Kassel droht Zahlung von Schadenersatz

Planungsfehler in Wilhelmshöhe: Stadt ließ illegalen Bau von Villen zu

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Kurhausstraße 28-30.

Kassel. Beim Bau von zwei Stadtvillen am Mulang in Wilhelmshöhe haben die Stadtplaner grobe Fehler gemacht und Rechte verletzt: So sah es jetzt der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel und erklärte den Bauplan für unwirksam. Weil die Neubauten bereits 2013 fertiggestellt worden sind, drohen der Stadt Entschädigungszahlungen.

Kritisiert hatten die Richter vor allem, dass die Stadt für die Neubauten an der Kurhausstraße einen Bebauungsplan aufgestellt hatte, ohne den vom Bauplan betroffenen Nachbarn einzubeziehen. Dieser hatte daher 2012 Klage eingereicht. Es dauerte zwei Jahre bis mit dem VGH die letzte Instanz entschieden hatte.

Die Villenkolonie Mulang im HNA-Regiowiki.

Ausgangspunkt für die juristische Ohrfeige für die Stadt war das seit 2010 geplante Bauvorhaben eines Kasseler Investors. Damit dieser zwei Villen mit Eigentumswohnungen in ihrer jetzigen Größe realisieren konnte, musste die Stadt das am Mulang geltende Baurecht umgehen. Denn auf dem Baugrundstück Kurhausstraße 28 wäre eigentlich nur ein Neubau zulässig gewesen. Auch hätte keine Gastronomie einziehen dürfen – heute wird dort ein Bistro betrieben.

Kurhausstraße 28-30.

Um eine Ausnahmeregelung im einst reinen Wohngebiet zu schaffen, stellte die Stadt einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan auf. Dieser umfasste nicht nur das Baugrundstück, sondern auch das des Nachbarn. Weil der Nachbar einen parkähnlichen Garten hat, war die Grünfläche im Planbereich groß genug, um auf dem Baugrund zwei Häuser errichten zu können. Ein planerischer Kniff, den die Stadt ohne Erlaubnis des Nachbarn gemacht hatte.

Denn dieser hatte sich – wie der Ortsbeirat – lange vor Baubeginn gegen die Stadtvillen ausgesprochen. „So ein Vorgehen von Stadtplanern ist ein ziemliches Unikum“, sagt Karl Becker, Anwalt des Klägers. Nun müsse die Stadt seinen Mandanten entschädigen und die Gerichtskosten tragen. Es soll um einen fünfstelligen Betrag gehen.

Von Bastian Ludwig

Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang

Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Bis heut erhalten, das Haus Sust: Dieses große Gründerzeithaus mit durchgehendem Fachwerk steht am Siebertweg. Es wurde unter dem Namen „Haus Sust“ als Café und Pension betrieben. Das Gebäude ist bis heute weitestgehend erhalten. Früher gab es am Mulang etliche Pensionen und Cafés. © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Erhalten: Die 1881 erbaute Heilanstalt Greveler, die später Erholungsheim der Eisenbahner war, ist heute Teil der Habichtswald-Klinik. © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Mondän: Speisesaal des Erholungsheimes der Eisenbahner, das heute Teil der Habichtswald-Klinik an der Mulangstraße (oberhalb der Kurhessen-Therme) ist. © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Nicht mehr erhalten, das Töchterpensionat: Das Gebäude an der Hugo-Preuß-Straße/ Ecke Steinhöferstraße war eines der ersten am Mulang. Ab 1910 war in der Villa, die vorher auch als Pension genutzt wurde, das „Töchterpensionat Dietz“ untergebracht. Wann genau das Gebäude zerstört wurde, ist unbekannt. © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
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Bis heute erhalten, das Ridinger Schloss: Das als Privatvilla erbaute Haus an der Löwenburgstraße wurde zeitweise als „Hotel Ridinger Schloss“ betrieben und ist inklusive des Turms erhalten. Das Gebäude hat ein Portal, das aus dem Jahr 1657 stammt und einem Renaissance-Bau der Kasseler Altstadt entnommen wurde. © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Nicht mehr erhalten, das Kurhaus: Die großzügige Villa an der Kurhausstraße wurde ab 1935 als Kur- und Badehaus genutzt. Die Villa hatte den Krieg weitestgehend unbeschadet überstanden. Doch 1970 wurde der Kurbetrieb eingestellt. 1972 wurde der Bau für eine große Wohnanlage abgerissen. © Fotos: Archiv Forssmann
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Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
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Bis heute erhalten, die Villa Gustav Henkel: Die Villa im neoklassizistischen Stil wurde um 1890 von Gustav Henkel an der Kurhausstraße gebaut. Sie ist bis heute sehr gut erhalten. Der Fabrikant Henkel war 1870 nach Kassel gekommen, wo er die Firma Beck & Henkel gründete, die Dampfmaschinen und Kraftanlagen baute. © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Nicht mehr erhalten, eine Villa im Cottage-Stil: Diese Villa im Cottage-Stil stand einst an der Schlossteichstraße. Unser Foto zeigt eine Ansicht von 1895. Das heißt, sie gehörte zu den ersten Villen am Mulang. Nach Informationen des Hobbyhistorikers Friedrich Forssmann wurde sie abgerissen. Heute steht dort eine Stadtvilla. © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Abgerissen: Nicht mehr direkt am Mulang, aber eindrucksvoll. Das 1884 erbaute Goßmann-Sanatorium musste 1970 den Türmen der Augustinum-Altenwohnanlage im Druseltal weichen. © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Abgerissen: Nicht mehr direkt am Mulang, aber eindrucksvoll. Das 1884 erbaute Goßmann-Sanatorium musste 1970 den Türmen der Augustinum-Altenwohnanlage im Druseltal weichen. © Fotos: Archiv Forssmann
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Abgerissen: Nicht mehr direkt am Mulang, aber eindrucksvoll. Das 1884 erbaute Goßmann-Sanatorium musste 1970 den Türmen der Augustinum-Altenwohnanlage im Druseltal weichen. © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Erhalten: Das etwa 1930 gebaute Gästehaus „Haus Fernblick“ an der Brabanter Straße. © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Steinhöferstraße: Die beiden ersten Gebäude auf der rechten Seite der kolorierten Postkarte haben die Kriegs- und Nachkriegszeit überstanden. © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang
Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang © Fotos: Archiv Forssmann

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