Rückblick und Interview 

40 Millionen Euro zum 300. Geburtstag: Herzlichen Glückwunsch, lieber Herkules!

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Der Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe ist 8,30 Meter hoch und wurde am 30. November 1717 - also vor genau 300 Jahren - fertiggestellt. 

Kassel. Das Land Hessen hat mittlerweile 40 Millionen Euro für Kassels Wahrzeichen bewilligt. Zum Ehrentag blicken wir zurück - und lassen den Jubilar persönlich aus seinen Erinnerungen erzählen. 

Im Zweiten Weltkrieg entging der Herkules nur knapp der Zerstörung. Während die Löwenburg, Schloss Wilhelmshöhe und das mondäne Schlosshotel von Bomben getroffen wurden, blieb Kassels Wahrzeichen unversehrt. Den 30. November 1717 hat Landgraf Karl als Termin festhalten lassen. Auf einer Kupferscheibe im Kopf des Herkules ist sowohl der Bauherr als auch der Kupferschmied Johann Jacob Anthoni zusammen mit dem Datum der Fertigstellung der 8,30 Meter großen Figur notiert.

Heute ist der Herkules Teil des Weltkulturerbes Bergpark Wilhelmshöhe und damit ein besonderer Publikumsmagnet. Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) 800.000 Menschen in den Park. Die 542 Stufen bis hinauf in die Pyramide, auf der der Herkules steht, bewältigten 65 000 Besucher. Das ist im Jubiläumsjahr eine deutliche Steigerung um 15 000. Auch viele documenta-Gäste haben einen Ausflug in den Bergpark gemacht.

Seinen 300. Geburtstag feiert der Herkules in einer hervorragenden Verfassung. Dazu hat unter anderem eine Spendenaktion der HNA-Leser beigetragen. Seit mehr als zehn Jahren läuft die Sanierung des Bauwerks inklusive Oktogon und Pyramide. Dabei wurde zum dritten Mal seit dem Jahr 1900 der Kopf abgenommen und restauriert.

Mittlerweile hat das Land Hessen 40 Millionen Euro für Kassels Wahrzeichen bewilligt, von denen der größte Teil bereits verbaut ist. Unter anderem hat die Herkulesfigur eine neue Stützkonstruktion bekommen. Die soll auch Orkanen standhalten, deren Häufigkeit nach Einschätzung von Fachleuten zunehmen wird. Die Sanierung des Herkulesbauwerks soll noch mindestens drei Jahre dauern.

Interview mit dem Herkules

Wie war das damals in Kassel, als der Herkules vor 300 Jahren gebaut wurde? Dazu haben wir den Jubilar befragt und überraschende Antworten bekommen.

Herr Herkules hört sich irgendwie seltsam an. Können wir uns auf Du einigen? 

Herkules: Kein Problem, da stehe ich drüber.

Gut. Dann erzähl uns doch mal, an was du dich noch erinnern kannst. Wie war denn der Landgraf so? 

Herkules: Mal ganz ehrlich. Der hatte das Motto „Bescheidenheit ist eine Zier, doch besser lebt sich’s ohne ihr“. 

Wie das denn?

Herkules: Der wollte allen zeigen, dass er der Größte ist. Selbst dem französischen König. Jetzt haben wir im Bergpark unser nordhessisches Versailles. 

Ist doch super. Du als Halbgott müsstest das doch auch gut finden. 

Herkules: Klar. Aber das Verhältnis von Paris zu Kassel war damals schon genauso wie heute. Der Landgraf hat sich ganz schön übernommen.

Und dann? 

Herkules: Viele von euch Normalsterblichen wurden als Soldaten verkauft, damit Geld in die leere Kasse kommt. Damals haben die Leute davon gesprochen, dass über die Kaskaden kein Wasser, sondern Blut läuft.

Willst du uns jetzt den Spaß verderben? 

Herkules: Nein, aber ihr sollt wissen, dass ich hier oben nicht einfach nur in die Gegend glotze, sondern mir schon so meine Gedanken mache.

Stimmt es wenigstens, dass damals die besten Handwerker für Karl gearbeitet haben? 

Herkules: Das kann man wohl sagen. So etwas wie mich hat vorher noch niemand in solcher Perfektion hinbekommen. Das haben der Anthoni und die anderen super gemacht. Obwohl ich über acht Meter groß bin, wiege ich nur knapp drei Tonnen. Das ist nichts im Vergleich zu anderen Schwergewichten in meiner Liga. Außerdem kann man mit Fug und Recht behaupten, dass nach meinem Vorbild die Freiheitsstatue geschaffen wurde.

Schon gut. Du bist ein Meisterwerk, das war uns eigentlich schon immer klar. Aber anfangs warst du doch gar nicht geplant, oder? 

Herkules: Das stimmt. Der Landgraf hat sich halt das Beste für den Schluss aufbewahrt. Da konnte sein italienischer Baumeister Guernerio noch so stöhnen. Ohne mich wäre der Bergpark doch nur halb so schön. Ich mache hier jeden Tag bella figura. 

Aber zunächst einmal ist doch jede Menge Schweiß geflossen. 

Herkules: Das kann man so sagen. Jeden Morgen zog die Karawane hoch auf den Berg. Das waren Tausende. Weiß ich aber auch nur vom Hörensagen. Ich habe es mir damals ja im Messinghof gemütlich gemacht. Als ich am Oktogon ankam, war das Schlimmste schon geschafft.

Und? Wie geht es dir heute da oben? 

Herkules: Eigentlich müsste ich ja klagen, dass die alten Knochen nicht mehr so richtig wollen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ich war gerade erst zur Kur, fühle mich wie neu geboren und könnte zu meinem Geburtstag locker die Nacht durchtanzen.

So wollen wir dich hören. Dann bleib fit für die nächsten 300 Jahre. Und vor allem: Herzlichen Glückwunsch, lieber Herkules.

Hier finden Sie unsere Multimedia-Reportage "Der Herkules im Wandel der Zeit"

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