Herkules hat europaweit Karriere gemacht

Der Herkules in Kassel hat einen Zwilling in Heidelberg - und der ist sogar elf Jahre älter

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Der Kasseler Herkules: Der Mann mit der Keule hat seinen Platz im Bergpark. 

Der Herkules ist ein Exportschlager aus Italien. Er ist das Wahrzeichen von Kassel - aber auch von Heidelberg. Und das Heidelberger Modell ist sogar älter.

Reisen bildet – das wird zumindest gern und mit einiger Berechtigung behauptet. Manchmal verwundern gewisse Dinge aber auch, die man auf Reisen so sieht. HNA-Leser Jürgen Reichert ist das bei einem Besuch in Heidelberg so gegangen. Dort hat er in der Rhein-Neckar-Zeitung eine Kolumne entdeckt, die alltägliche Dinge mit einem Augenzwinkern aufgreift.

So weit, so gut. Doch was Jürgen Reichert irritierte – ach was: regelrecht auf die Palme brachte, war der Name und das Logo dieser Kolumne. Unterzeichnet ist sie mit „Heidelberger Herkules“ und zu sehen ist der Held mit der Keule, also unser Herkules.

Das empfindet zumindest Jürgen Reichert so. Der hat an seine Heimatzeitung – also an die HNA – geschrieben und eine Frage formuliert: „Haben Sie eine Idee, wie die sich erdreisten können, sich auf den Herkules zu beziehen?“

Kassel hat den Herkules nicht erfunden

Das haben wir in der Tat. Denn auch wenn wir natürlich den größten, schönsten und in umfassendem Sinne über allem stehenden Herkules überhaupt haben, erfunden haben wir ihn nicht.

Der Kasseler Herkules ist kein Unikat: Er hat einen Bruder in Heidelberg.

Das war ein Bildhauer namens Lysipp, der quasi den Ur-Herkules vor über 2000 Jahren geschaffen hat. Das Original ging verloren, zum Glück gab es eine Nachbildung. Die stand zunächst in Rom im Palazzo Farnese, später und bis heute in Neapel. Der Kasseler Landgraf Karl hat sie – ebenso wie Dichterfürst Goethe – bei einer Reise gesehen und war sofort begeistert.

Das ging einigen anderen verständlicherweise auch so. Der Herkules wurde oft kopiert und machte in halb Europa Karriere. In den Gärten von Versailles findet man ihn, in London und anderen mehr oder weniger großen Städten.

Herkules auch in Heidelberg 

Darunter ist auch Heidelberg, wo der steinerne Herkules auf dem Marktplatz einen nach ihm benannten Brunnen ziert. Da steht er schon seit dem Jahr 1706, also elf Jahre länger als unser Herkules aus Kupfer auf der Wilhelmshöhe.

Ist also schon in Ordnung, wenn die Heidelberger auch auf ihren Herkules stolz sind. Und alle anderen ebenso, die irgendwann einen Herkules abbekommen haben.

Es bleibt ja noch genügend Luft für den auf jeden Fall sehr viel größeren Bruder in Nordhessen, der weiterhin ganz entspannt vom Weltkulturerbe auf Kassel blickt. Das zumindest kann sonst kein anderer Herkules.

Der Kasseler Herkules bleibtnoch länger eine Baustelle. Kürzlich haben Umweltschützer am Kasseler Herkules gegen den Klimawandel protestiert. Von Besuchern der Wasserspiele gab es Zustimmung für die illegale Aktion.

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