Dreharbeiten für Vox-Sendung im vergangenen Jahr

Ihre Lieblingsfarbe ist pink: Christina Wisniewski ist Kassels Shopping Queen

Lieblingsfarbe Pink: Christina Wisniewski fühlt sich mit Nadel, Faden und Maßband pudelwohl. Seit über 30 Jahren beschäftigt sie sich mit eigenen Modeentwürfen, dem Ändern und Reparieren getragener Kleidung.
+
Lieblingsfarbe Pink: Christina Wisniewski fühlt sich mit Nadel, Faden und Maßband pudelwohl. Seit über 30 Jahren beschäftigt sie sich mit eigenen Modeentwürfen, dem Ändern und Reparieren getragener Kleidung.

Christina Wisniewski aus Kassel wurde von Kult-Modedesigner Guido Maria Kretschmer in seiner TV-Sendung zur Shopping Queen gekürt. Gedreht wurde im vergangenen Sommer.

Das stille Örtchen ist in ihrem Atelier so gar nicht still. Es leuchtet in „Shopping-Queen-Pink“. Aus gutem Grund: In der vergangenen Woche wurde Christina Wisniewski aus Kassel von Kult-Modedesigner Guido Maria Kretschmer in seiner TV-Sendung zur Shopping Queen gekürt. Gedreht wurde in Kassel vergangenen Sommer.

Die 53-Jährige nennt sich selbst eine „Kasseler Schlacke“. Und das glaubt man ihr sofort: Spontan und spritzig erzählt sie von der Sendung, ihrer Arbeit und ihrem Leben. Vor einem Jahr habe sie sich bei „Shopping Queen“ beworben. Es sei die Idee ihrer Auszubildenden gewesen, die sie auch in die Sendung begleitet hat. Eine Woche seien sie am Set gewesen. Und der Guido sei „total nett“.

In ihrem Atelier Nahtlos im Atrium ändert und repariert sie Kleidung oder fertigt nach Maß. Ihr liebstes Credo: Aus alt mach neu. Sie näht, seit sie 17 ist. Erst für sich, etwas später für die drei Söhne. Bis heute trägt sie fast nur Eigenkreationen: „Eigentlich war ich deshalb bei Shopping Queen total falsch.“ Trotzdem überzeugte die Kasselänerin mit ihrem Outfit und zog an ihren vier Konkurrentinnen vorbei.

Es gibt nichts, was Christina Wisniewski nicht anfertigt, vom Handtuch bis zum Hochzeitskleid. Eine Schneiderausbildung habe sie nie gemacht – mit ihren Kindern sei einfach keine Zeit geblieben. Nähkurse, die sie heute selbst gibt, habe sie über Jahre besucht: „Jedes Teil habe ich zwei- oder dreimal genäht, um mir jeden Schritt einzuprägen.“

Was sie als Schneiderin überzeugt: „Einfache Schnitte, schöne Stoffe, gute Passform.“ Sie liebt es, Kleider zu nähen, auch Tanzkleider. Kein Wunder, sie hat selbst lange getanzt, gerät bei Cha-Cha-Cha ins Swingen und Schwärmen. Ebenso bei auffallenden Mustern. In ihrem Schrank hängt etwa ein Kostüm mit Comicaufdruck. Im Gespräch trägt sie stofflich die Kirschblüte zur Schau: „Ich liebe es, Mode zu verkörpern.“

Das Nähen hat Christina Wisniewski in einem Leben, das auch Schattenseiten bereithielt, viel gegeben: „Anerkennung, Selbstbewusstsein, Kraft.“ Ihre Kindheit sei nicht leicht gewesen, sie habe sieben Schulwechsel und 31 Umzüge gemeistert, erzählt sie. Ihre erste Änderungsschneiderei eröffnete sie 2006. Wegen Kündigung stand sie plötzlich ohne da: „Der Laden war weg und ich seelisch unten.“

Mit mehreren Jobs hat sie ihre Kinder über die Runden gebracht. Vor drei Jahren starb ihr ältester Sohn mit 28 Jahren. Sie hat sich dennoch nie unterkriegen lassen. Durch Fleiß und Erfahrung erhielt sie auch die Zuerkennung für die Ausbildung von Änderungsschneidern. Wisniewski sagt: „Ich versuche, nach vorn zu schauen.“

Kraft spenden auch ihr Freund und ihr soziales Engagement. Denn das Besondere am Atelier Nahtlos ist die Arbeit mit Menschen mit Einschränkungen. Aktuell lernen sieben Praktikanten, die Unterstützungsbedarf haben, bei ihr das Nähen und Schneidern – beispielsweise Gehörlose. „Kein Problem“, sie spreche Gebärdensprache.

Erste prägende Kontakte knüpfte sie vor vielen Jahren in den Kasseler Werkstätten: „Die Menschen dort haben mich so angenommen, wie ich mit meiner crazy Art bin.“ Sie habe dadurch gelernt, sich zu akzeptieren und etwas zu trauen. Außerdem engagiert sie sich als Assistenz für Menschen mit Handicap im betreuten Wohnen und in der Freizeitbegleitung: „Da muss man die eigene Persönlichkeit runterschrauben.“ Ihre Stärke, die Empathie, helfe ihr. Eine Schwäche hingegen habe sie für Nutella und auch beim Neinsagen. (Helga Kothe)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.