Nach Investitionen bleiben die Gäste aus 

Flaute nach dem Ansturm: Kasseler Museen leiden unter Besucherschwund

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Millioneninvestitionen in Kasseler Kultur: Nach der Wiedereröffnung des Landesmuseums im Herbst 2016 gab es einen Besucheransturm auf das neu eröffnete Haus. Von diesem war 2018 nur noch wenig zu spüren.

Kassel. In den vergangenen Jahren wurden Millionen Euro in die Kasseler Museen investiert. Nun zeichnet sich jedoch ab, dass diese hinter den Besucherprognosen zurückbleiben.

So hat die 2015 eröffnete Grimmwelt an Anziehungskraft verloren. Kamen im Jahr nach der Eröffnung noch 118 000 Menschen in das Haus auf dem Weinberg, waren es 2018 noch 73.000. Dabei lag die Zielmarke der Macher bei 100 000 Besuchern.

Im Schloss Wilhelmshöhe ist die Entwicklung ähnlich. Besuchten die Gemäldegalerie 2016 noch 64.000 Besucher, waren es 2018 noch 38 000. In der Neuen Galerie gab es einen stetigen Rückgang von 23.000 (2015) auf 17.000 (2018).

Auch das 2016 neu eröffnete Landesmuseum, das für 31 Millionen Euro saniert worden war, erreichte 2018 nur noch 15.000 Gäste. Dies sind weniger als im Stadtmuseum, das seit der Neueröffnung vor drei Jahren ebenfalls an Zuspruch verliert. 2018 waren es aber immerhin noch 19.816 Gäste. Vor dem Umbau lag der Schnitt im Stadtmuseum bei 15.000.

Das Naturkundemuseum ist mit 70.000 Gästen in der Besuchergunst leicht gesunken. Zugelegt haben nur das Astronomisch-Physikalische Kabinett und das Technikmuseum. Im Sepulkralmuseum sind die Zahlen konstant.

Neues Ticket der Museumslandschaft Hessen Kassel geplant

Mit einem neuen Ticket möchte die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) mehr Besucher gewinnen. Zum Saisonbeginn soll es ab 1. April ein „Tagesticket Wilhelmshöhe“ für sechs Euro (ermäßigt 4 Euro) geben. Die neue Eintrittskarte umfasst alle Einrichtungen im Bergpark, also neben dem Herkules auch Schloss Wilhelmshöhe und die Löwenburg. Studierende, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren zahlen weiterhin keinen Eintritt.

Wichtigstes Thema in den Museen der MHK wird 2019 der 350. Todestag Rembrandts sein. Im Schloss Wilhelmshöhe wird ab 12. April die Ausstellung „Kassel verliebt in Saskia. Liebe und Ehe in Rembrandts Zeit“ zu sehen sein. In der Neuen Galerie soll die documenta-Geschichte eine stärkere Präsenz erhalten. Zudem plant die MHK eine Reihe neuer Feste und Veranstaltungen, darunter eine Konzertreihe im Ballhaus.

Museen in Kassel: Im Sommer blieben die Besucher aus

Fast alle Kasseler Museen haben mit einem Besucherrückgang zu kämpfen. Dabei sind die Ursachen für diese Entwicklung unterschiedlicher Natur sein: Ein Super-Sommer 2018, das typischerweise nachlassende Interesse nach einer Neueröffnung, fehlende Zugpferde im Ausstellungsprogramm. Dennoch sind die Museumsmacher gefragt, neue Angebote und Formate zu erfinden, die mehr Menschen locken. 

Prof. Martin Eberle war vergangenen Mai mit dem Auftrag zum neuen Chef der Museumslandschaft Hessen-Kassel (MHK) auserkoren worden, die Gästezahlen in den Landeseinrichtungen zu steigern. In seinem ersten halben Jahr im Amt setzte er Akzente, auch wenn sich diese noch nicht spürbar auf die Zahlen niedergeschlagen haben. 

Bei der Pressekonferenz am Mittwoch zeigte sich Eberle dennoch zufrieden, dass die MHK vergangenes Jahr mit 276.000 Gästen insgesamt etwas mehr Besucher in ihre Museen und Sehenswürdigkeiten locken konnte als 2016, als 260.000 gezählt wurden. Das documenta-Jahr 2017 war mit 800.000 Besuchern nicht repräsentativ. 2015 waren es mit 281.000 sogar mehr als zuletzt. Der leichte Anstieg zwischen 2016 und 2018 ist vor allem auf die Sehenswürdigkeiten wie den Herkules zurückzuführen und den wachsenden Erfolg des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts in der Orangerie. Zudem war 2016 das Landesmuseum fast ganzjährig wegen Umbaus geschlossen. 

Museumslandschaft Hessen Kassel: Kapazitäten für Marketing wegen Bauarbeiten begrenzt

„Unsere Besucherzahlen sind gut. Aber wir würden uns natürlich freuen, wenn uns noch mehr Menschen besuchen würden“, sagte Eberle. Vor allem mehr auswärtige und internationale Gäste würde er sich wünschen. Ein Problem sei gewesen, dass wegen der umfassenden Bauarbeiten in den MHK-Häusern die Kapazitäten für das Marketing begrenzt gewesen sein. Dies solle sich ändern. 

Ebenso sollen mit dem neuen Wilhelmshöhe-Ticket, das für sechs Euro Zugang zu vier MHK-Einrichtungen im Bergpark ermöglicht, neue Gruppen erschlossen werden.  Das größte Sorgenkind der MHK dürfte das Schloss Wilhelmshöhe sein, dessen Gemäldegalerie einen starken Besucherschwund verbucht. Von der bevorstehen Sonderausstellung „Kassel...verliebt in Saskia. Liebe und Ehe in Rembrandts Zeit“ (12. April bis 11. August) verspricht sich Eberle einen Gästemagneten. 

Die letzten Wasserspiele für 2018 - Finale im Bergpark

Die letzten Wasserspiele des Jahres am 03.10.2018 im Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe in KasselFoto: Christian Hedler
 © Hedler
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Die letzten Wasserspiele des Jahres am 03.10.2018 im Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe in KasselFoto: Christian Hedler
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Die letzten Wasserspiele des Jahres am 03.10.2018 im Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe in KasselFoto: Christian Hedler
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Die letzten Wasserspiele des Jahres am 03.10.2018 im Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe in KasselFoto: Christian Hedler
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Die letzten Wasserspiele des Jahres am 03.10.2018 im Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe in KasselFoto: Christian Hedler
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Einer der größten Anziehungspunkte der MHK ist aber weiterhin der Bergpark, der vergangenes Jahr von geschätzten 850.000 Menschen besucht wurde. Allein im Besucherzentrum am Herkules wurden 286.000 gezählt. 

Mit Blick auf die Besucherentwicklungen in den städtischen Einrichtungen Stadtmuseum und Naturkundemuseum weist eine Stadtsprecherin darauf hin, dass die Zahl der attraktiven Museen in Kassel zugenommen habe, während die Zahl der potenziellen Gäste konstant geblieben sei. Dies müsse bei der Bewertung der Zahlen berücksichtigt werden.

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