Interview zu Veränderungen beim Herkules-Bergpreis

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Begeisterter Oldtimer-Fan: Heinz W. Jordan beim Herkules-Bergpreis 2013 am Steuer seines Austin Seven (Baujahr 1935) mit Beifahrer Gerhard Paul.

Kassel. Der Herkules-Bergpreis auf neuen Wegen: Start und Ziel samt Fahrerlager am Gutshof, die Strecke führt Ende Juni rund um den Habichtswald. Über die Veränderungen sprachen wir mit Heinz W. Jordan.

Der Oldtimer-Fan hatte das traditionsreiche Bergrennen 2005 mit Dr. Dietrich Krahn und den Aktiven des Kurhessischen Motorsport-Clubs Kassel wiederbelebt.

Herr Jordan, die neue Strecke für den Bergpreis ist fast 30 Kilometer lang. Was ist der Grund für die Streckenführung über Dörnberg und Ehlen?

Heinz W. Jordan: Auf Wunsch vieler Teilnehmer nach einer längeren Strecke und Steigerung der Fahrzeiten haben wir die Route verlängert. So haben die Teams die Möglichkeit, mal den gesamten Bergpark in seiner Größe zu erleben.

Teilnehmer hatten ja auch geklagt, auf den bisherigen 4,5 Kilometern würden ihre Motoren nicht mal richtig warm? 

Jordan: Das ist richtig, gerade die Sportmotoren hatten diese Probleme. Außerdem gab es immer einen Rückstau über den Kaleschenweg. Dort wurden die Kupplungen extrem beansprucht.

Die früheren Klagen über lange Wartezeiten bis zum nächsten Start dürften sich damit ja auch erledigt haben? 

Jordan: Wartezeiten werden wir im größeren Umfang nicht mehr haben, da die Fahrtzeit für eine Runde über die neue Strecke für die Oldies rund eine Stunde beträgt.

Haben auch die zunehmenden Probleme im Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe die Entscheidung für die neue Strecke befördert? 

Lexikonwissen:

Das Rennen im Regiowiki

Jordan: Ja, leider hat das Ministerium einem Befahren der originalen Strecke über die Löwenburg nicht mehr zugestimmt. Das Weltkulturerbe könnte in Gefahr geraten. In anderen Ländern wird das anders gesehen. Schloss Fontainebleau zum Beispiel ist Startpunkt der historischen Frankreich Rallye. Es gibt zehn weitere Weltkulturerbestätten, wie etwa Siena in Italien, wo man solche Veranstaltungen positiv sieht. Wir haben aber dem Wunsch des Ministeriums entsprochen und eine neue Strecke festgelegt. 

Wie viele Anmeldungen für Oldtimer auf zwei und vier Rädern liegen denn schon vor? 

Jordan: Derzeit liegen wir bei rund 70 Nennungen.

Hat die steigende Zahl der Meldungen nur mit der neuen Strecke oder auch mit den gesenkten Nenngeldern zu tun?

Jordan: Wir hatten vorher eine Startgebühr von 250 Euro pro Wagen und 100 Euro pro Beifahrer. Jetzt liegen wir bei 190 und 50 pro Beifahrer. Wir konnten reduzieren, weil wir die Kosten für die Nutzung der Reithalle und des Schlossplatzes nicht mehr haben. Dafür mussten wir bisher 20.000 Euro an die Museumslandschaft Hessen Kassel zahlen.

Den Start am Gutshof gab es ja vor fast 100 Jahren schon einmal bei den früheren Bergrennen? 

Jordan: Damit kehren wir zurück zu den Wurzeln des alten Herkules Bergrennens. Der Start war von 1923 bis 1927 immer am Gutshof. Die Strecke verlief damals über die Wilhelmshöher Allee, Aquädukt und Kaskadenrestaurant zum Herkules. Die nicht befestigte Strecke hatte im oberen Bereich eine Steigung von fast 18 Prozent und gehörte zu den härtesten Strecken in Deutschland. Fahrer wie Rudolf Carraciola oder Alfred Rosenberger auf Mercedes Grand Prix Rennwagen schafften das in unglaublichen drei Minuten 40 Sekunden.

Bleibt Kassel Zentrum des Geschehens? Oder lohnt sich für Zuschauer der Weg nach Dörnberg, wo sie einen Slalom und eine Partymeile planen? 

Jordan: Im Ortskern von Dörnberg gibt es den Start zu einem Slalom mit Strohballen. Die Streckenlänge beträgt einen Kilometer und garantiert den Fahrern und Zuschauern eine Menge Spass. Die Gemeinde Habichtswald unterstützt uns sehr gut. Und Bürgermeister Thomas Raue hat versprochen, dass es ein ordentliches Fest geben wird.

Archiv-Video

Zur Person:

Heinz W. Jordan (54) ist beruflich als Diplom-Ingenieur im Maschinenbau tätig, derzeit noch im Bereich Erneuerbare Energien und künftig für die Kasseler Firma Paul Beier. Sein großes Hobby sind Oldtimer, er pflegt und fährt einen 80 Jahre alten Austin Seven. Jordan ist verheiratet, hat einen 16-jährigen Sohn und eine 21-jährige Tochter und lebt mit seiner ebenfalls oldtimerbegeisterten Familie in Helsa-Eschenstruth. Ehefrau Marika hat einen Austin Healey Sprite „Froschauge“ aus dem Baujahr 1958, der bereits seit 25 Jahren im Familienbesitz ist und auch von der Tochter gefahren wird.

Archiv-Fotos (2011)

Kasseler Bergrennen: Das sind die Teilnehmer

Vom 26. bis 28. Juni veranstaltet der Kurhessische Motorsport-Club Kassel in diesem Jahr den sechsten internationalen ADAC Herkules-Bergpreis für historische Fahrzeuge. Start und Ziel sowie das Fahrerlager werden auf dem hr-Gelände am Restaurant Gutshof an der Wilhelmshöher Allee 347 A sein. Am Freitag, 26. Juni, treffen ab 15 Uhr die Fahrer mit ihren Oldtimer ein. Am Samstag, 27. Juni, starten die Oldtimer ab 11 Uhr auf die neue Strecke. Am Sonntag, 28. Juni, wird der Bergpreis wegen der Wasserspiele im Bergpark um 13 Uhr beendet. 

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