Wissenschaftler: Bebauung in Wilhelmshöhe stört Luftfluss

Wissenschaftler: Freibad-Gelände in Wilhelmshöhe wichtig für Stadtklima

Lutz Katzschner

Kassel. Der Vorschlag der SPD, das Freibad Wilhelmshöhe zu schließen, dieses Grundstück zu verkaufen und mit dem Geld das Freibad Harleshausen zu sanieren, sorgt derzeit für politischen Wirbel. Ein solcher Plan könnte auch das Klima in der Stadt nachhaltig verändern und belasten.

Das sagt Umweltmeteorologe Prof. Dr. Lutz Katzschner von der Universität Kassel. „Klimatisch verbietet sich eine Bebauung an dieser Stelle“, bringt es der Wissenschaftler auf den Punkt.

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Dabei bezieht er sich auf eine Klima-Analyse, die das Wissenschaftler-Team der Universität im Jahr 2009 im Auftrag des Zweckverbandes Raum Kassel erarbeitet hatte und die seitdem bekannt ist. Auf Anfrage des Fördervereins des Freibades Wilhelmshöhe hat Katzschner diesen Teil des Gutachtens noch einmal vorgelegt und erläutert.

Eine eventuelle Umnutzung des Freibades Wilhelmshöhe hätte negative Auswirkungen auf das Stadtklima, weil das 28 000 Quadratmeter (etwa vier Fußballfelder) große Gelände in einer Kalt- und Frischluftbahn liege. Durch eine Versiegelung von Grünflächen an dieser Stelle könne der Luftabfluss unterbrochen werden, erläutert Katzschner. Die Höhe der Bebauung spiele dabei keine Rolle.

Das Freibad Wilhelmshöhe liege in einer Kalt- und Frischluftabflussbahn entlang der Drusel in Richtung Flüsseviertel, Wilhelmshöher Allee und Wilhelmshöher Bahnhof, erläutert der Wissenschaftler. Wenn der Zufluss kühler Luft aus dem Habichtswald unterbrochen sei, könne sich die Luft im Stadtgebiet nachts schlechter abkühlen. Die breite Grünfläche in diesem Bereich unterstütze mit einer hohen Abkühlungsrate den Abfluss kalter Luft. In bestimmten Stadtgebieten könne es sich in der Folge extrem aufheizen. Betroffen wären vor allem die darunter liegenden Wohngebiete wie das Flüsseviertel, aber auch die Orthopädische Klinik und die Seniorenresidenz an der Wilhelmshöher Allee.

Besondere Kessellage

Auch die jetzt noch eindringende Frischluft in die Eder-, Werra-, Landgraf-Karl- oder die Friedrich-Naumann-Straße könnte gestört werden, sagt der Klima-Fachmann. Es gelte, längerfristige Auswirkungen solcher städtebaulicher Eingriffe im Blick zu haben, appelliert er. Gerade wegen der besonderen Kessellage der Stadt sei es wichtig, die Frischluftzufuhr nicht weiter abzuriegeln. Katzschner: „Durch den Klimawandel wird sich die Situation noch verschärfen.“

Auch der Status des Kurortes Bad Wilhelmshöhe könnte bei einer erneuten Überprüfung gefährdet sein, glaubt er.

Von Martina Heise-Thonicke

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