Unternehmen stellt Strategie bis 2030 vor

K+S erfindet sich neu: Werk Werra soll Spezialitäten liefern

+
Hier sollen in Zukunft mehr spezielle Produkte auf Magnesium- und Sulfatbasis gewonnen werden: Das K+S-Verbundwerk Werra Standort Hattorf in Philippsthal. Im Hintergrund die Kali-Abraumhalde. 

Kassel. Der Rohstoffkonzern K+S erfindet sich neu, die Geschäftsfelder bleiben mit Kali und Salz aber die Altbewährten. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir hier für Sie.

Bei der Vorstellung seiner Strategie bis 2030 hat das Unternehmen bekannt gegeben, sich in Zukunft näher am Kunden als an der eigenen Produktion orientieren zu wollen. 

Ziel sei es, in 2030 einen Ebitda – das ist der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände – von drei Milliarden Euro zu erzielen. Im vergangenen Jahr lag der Ebitda bei 519 Millionen Euro. 

Personalabbau und Entlassungen, sagte der Vorstandsvorsitzende Dr. Burkhard Lohr, könnten zwar nicht ausgeschlossen werden, langfristig gehe es aber darum, durch Wachstum mehr Stellen zu schaffen. 

Das gelte auch für das K+S-Werk Werra mit rund 4400 Beschäftigten, dem aufgrund des hohen Vorkommens an Magnesium und Sulfat bei der Produktion eigener „Spezialitäten“, auf die man sich in der neuen Strategie zukünftig stärker konzentrieren wolle, eine besondere Rolle zukommen könnte. 

Marktbeobachter hatten zuletzt spekuliert, dass sich das Unternehmen von seiner Salzsparte trennen und es womöglich an die Börse bringen könnte. Doch K+S gab ein klares Bekenntnis zu beiden Rohstoffen und sämtlichen Produktionsstandorten ab.

Hat die Strategie direkte Auswirkungen auf die Beschäftigten in Deutschland, vor allem die 4400 im K+S-Werk Werra?

Nicht unmittelbar. In der Transformationsphase bis 2020 strukturiert sich das Unternehmen zunächst intern neu. Erst wenn die neue Strategie steht, können laut K+S verlässige Aussagen hinsichtlich der Personalsituation getroffen werden. Möglich sei, dass sich Arbeits- und Aufgabenfelder verändern, vor allem in der Verwaltung. Vereinzelt könne es auch zu Stellenabbau kommen, langfristig laute das Ziel jedoch, mehr Arbeitsplätze zu schaffen.

Welche neuen Produkte will K+S anbieten?

Das Unternehmen will kein komplett neues Geschäftsfeld aufbauen. Die Produktion für andere Düngeverfahren, wie etwa mit Stickstoff oder Phosphat, ist derzeit nicht vorgesehen. Vielmehr sollen kalibasierte Spezialitäten in größeren Mengen gefördert werden. Dabei spielt das Werk an der Werra eine entscheidende Rolle, da es hier einzigartige Vorkommen an Magnesium und Sulfat gibt.

Was sieht die Strategie hinsichtlich der Abwasserproblematik vor?

Bis 2021 soll die Versenkung von salzhaltigen Prozessabwässern aus der Kali-Produktion in Deutschland in Gänze eingestellt werden. Allgemein sollen salzhaltige Abwässer reduziert werden. Außerdem soll es online Ausschreibungen geben, um Ideen zur Nachhaltigkeit aus der Forschung zu sammeln. Im Zentrum soll die Frage stehen, wie man effizient mit Rückstandsalzen umgehen kann.

Ist ein neues Werk in Deutschland oder anderswo geplant?

Momentan nicht. Bethune, das Werk in Kanada, war ein Mammutprojekt und hat knapp drei Milliarden Euro gekostet. Daher ist im Plan bis 2030 derzeit kein Neubau vorgesehen. Zukäufe sind allerdings denkbar.

Der Plan sieht vor, die Märkte in Afrika und Asien weiter zu erschließen. Was bedeutet das genau?

Das Unternehmen sieht in Afrika im Bereich Düngemittel großes Potenzial, vor allem aufgrund der Bodenbedingungen in der Subsahara. Ähnlich verhält es sich in Asien aus. Hier sind auch weitere Zukäufe und Gewinne durch Optimierung bestehender Strukturen geplant.

Der Fokus der Geschäftsstrategie bis 2030 soll auf Kundenorientierung liegen. Was heißt das konkret?

Bisher war die Geschäftsstrategie von K+S stark produktionsgetrieben. Das heißt, es wurde zuerst produziert und dann geschaut, wie man das Produkt an den Mann bringen kann. Dieser Ansatz soll nun umgedreht werden und die Produktion an den Bedürfnissen der Kunden orientiert werden – genauer an den vier Produktmarktsegmenten Agrar, Industrie, Konsumenten und Kommunen näher am Kunden. Diese Neujustierung, die sogenannte Transformationsphase, soll bis 2020 abgeschlossen sein. In der ab 2020 folgenden Wachstumsphase soll die Abhängigkeit von externen Faktoren wie dem Wetter oder dem Weltmarktpreis für Kaliumchlorid verringert werden. Bis 2021 soll die Versenkung salzhaltiger Abwässer komplett eingestellt werden.

Die Geschäftsbereiche sollen im Sinne einer „One Company“ integriert werden. Was bedeutet das?

Bisher liefen in der K+S-Gruppe viele Prozesse aneinander vorbei. Diese sollen nun koordiniert werden. Dadurch sei auch eine Änderung der Rechtsform denkbar.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.