Holze Werbung schließt Ende des Jahres 

Eine der ältesten Werbefirmen der Region Kassel gibt nach 80 Jahren auf

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Kasseler Idee sorgte bundesweit für Aufmerksamkeit: Holze Werbung gestaltete den Mauszug, der 1996 zum 25-jährigen Jubiläum der „Sendung mit der Maus“ in Deutschland unterwegs war. Aus dem Fenster schaut Jürgen Holze.

Kassel. Jürgen Holze wird Ende des Jahres mit seiner Firma Holze Werbung einen Pionier der Branche schließen. Laut IHK Kassel-Marburg ist es eine der ältesten Werbefirmen der Region.

Was sein Vater in der Vor- und Nachkriegszeit aufgebaut hatte, fällt aber nicht etwa dem Misserfolg zum Opfer. Jürgen Holze fand trotz intensiver Suche schlicht keinen Nachfolger. Dabei hatte sich seine Firma mit etlichen Großprojekten ein Renommee erarbeitet.

Den Grundstein der Firma legte Wilhelm Holze im Jahr 1938 in Wehlheiden mit einer Schildermalerei. In der Bombennacht 1943 wurde der Betrieb völlig zerstört. Wilhelm Holze gab nicht auf. Ab 1951 baute er seine neue Werkstatt an der Holländischen Straße wieder auf. Dort produzierte er etwa die Werbeschilder für die Kasseler Herkules-Brauerei, die an vielen Kneipen zu finden waren.

1969 rückte der Sohn in die Firma. Der Werbetechnik- und Siebdruckmeister baute die Firma gemeinsam mit seiner Frau Doris weiter aus. Es folgte der Umzug in einen Neubau im damals neu gegründeten Industriepark Waldau.

Die Macher der documenta 4 legten ihren Ausstellungskatalog in die Hände von Holze – zur documenta 10 sollten es die Dauerkarten werden. Aber vor allem der Messebau florierte. 1981 gestaltet die Firma den Turm, der zur Bundesgartenschau in der Karlsaue aufgebaut wurde. „Wir waren Vorreiter bei der digitalen Technik“, erinnert sich Jürgen Holze. Nicht nur für den Transrapid bauten die Kasseler den Messestand, auch für die Deutsche Bahn wurden sie tätig. 1996 gestalteten sie zum 25-jährigen Jubiläum der „Sendung mit der Maus“ einen Sonderzug, der durch Deutschland tourte. Die Firma zählte damals 18 Mitarbeiter.

Läuten das Ende ihrer Werbefirma ein: Jürgen und Doris Holze mit einer alten Kamera, die Holzes Vater nutzte.

Dass das Familienunternehmen keine Zukunft haben würde, erfuhr Jürgen Holze schon vor vielen Jahren. „Ich war mit meinem Sohn auf dem Rückweg von einer Messe. Wir hatten dort bis in die Nacht abgebaut. Morgens um fünf eröffnete er mir auf der Autobahn: Du Papa, ich mache was anderes“, erzählt der Firmenchef. Der Sohn wurde Pilot. So begann der Vater 2002 mit der Suche nach einem Nachfolger. Trotz der Hilfe von IHK und Handwerkskammer wurde er nicht fündig. So entschloss er sich 2007 – im Alter von 60 Jahren – die Firma zu verkleinern. Ohne Perspektive hätten sich größere Investitionen in den Betrieb nicht mehr gelohnt.

Eine der ersten Firmen im Industriepark Waldau: Holze Werbung baute dort Ende der 60er-Jahre neu.

Mit seiner gleichaltrigen Frau führte der heute 71-Jährige die Firma in einem Ladenlokal an der Langen Straße in abgespeckter Form weiter. Von dort betreute er die Stammkunden weiter. „Die Firma wurde zum Hobby“, sagt Holze. Auch für die Uni Kassel übernahm er Lehrveranstaltungen. Ende des Jahres soll nun auch der Standort in Wahlershausen aufgegeben werden. Eine Entscheidung, die dem Ehepaar sehr schwer fiel.

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