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Wilhelmshöhe Open: Ein Tag mit Sebastian Fanselow

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Von: Maximilian Bülau

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Sebastian Fanselow.
Steht im Einzel im Halbfinale: Sebastian Fanselow. © Dieter Schachtschneider

Die Wilhelmshöhe Open in Kassel gehen in die entscheidende Phase. Gestern wurden die Halbfinalteilnehmer im Einzel sowie die Finalisten im Doppel ermittelt. Immer mittendrin: Sebastian Fanselow.

Kassel – Der Freitag beginnt für Sebastian Fanselow um kurz nach acht am Morgen. Der 30-Jährige hat an diesem Tag einiges vor. Er steht in der Einzelkonkurrenz der Wilhelmshöhe Open im Viertelfinale, im Doppel hat er mit seinem Partner Kai Wehnelt bereits das Halbfinale erreicht. An diesem Freitag also stehen für ihn gleich zwei Matches an. Rund dreieinhalb Stunden bevor das erste beginnt, steht er auf. Zwei Stunden vor dem ersten Ballwechsel will der Tennisspieler auf der Anlage des KTC Bad Wilhelmshöhe sein. Eine Stunde vor Start folgt das Aufwärmen. Dann geht es los.

Los geht es für Fanselow mit dem Einzel. Er sagt selbst: „Ich bin in einem Mordsviertel gelandet. Mit dem Italiener Thomas Fabbiano, mit Rudi Molleker, mit Jan Choinski. Da habe ich mir weniger ausgerechnet als im Doppel.“ Choinski schlug er allerdings am Donnerstag, Molleker besiegte Fabbiano. Nun treffen Fanselow und Molleker aufeinander.

Der Start läuft für den 30-Jährigen gegen seinen neun Jahre jüngeren Kontrahenten optimal. 6:1 gewinnt er den ersten Satz. Im zweiten liegt er 1:4 zurück, kommt dann wieder heran. 3:4 bei eigenem Aufschlag. Doch ein Break folgt dem anderen. Molleker gleicht aus. 6:4.

Der dritte Satz muss also her. Häufig dominiert Molleker die Ballwechsel, ist aktiver, macht aber auch viele einfache Fehler. Fanselow sagt hinterher: „Ich habe vor fünf Jahren einmal gegen ihn verloren. Da war er 16 und ich 25. Das hat schon wehgetan damals. Aber ich weiß, dass er ein Defensivspieler ist. Es war schon mein Plan, dass ich ihn mehr das Spiel machen lasse. Weil ich weiß, dass ihm das weniger liegt.“ Fanselow muss dafür mehr laufen, mehr investieren. Und später tritt er ja auch noch im Doppel an.

Für den dritten Satz wechselt Fanselow die Farben. Aus einem roten Shirt wird ein blaues. Entscheidend wird das nicht gewesen sein. Entscheidend ist aber sein Break zum 3:2. Das Match ist zu diesem Zeitpunkt eng, geht fast immer über Einstand, ganz egal, wer aufschlägt. Fanselow feuert sich selbst immer wieder an. „Komm jetzt“, ruft er. Oder: „Allez!“ Mach weiter! Der 30-Jährige ist zwar Deutscher. Er lebt aber mittlerweile in Portugal, in Lissabon. Auch die USA war schon einmal seine Heimat. Dort lernte er seine Freundin kennen, die in Portugal einen Job fand. Deswegen zogen die beiden nach Südeuropa. Fanselow ist ohnehin viel unterwegs. Er spielt für Eintracht Frankfurt in der Liga. Aber er spielt auch in Dänemark, Italien und Frankreich für einen Verein. Durch die unterschiedlichen Jahreszeiten, in denen die Spieltage stattfinden, kann er das stemmen.

Zurück zum Match. Fanselow bestätigt das Break, führt irgendwann 5:3. Der Moment, als Molleker den Glauben verliert. Er schenkt das Aufschlagspiel fast ab. 0:40. 15:40. Dann ist es vorbei. Fanselow gewinnt. Und tritt heute gegen den Georgier Aleksandre Metreweli an. Und das, obwohl er sagt, dass ihm die Wilhelmshöhe Open bislang eigentlich nicht lagen. Zum vierten Mal ist er dabei. Gewonnen hat er nie. Nicht im Einzel, nicht im Doppel.

Das könnte sich in diesem Jahr nun ändern. Zumindest im Einzel. Da, wo er sich eigentlich weniger ausgerechnet hatte. Denn das Doppel verliert er später am Nachmittag mit seinem Partner Wehnelt gegen das ebenfalls deutsche Duo Tom Gentzsch und Leopold Zima. 3:6, 4:6. Fanselow und Wehnelt waren an Nummer eins gesetzt.

Unabhängig vom Ausgang: Abends ist Fanselow dann froh, im Bett zu liegen. So eine Woche schlaucht. Auch wenn er sagt: „Hintenraus wird es eigentlich einfacher, wenn die Zahl der noch zu spielenden Matches überschaubarer wird.“ Er sagt aber auch: „Wenn mich jemand nach dem Einzel gefragt hätte, ob ich ins Bett möchte oder noch mal auf den Platz – die Antwort wäre klar gewesen.“

Gefragt hat aber niemand. Zumindest heute hat er nun nur noch ein Match vor der Brust. Sollte er das Turnier gewinnen, dann wäre das trotz des Aus’ im Doppel doppelt schön. Denn vor drei Jahren – bei der letzten Auflage – gewann sein guter Kumpel Lucas Gerch. Sollte er ausscheiden, gibt es trotzdem keine Pause. „Dann spiele ich am Sonntag in der Liga für Frankfurt“, sagt er. (Maximilian Bülau)

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