Da grinste die Figur noch

"Er hat sich bewegt": Geschichten rund um den Buddha aus dem Bergpark

Freundlicher Buddha: So sah die Figur in der chinesischen Pagode in den 1930er-Jahren aus. Repro: nh 

Kassel. Es ist schon erstaunlich, was sich Landgraf Friedrich II. vor mehr als zwei Jahrhunderten unter einer typisch chinesischen Ausstattung so vorstellte.

Das ganze chinesische Dorf Mulang sollte jedenfalls demonstrieren, dass der Herrscher ein Mann von Welt und interessiert an fremden Kulturen war.

Als die teilrestaurierte Buddhafigur vor wenigen Tagen zurück in die chinesische Pagode kam, haben wir einen Aufruf gestartet. Wir wollten wissen, welche Erinnerungen sich mit diesem Teil des heutigen Weltkulturerbes verknüpfen.

Alfred Thielemann (85) aus Kassel war als Kind oft mit seinen Eltern im Bergpark unterwegs. Die chinesische Pagode sei zwar immer verschlossen gewesen. In der Tür habe es aber eine Art Guckloch gegeben. Wenn man die Türklinke runterdrückte und durch das Loch schaute, dann habe man sehen können, dass sich der Buddha bewegt.

Lexikonwissen: Das Weltkulturerbe im HNA-Regiowiki

Carola Fischer hat uns Folgendes geschrieben: „Meine Mutter (Jahrgang 1915) hat mir erzählt, dass, als sie noch Kind war, der Buddha immer mit dem Kopf genickt hat, sobald man die Klinke an der Pagode drückte. Das soll auch bis Anfang des 2. Weltkrieges noch so gewesen sein.“

So hat das auch der 81-jährige Kurt Velmeden in Erinnerung. Er lebt heute in Grebenstein und ist in der Kasseler Altstadt (Wildemannsgasse) aufgewachsen. Zusammen mit dem gleichaltrigen Cousin und den Eltern ging der Sonntagsausflug Ende der 1930er- Jahre regelmäßig in den Bergpark. „Pack mal auf die Klinke und guck durchs Schlüsselloch“, habe die Mutter gesagt. Im Inneren der Pagode habe man dann einen Gong gehört. „Der Buddha nickte mit dem Kopf, da bin ich mir ganz sicher“, sagt Kurt Velmeden.

Kein Wunder, dass die Figur eine Attraktion für Kinder war. Der Buddha lächelte ausgesprochen freundlich. Das ist auf einem der wenigen überlieferten Fotos zu sehen. „Das ist der Zustand in den 1930er- Jahren, damals noch mit Baldachin“, sagt Prof. Hardy Fischer, der Vorsitzende des Vereins Bürger für das Welterbe.

Der Verein hat Geld für die Restaurierung der Pagode und die Sicherung der Figur gesammelt. Das Gebäude wurde nach dem Krieg aufgebrochen und verwüstet. Dabei ging wahrscheinlich auch der Kopf der Buddhafigur zu Bruch. Vielleicht kann man ihn eines Tages rekonstruieren. Dazu wären weitere Fotos der intakten Figur hilfreich.

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