Spuren in Kasseler Stadtteil Bad Wilhemshöhe

Einst größtes Anwesen am Mulang: Die versteckten Reste der "Villa Freya"

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Um 1900 entstanden: Das Anwesen der Villa „Freya“, das später das Kurhaus beherbergte, erstreckte sich über einen ganzen Straßenblock. Zu sehen ist hier auch der erhaltene Brunnen. Im Hintergrund ist die Villa Henkel zu sehen, die bis heute steht.

Kassel. Es war das größte Anwesen der Villenkolonie Mulang: Die „Villa Freya“. Sie wurde zwar vor über 40 Jahren abgerissen, dennoch gibt es noch versteckte Spuren in Wilhelmshöhe.

Die "Villa Freya" war Ende des 19. Jahrhunderts vom Rittergutbesitzer Oscar Mummy erbaut worden. Umgeben war sie von einer Parkanlage, die sich zwischen Kurhausstraße, Schlossteichstraße, Lindenstraße und Brabanter Straße erstreckte. Die Villa, die später als städtisches Kurhaus diente, wurde 1972 für einen Neubau abgerissen. Es gibt aber bis heute versteckte Überbleibsel des prächtigen Anwesens.

Gut erhalten: Teile des Zauns der alten Villa haben Krieg und Abriss überstanden.

Lexikon-Wissen:

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Die Reste der historischen Anlage sind im Garten von Axel Simon zu finden, der seit 1991 an der Schlossteichstraße wohnt. Auf seinem Grundstück befindet sich der alte Brunnen der Villa. „Ich hatte mal überlegt, ihn wieder in Betrieb zu nehmen, aber das würde Unsummen kosten. Zudem wäre er öffentlich nicht zugänglich“, sagt Simon. So liegt der Brunnen, der von der Straße nicht zu sehen ist, weiter im Dornröschenschlaf.

Weil der Zahn der Zeit am Brunnen nagt, hat Simon die Schalen des Brunnens bereits instandsetzen lassen. Die alten Wasserspeier in Form von Tierfiguren aus Bronze schmücken heute Simons Grundstück. Ebenfalls stehen dort noch die Trauerbuchen, die zum Ensemble der Grünanlage gehörten. Nicht mehr erhalten ist die breite Treppe, die vom Park zur Villa führte. 

Wasserspeier: Eine der alten Bronzefiguren des Brunnens.
Am Brunnen sitzend: Herrschaftsgärtner Otto Korn arbeitete in den 1930er-Jahren in der Villa.

Dafür stehen noch Teile des schmiedeeisernen Zauns, der das Grundstück umgab, auf dem sich früher neben der Villa Stallungen, ein Gewächshaus und ein Gärtnerhaus befanden. Der ursprüngliche Eigentümer, Rittergutbesitzer Mummy, hatte die Anlage für knapp 400.000 Goldmark erbaut. 1920 wurde sie an den Kaufmann Wilhelm Piepmeyer verkauft. Dieser wiederum veräußerte das Anwesen an die Stadt Kassel, die dort 1935 das Kurhaus eröffnete. Im Krieg wurde das Haus teilweise zerstört, aber ab 1947 war schon wieder ein provisorischer Badebetrieb möglich. 

Vom Abrissbagger verschont: Der alte Brunnen der Villa, die später als Kurhaus diente, bevor sie 1972 abgerissen wurde. Im Hintergrund das Haus von Axel Simon.

In den 60er-Jahren setzte ein schleichender Niedergang ein. Das Gebäude verfiel zusehends und der Kurhausbetrieb wurde 1970 eingestellt. Zwei Jahre später rückten die Abrissbagger an, um Platz zu schaffen für eine Wohnanlage der Wohnungsbaugesellschaft „Neue Heimat“. Bereits Ende der 70er-Jahre wurden die Überbleibsel der Villa unter Denkmalschutz gestellt – für die Villa kam dieser zu spät.

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Bis heut erhalten, das Haus Sust: Dieses große Gründerzeithaus mit durchgehendem Fachwerk steht am Siebertweg. Es wurde unter dem Namen „Haus Sust“ als Café und Pension betrieben. Das Gebäude ist bis heute weitestgehend erhalten. Früher gab es am Mulang etliche Pensionen und Cafés. © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
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Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
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Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
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Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
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Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
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Erhalten: Die 1881 erbaute Heilanstalt Greveler, die später Erholungsheim der Eisenbahner war, ist heute Teil der Habichtswald-Klinik. © Fotos: Archiv Forssmann
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Mondän: Speisesaal des Erholungsheimes der Eisenbahner, das heute Teil der Habichtswald-Klinik an der Mulangstraße (oberhalb der Kurhessen-Therme) ist. © Fotos: Archiv Forssmann
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Nicht mehr erhalten, das Töchterpensionat: Das Gebäude an der Hugo-Preuß-Straße/ Ecke Steinhöferstraße war eines der ersten am Mulang. Ab 1910 war in der Villa, die vorher auch als Pension genutzt wurde, das „Töchterpensionat Dietz“ untergebracht. Wann genau das Gebäude zerstört wurde, ist unbekannt. © Fotos: Archiv Forssmann
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Bis heute erhalten, das Ridinger Schloss: Das als Privatvilla erbaute Haus an der Löwenburgstraße wurde zeitweise als „Hotel Ridinger Schloss“ betrieben und ist inklusive des Turms erhalten. Das Gebäude hat ein Portal, das aus dem Jahr 1657 stammt und einem Renaissance-Bau der Kasseler Altstadt entnommen wurde. © Fotos: Archiv Forssmann
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Nicht mehr erhalten, das Kurhaus: Die großzügige Villa an der Kurhausstraße wurde ab 1935 als Kur- und Badehaus genutzt. Die Villa hatte den Krieg weitestgehend unbeschadet überstanden. Doch 1970 wurde der Kurbetrieb eingestellt. 1972 wurde der Bau für eine große Wohnanlage abgerissen. © Fotos: Archiv Forssmann
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Bis heute erhalten, die Villa Gustav Henkel: Die Villa im neoklassizistischen Stil wurde um 1890 von Gustav Henkel an der Kurhausstraße gebaut. Sie ist bis heute sehr gut erhalten. Der Fabrikant Henkel war 1870 nach Kassel gekommen, wo er die Firma Beck & Henkel gründete, die Dampfmaschinen und Kraftanlagen baute. © Fotos: Archiv Forssmann
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Nicht mehr erhalten, eine Villa im Cottage-Stil: Diese Villa im Cottage-Stil stand einst an der Schlossteichstraße. Unser Foto zeigt eine Ansicht von 1895. Das heißt, sie gehörte zu den ersten Villen am Mulang. Nach Informationen des Hobbyhistorikers Friedrich Forssmann wurde sie abgerissen. Heute steht dort eine Stadtvilla. © Fotos: Archiv Forssmann
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Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
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Abgerissen: Nicht mehr direkt am Mulang, aber eindrucksvoll. Das 1884 erbaute Goßmann-Sanatorium musste 1970 den Türmen der Augustinum-Altenwohnanlage im Druseltal weichen. © Fotos: Archiv Forssmann
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Steinhöferstraße: Die beiden ersten Gebäude auf der rechten Seite der kolorierten Postkarte haben die Kriegs- und Nachkriegszeit überstanden. © Fotos: Archiv Forssmann
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Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
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