Von der documenta bis zum deutsch-deutschen Gipfel immer dabei

Maler Schalles feiert 125-Jähriges - Fahrbahnmarkierungen als Standbein

Kurz nach dem Krieg: Kurt Schalles am Steuer eines frühen Markierungsfahrzeuges.

Kassel. Kaum ein anderer Handwerksbetrieb hat das Kasseler Stadtbild so geprägt wie die Firma Schalles, die in diesen Tagen ihr 125-jähriges Bestehen feiert.

Mitarbeiter des als Maler- und Weißbindergeschäfts gegründeten Unternehmens aus Bad Wilhelmshöhe waren in einer Vielzahl von öffentlichen Gebäuden und Kirchen der Stadt im Einsatz. Bei der Restaurierung der Orangerie und des Marmorbads haben sie ebenso mitgearbeitet wie am Schloss Bellevue, der Stadthalle, dem Ottoneum, dem Apollotempel im Bergpark, der Christuskirche in Bad Wilhelmshöhe und der Klosterkirche in Nordshausen.

Wilhelm Schalles

Bei der Restaurierung darf man nichts überstürzen, manchmal muss es aber auch richtig schnell gehen. Das prominenteste Beispiel dafür lieferte der deutsch-deutsche Gipfel im Jahr 1970. Damals trafen Bundeskanzler Willy Brandt und der DDR-Staatsratsvorsitzende Willi Stoph im Schlosshotel Wilhelmshöhe. Innerhalb weniger Tage mussten mehrere Räume des Hotels frisch gestrichen werden. Bei dem Treffen, über das weltweit berichtet wurde, wollte die Stadt Kassel unbedingt einen guten Eindruck machen. „Das war damals ein Kraftakt, aber es hat geklappt“, sagt Wilhelm Schalles (61), der den Familienbetrieb in vierter Generation leitet. Unvergessen ist auch der Einsatz bei der documenta 7. Kurz vor der Eröffnung 1982 hatten Unbekannte die Basaltstelen des Künstlers Joseph Beuys mit rosa Farbe beschmiert. Die Firma Schalles sorgte dafür, dass die Steine für das Kunstprojekt „7000 Eichen“ gereinigt wurden.

Die Malerwerkstätten Schalles gehören mit ihren 40 Mitarbeitern heute zu den bekanntesten Betrieben der Denkmalpflege in Nordhessen. Von Schloss Wilhelmsthal bis zur Stiftsruine in Bad Hersfeld reichen die Einsatzorte. Für den Anstrich werden immer noch die gleichen Materialien verwendet wie vor 125 Jahren. Dazu gehören Kalk-, Leinöl- und Leimfarben, die bei Schalles selbst hergestellt werden.

Ein wichtiges Standbein ist die Fahrbahnmarkierung. Bereits Anfang der 1930er Jahre arbeitete der damalige Firmenchef Wilhelm Schalles senior an der Maschinentechnik dafür. Heute sind Mitarbeiter von Schalles in ganz Deutschland unterwegs. Seit den 1960er Jahren hat die Firma Schalles zum Beispiel auf dem Frankfurter Flughafen die Markierung immer wieder eneuert und erweitert.

Gefeiert wird am Dienstag, 20. Januar, in den neuen Räumen an der Wilhelmshöher Allee 305. Die reich bebilderte Fimenchronik gibt es auch im Buchhandel.

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