Bäckermeister geht in den Ruhestand

Traditionsbäckerei in Kassel schließt – Das letzte Riesenbrot aus dem Ofen

Vor dem Steinofen aus dem Jahr 1949: Theresia und Hans-Joachim Hofmann.
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Vor dem Steinofen aus dem Jahr 1949: Theresia und Hans-Joachim Hofmann.

Bäckermeister Jürgen Hofmann aus Kassel geht in den Ruhestand. Viele bei den Kunden beliebte Bäckerei-Spezialitäten wird es zukünftig nicht mehr geben.

Kassel - Der große Steinofen ist genauso alt wie das Haus an der Kunoldstraße in Bad Wilhelmshöhe. Ein Nachkriegsmodell aus dem Jahr 1949. Und ein absolutes Prachtstück, wie Bäckermeiser Hans-Joachim Hofmann betont. Am Samstag wird der 60-Jährige zum letzten Mal eines seiner bei der Kundschaft berühmten 80 Zentimeter langen Roggenmischbrote aus diesem Ofen holen. Danach ist Schluss, Hans-Jürgen Hofmann geht in den Ruhestand, die Bäckerei Umbach – immer noch nach Vorgänger Lothar Umbach benannt – wird geschlossen.

Es ist ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Es gibt so viele tolle Rückmeldungen von unseren Kunden“, sagt Theresia Hofmann (59), die mit ihrem Mann in den vergangenen 16 Jahren den Laden geführt hat. Einige sind schon vor Jahren weggezogen und lassen sich immer noch Brot aus Kassel bis an den Bodensee und nach Schleswig-Holstein mit der Post schicken. Die Wahlershäuser Brötchen, eine Eigenkreation aus Weizen, Roggen und Gries, das dunkle Mecklenburger oder das lange Vollkornbrot aus dem Dampfbackkasten, die Plunderstücke: Das sind Spezialitäten, die man nicht überall bekommt.

Traditionsbäckerei in Kassel schließt: Steinofen hat Bäckermeister sofort begeistert

Dabei war es ein Zufall, dass Hans-Joachim Hofmann überhaupt nach Bad Wilhelmshöhe kam. Nach seiner Bäckerlehre in Wolfhagen wollte er sich irgendwann selbstständig machen. Eine kleine Bäckerei ohne weitere Filialen, das konnten er und seine Frau sich vorstellen. In ganz Deutschland haben sie sich umgesehen und wurden dann quasi vor der Haustür fündig. Entscheidend sei der Steinofen gewesen, der habe ihn sofort begeistert, sagt der vierfache Familienvater.

Seit der Lehre ist er immer mitten in der Nacht aufgestanden. Seit mittlerweile 45 Jahren. An der Kunoldstraße hat er den heute per Gas betriebenen Ofen gegen ein Uhr in der Nacht angeworfen. Vorher noch eine halbe Stunde Anfahrt vom Wohnort in Wolfhagen. Dann ging es locker mal zwölf Stunden, bis er sich noch mal hinlegen konnte.

Traditionsbäckerei in Kassel schließt: Mietvertrag läuft aus

Das hat geschlaucht. Nach einigen gesundheitlichen Warnschüssen stand für ihn fest, dass er mit 60 Jahren aufhören würde. Zudem ist gerade der Mietvertrag ausgelaufen. „Das passt, ich freue mich jetzt auf den Ruhestand“, sagt der Bäcker. Er würde sich freuen, wenn der Steinofen ausgebaut werden könnte. Mit dem Eschenhof in Altenhasungen gibt es einen Interessenten. Da müsse man mal sehen, ob das technisch machbar sei. (Thomas Siemon)

In Kassel gibt es eine vegane Konditorei: Stephan Roos hat sich auf veganes Backen spezialisiert und ist damit bereits über Nordhessen hinaus bekannt.

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