Stadt Kassel soll Reaktivierung vorantreiben

Könnte die Herkulesbahn reaktiviert werden? Förderverein fordert mehr Einsatz

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In der Nähe der Haltestelle Palmenbad: Herkulesbahn in den 1910er-Jahren kurz hinter der Endhaltestelle auf der Kurhausstraße. Links im Bild das Elektrizitätswerk an der Hunrodstraße, das 1918 stillgelegt und abgerissen wurde.

Kassel. Der Förderverein Neue Herkulesbahn warnt vor einer falschen Weichenstellung und fordert die Kasseler Stadtpolitik dazu auf, die Reaktivierung voranzutreiben. 

Am 11. April 1966 transportierte die Herkulesbahn letztmals Fahrgäste aus der Stadt zum Herkules. Sie wurde durch einen Bus ersetzt, die Gleise wurden entfernt. Seither kommen immer mal wieder Wünsche von Kasselern auf, die Herkulesbahn zu reaktivieren.

Kürzlich hat Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) die Reaktivierung stillgelegter Schienenstrecken in Aussicht gestellt und dabei auch die Herkulesbahn angesprochen.

Die Befürchtung

Zu Al-Wazirs Äußerungen nimmt der Förderverein Neue Herkulesbahn Stellung. Er befürchtet eine „falsche Weichenstellung“, wenn das Land die Reaktivierung der Herkulesbahn fördere, aber die Kasseler Lokalpolitik das entsprechende Engagement vermissen lasse. Dieses sei nötig, um eine nachhaltige Verkehrserschließung des Bergparks Wilhelmshöhe zu erreichen, meint Reiner Borchert, stellvertretender Vereinschef.

Die Absichtserklärungen

Die Reaktivierung der Herkulesbahn ist schon mehrfach von Parteien gefordert worden. Im Rot-Grün-Liberalen Koalitionsvertrag heißt es, bei der Entwicklung eines Konzepts zur verkehrlich und touristisch attraktiven Erschließung des Bergparks Wilhelmshöhe stehe die ÖPNV-Erschließung im Fokus.

Und: „Dabei sollen alle möglichen Varianten, auch die einer Herkulesbahn, auf ihre Umsetzbarkeit hinsichtlich der Finanzierung und des wirtschaftlichen Betriebes überprüft werden.“

Der Planungsstand

Unter anderem haben Hessenmobil und Stadt Kassel betont, dass die Reaktivierung der Herkulesbahn großes Potenzial bietet. Deshalb werde sie auch im Verkehrsentwicklungs- und im Nahverkehrsplan genannt. Anfang 2017 verwies ein Stadtsprecher auf die Einschätzung im Kontext des ausstehenden Tourismuskonzepts. Das Konzept liegt inzwischen vor. Die Herkulesbahn taucht darin aber nicht auf. Hessens Wirtschaftsminister verweist nun auf die laufende Machbarkeitsstudie.

Die Forderungen

Wie der Verein betont, fördere das Land Investitionen in den öffentlichen Verkehr Nordhessens – etwa die Erneuerung der Regiotrams. Nun würden Strecken in Mittel- und Südhessen mit Landesgeld reaktiviert. „Es ist sinnvoll, dass die Kasseler Politiker dem Vorbild des Landes folgen und die Reaktivierung der Herkulesbahn aktiv vorantreiben und damit auch Fördermittel nach Nordhessen holen“, fordert Borchert. Schon jetzt werde das Weltkulturerbe auch außerhalb der Wasserspielzeiten gut besucht. Durch die Herkulesbahn entstehe eine attraktive Verkehrsverbindung von Innenstadt und Fernbahnhof zum Herkules. Die Tramlinie 4 (Hessisch Lichtenau-Herkules) wäre eine Kulturlinie durch das Lossetal, die Industriekultur von Bettenhausen und die City zum höchsten Punkt des Weltkulturerbes. „Die Neue Herkulesbahn ist somit ein wichtiges Projekt für den Tourismus und die Naherholung.“

Hintergrund: Machbarkeitsstudien laufen noch

Das Land Hessen will einige stillgelegte Schienenstrecken wieder ans Netz bringen. Das hat Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) in der vergangenen Woche in Wiesbaden angekündigt. Für drei Strecken in Nordhessen bliebt vor einer möglichen Reaktivierung aber laut Ministerium die Vorlage von Machbarkeitsstudien abzuwarten, die derzeit noch laufen für: 

  • den Abschnitt Kassel-Baunatal-Schauenburg-Naumburg
  • die Waldkappelerbahn (Kassel-Wilhelmshöhe-Kaufungen)
  • und für die Herkulesbahn aus Kassel hinauf zum Herkules. 

Hessen will demnach ab 2020 jährlich mindestens 100 Millionen Euro für kommunale Verkehrsprojekte bereitstellen, die Hälfte sei für Investitionen in die Infrastruktur von Bus und Bahnen reserviert. Bei größeren Projekten fließe auch Geld vom Bund, so der Minister. (dpa)

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