Verlängerung der Straßenbahnlinie 1

Mit der Bahn zum Schloss Wilhelmshöhe? Welterbe-Experten geben grünes Licht für Prüfung

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Historische Endstation und Besucherzentrum: Bis hierhin fährt die Straßenbahn der Linie 1. Jetzt gibt es Überlegungen, die Tram bis auf die Höhe von Schloss Wilhelmshöhe zu verlängern.

Eine Verlängerung der Straßenbahnlinie 1 bis auf die Höhe von Schloss Wilhelmshöhe rückt in greifbare Nähe. Das ist das Ergebnis der jüngsten Tagung der Welterbe-Experten in Kassel.

Demnach ist die Straßenbahn durchaus mit dem Schutz des Welterbes im Bergpark vereinbar. Voraussetzung ist nach Einschätzung der Fachleute des Welterbebeirats eine einspurige Verkehrsführung ohne Wendeschleife und Oberleitung.

Zu einer möglichen Trassenführung ab der Endhaltestelle Wilhelmshöhe Park gibt es noch keine Angaben. Dafür aber die Vorgabe, dass ein Rasengleis ähnlich wie auf der Wilhelmshöher Allee erwünscht ist. Für eine Straßenbahn bis zum Schloss hatte sich zuletzt der neue Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), Prof. Martin Eberle, ausgesprochen. Die Sammlung Alte Meister gehöre zu den herausragenden Kunstmuseeen in Deutschland. Es gäbe aber keine vergleichbare Einrichtung, die so mühsam erreichbar sei, so die Begründung Eberles.

Welterbebeirat äußert sich zur Herkulesbahn 

Gleichzeitig hat sich der Welterbebeirat auch zu einer möglichen Neuauflage einer Herkulesbahn geäußert. Die war bis 1966 unterwegs und wurde dann zugunsten einer Buslinie abgebaut. Auf der alten Trasse, die von der Druseltalstraße durch den Wald abzweigte, sei keine Straßenbahnlinie denkbar, so die Fachleute des Beirats, zu dem Vertreter des Weltdenkmalrats Icomos gehören. Dieser Abzweig berühre die Kernzone des Welterbes. Denkbar sei allerdings eine Linienführung entlang der Ehlener Straße, der Auto- und Buszufahrt zum Herkules.

Hier gibt es bereits Vorplanungen. Nach einem Beschluss der Kasseler Stadtverordneten prüft die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG), unter welchen Vorausetzungen eine neue Herkulesbahn realisierbar wäre. Dabei geht es nicht nur um eine mögliche Trasse, sondern auch um die Finanzierung. Für einen Neubau der Gleise hat das Land Unterstützung in Aussicht gestellt.

Jährlicher Ortstermin im Weltkulturerbe

Wie kümmert sich Kassel um sein Welterbe? Wie ist der Stand der laufenden Arbeiten? Um diese und andere Fragen kümmert sich der Welterbebeirat mit Experten aus der Denkmalpflege, der sich einmal im Jahr trifft. Die Sanierung der Löwenburg mit dem Neubau des im Krieg zerstörten Hauptturms sowie die Sanierung des Weißensteinflügels waren dabei Themen. Auch bei einem für das Welterbe verträglichen Nahverkehr ist der Beirat ein wichtiges Gremium.

Höher hinaus als bis zur Endstation 

Wer heute an der Endhaltestelle der Linie 1 ankommt, hat noch einen strammen Fußweg bergauf vor sich, um bis zum Schloss zu kommen. Alternativ kann man in den Bergparkbus umsteigen, den allerdings nur Ortskundige auf Anhieb finden. „Es ist an der Zeit, dass man dieses Konzept überdenkt“, sagt MHK-Direktor Prof. Martin Eberle. Durch die Einschätzung des Welterbebeirats, dass eine Verlängerung der Straßenbahn mit Auflagen möglich sei, könne man das Thema jetzt konkreter angehen.

Zu einer möglichen Linienführung der verlängerten Straßenbahn könne er noch nichts sagen. Das müssten Fachleute prüfen. Zudem gibt es aktuell auch Überlegungen, die Bushaltestelle so zu verlegen, dass der Übergang von der Straßenbahn einfacher wird.

Hier eine Grafik des Bergparks Wilhelmshöhe. Klicken Sie oben rechts auf das Kreuz, um die gesamte Grafik zu sehen. 

Für eine Übergangszeit könne das ein Fortschritt sein. Wünschenswert sei aber eine Straßenbahnhaltestelle auf dem Niveau von Schloss Wilhelmshöhe. „Wer will schon zwei Minuten vor dem Ziel noch einmal umsteigen“, sagt Eberle.

Eine direkte Verbindung könnte vieles erleichtern. Zum Beispiel auch die angestrebte Steigerung der Besucherzahlen im Schloss mit seiner Sammlung Alte Meister. Die aktuelle Rembrandt-Ausstellung ist ein Beispiel für bundesweit beachtete Aktivitäten im Schloss. Doch auch für die Konzertreihe im Ballhaus wäre eine bessere Anbindung wünschenswert. Insbesondere Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, erleben den Bergpark vom Schlossplateau aus. „Der Park mit seinen großen Steigungen wird wohl nie behindertengerecht zugänglich sein“, sagt Eberle. Bis zum Schloss könne man aber einen leichteren Zugang schaffen.

Nicht nur der öffentliche Nahverkehr im Bergpark war Thema beim Treffen des Welterbebeirats. Der beschäftige sich auch mit der Sichtachse zur Stadt. Sowohl zur geplanten Umgestaltung des Brüder-Grimm-Platzes an der Wilhelmshöher Allee als auch zur ebenfalls geplanten Umgestaltung des Vorplatzes am Bahnhof Wilhelmshöhe gab es keine Einwände.

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