleingruppen wurde Einlass gewährt. Die Besucher durften ausnahmsweise selbstbestimmt durch die Räume laufen, wobei überall MHK-Mitarbeiter Informationen gaben und die Besucherströme lenkten.

Waren begeistert: Thorsten Eschstruth aus Eschwege ließ sich mit seinen Kindern Johanna und Georg von MHK-Mitarbeiterin Anne Harmssen vieles über die Burg erklären.
Waren begeistert: Thorsten Eschstruth aus Eschwege ließ sich mit seinen Kindern Johanna und Georg von MHK-Mitarbeiterin Anne Harmssen vieles über die Burg erklären. © Dieter Schachtschneider

Löwenburg in Kassel „war ein großer Spielplatz für den Landgrafen“

Für Cordula Müller und David Seibel, die mit ihren drei Kindern zur Burg gekommen waren, war es der allererste Einblick in die Ruine, die Landgraf Wilhelm IX. erbauen lassen hatte. Sie waren angetan von der Rekonstruktion und der originalgetreuen Einrichtung. Auch ihre Kinder kamen auf ihre Kosten. Denen gefiel vor allem die Rüstkammer, wo an diesem Tag Helme, Schwerter und Schilde ausprobiert werden konnten.

Martin und Franziska Zobel waren das letzte Mal im Kindesalter in den über Jahre gesperrten Räumen der Löwenburg. „Die Beletage ist schön geworden und es wird wirklich viel erklärt. Die Burg war ein großer Spielplatz für den Kasseler Landgrafen, wo er aber nur selten war“, sagt Martin Zobel. Für Kassel sei das Ergebnis der Sanierung eine große Bereicherung. Als Kind sei er an den Zinnen der Burg entlanggelaufen. Das geht heute nicht mehr. Seine Frau findet die Burg „märchenhaft“.

Daniel Kies stieg mit seinem Sohn Nikita die 130 Stufen zur Terrasse des wiederaufgebauten Hauptturms hinauf und genoss den Blick über Stadt und Bergpark. Seit 2005 lebt Kies in Kassel und doch war es sein erster Besuch in der Löwenburg. „Das war hier immer Baustelle.“

Begeistert von den Rittern: Der sechsjährige Emilian durfte in der Rüstkammer Helm, Schwert und Schild ausprobieren. Alles war ganz schön schwer.
Begeistert von den Rittern: Der sechsjährige Emilian durfte in der Rüstkammer Helm, Schwert und Schild ausprobieren. Alles war ganz schön schwer. © Dieter Schachtschneider

Perltapete aus 600.000 Perlen ist „Rembrandt der Löwenburg“

„Einfach imposant“ lautete das Fazit von Thorsten Eschstruth aus Eschwege. Er sei überrascht von der warmen Farbgestaltung der Räume in Rot- und Brauntönen. Ein Hingucker sei die Perltapete, die aus etwa 600.000 Glasstabperlen besteht und die MHK-Mitarbeiterin Anne Harmssen als „Rembrandt der Löwenburg“ bezeichnete. Allein 45 Restauratoren seien nur mit dem Mobiliar der Burg beschäftigt gewesen.

Ein Publikumsmagnet war auch der im Zweiten Weltkrieg durch den Bombentreffer zerstörte Steintisch, den der Steinätzer Andreas Pleninger 1605 geschaffen hatte. Die MHK hat die Zerstörungen bewusst sichtbar gelassen, um die wechselvolle Geschichte des Tisches, in den mehrstimmige Vokalstücke (Madrigale) hineingeätzt wurden, darzustellen.

Löwenburg in Kassel: Finanzierung der Einrichtung noch nicht ganz geklärt

Noch gibt es viel zu tun in der Löwenburg. Die Sanierung des Schlafzimmers im Herrenbau sowie die benachbarte Garderobe und das Vorzimmer verzögern sich, weil es beim roten Seidensamt für die Wandbespannung zu Lieferproblemen gekommen ist. Auch die Einrichtung des Speisesaals im Erdgeschoss des Hauptturms steht noch aus. Da muss zunächst die Finanzierung geklärt werden.

Die Burg kann von Dienstag bis Sonntag die Burg besichtigt werden. Führungen starten stündlich zwischen 10 und 16 Uhr. Für den Eintritt muss für sechs Euro ein Bergparkticket erworben werden. Kinder bis 18 Jahren sind frei. (Bastian Ludwig)

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