Rüstung aus Pozellan für die Ausstellung in der Rüstkammer

Ein weißer Ritter für die Löwenburg

Die Einzelteile für den weißen Ritter sind bereits angekommen: Porzellanrestauratorin Anne Becker von der MHK wird den Zusammenbau begleiten.
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Die Einzelteile für den weißen Ritter sind bereits angekommen: Porzellanrestauratorin Anne Becker von der MHK wird den Zusammenbau begleiten.

Es ist ein spektakulärer Neuzugang für die Ritterausstellung in der Löwenburg. Die Museumslandschaft Hessen Kassel hat einen weißen Porzellanritter angeschafft. Sobald es die Coronapandemie zulässt soll er zusammen mit dem schwarzen Ritter präsentiert werden.

Wahrscheinlich ist der schwarze Ritter von der Löwenburg auch deshalb bei Besuchern so beliebt, weil sich um ihn eine Legende rankt. Einmal im Jahr erwacht er angeblich zum Leben und wandelt durch die dunkle Nacht im Bergpark. An so einer Legende muss der Neuzugang in der Rüstkammer der Löwenburg erst noch arbeiten. Das Zeug dazu hat der weiße Porzellanritter, der ab dem Frühjahr seinen Platz neben dem schwarzen Kollegen einnehmen wird.

„Das wird ein sehr attraktiver Gegensatz“, sagt Martin Eberle, der Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel und damit Hausherr im Bergpark. Ihn habe es gereizt, neben dem kriegerischen Aspekt einer Metallrüstung auch eine zerbrechliche Variante aus Porzellan zu präsentieren.

Genau das sei der Ansatz des niederländischen Künstlers Hans van Houwelingen (Jahrgang 1957), der diese und andere Rüstungen angefertigt hat. Einige stehen im Regierungsgebäude der Provinz Friesland. Dort in Leeuwarden hat Eberle zum ersten Mal eine weiße Rüstung aus Porzellan gesehen. Zu der niederländischen Stadt gibt es einen engeren Kontakt seit den wechselseitigen Rembrandt-Ausstellungen, zu denen die Museumslandschaft unter anderem ihr berühmtes Saskia-Gemälde beisteuerte.

Von der ersten Idee bis zur Lieferung des weißen Ritters in Einzelteilen hat es eine ganze Weile gedauert. Die Vorbilder in Leeuwarden wurden in den königlichen Werkstätten gebrannt und in Anwesenheit der ehemaligen Königin Beatrix in einer Ausstellung präsentiert. In den gleichen Öfen hat der Künstler jetzt auch die Version für Kassel gebrannt. „Vorbild ist eine Originalrüstung aus dem 15. Jahrhundert“, sagt Martin Eberle.

Noch braucht es etwas Fantasie, um sich auf der Grundlage von 24 Einzelteilen eine komplette Rüstung samt Helm vorzustellen. Die Kosten werden laut Eberle eine fünfstellige Summe erreichen. Sobald es Corona zulässt und die Reisebeschränkungen gelockert sind, soll der Künstler nach Kassel kommen und den weißen Ritter montieren.

Mit dabei wird dann auch MHK-Restauratorin Anne Becker sein, die jeden Schritt dokumentiert. Schließlich könnte es ja auch mal nötig sein, die Rüstung wieder abzubauen. Zum Beispiel wenn die Rüstkammer so wie im Moment für eine Grundreinigung ausgeräumt werden muss.

Und wann wird der weiße Ritter nun zusammen mit dem schwarzen Ritter und der erst vor Kurzem restaurierten Reiterrüstung zu sehen sein? „Wir bereiten alles so vor, dass wir im April starten können“, sagt Martin Eberle. Ansonsten müsse man einfach abwarten, wie sich die Corona-Lage entwickelt. Die neue Attraktion der Löwenburg wird jedenfalls rechtzeitig fertig. (Thomas Siemon)

So sieht der weiße Ritte komplett aus: Die Vorlage steht im niederländischen Friesland.

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