Feuerschutztür unter dem City Center wurde zum Hindernis

Rollstuhlfahrerin in Parkhaus eingesperrt: Endstation Tiefgarage  

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Hier war Schluss: Aus dem Rollstuhl konnte auch Carola Hiedl vom Verein Fab die schwere Brandschutztür zwischen Tiefgarage und Einkaufszentrum City Center nicht öffnen.

Eine Tiefgarage wurde für eine Rollstuhlfahrerin zur Falle. Sie kam nicht mehr heraus. 

Kassel – Für eine Rollstuhlfahrerin aus Kassel wurde die Tiefgarage unter dem Einkaufszentrum City Center am IC-Bahnhof Wilhelmshöhe nun zur Falle. Schuld daran war eine schwere Feuerschutztür, die sich nicht automatisch öffnen ließ. Wir schildern den Fall und haben uns gemeinsam mit dem Kasseler Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter (Fab) die Situation vor Ort angeschaut.

Kassel: Rollstuhlfahrerin eingesperrt 

Für die Rollstuhlfahrerin war der Besuch der Tiefgarage zunächst sehr erfreulich. Denn dort fand sie – was längst nicht für alle Tiefgaragen und Parkhäuser in Kassel gilt – sofort ausreichend und besonders breite Behindertenparkplätze. Noch dazu liegen diese Parkplätze direkt neben der Verbindungstür zum Einkaufszentrum. Für Rollstuhlfahrer und Rollatornutzer eine echte Erleichterung.

Doch als die Kasselerin mit ihrem Rollstuhl an der Verbindungstür ankam, war Endstation. Die schwere Feuerschutztür konnte sie nicht öffnen. Aus der sitzenden Position konnte sie nicht die Kraft aufwenden, die dafür nötig ist.

Rollstuhlfahrerin sitzt in der Falle 

Zunächst überlegte sie, die Tiefgarage wieder zu verlassen. Das ging aber nicht, da sie dazu ihren Parkschein hätte bezahlen müssen. Der Kassenautomat befand sich aber hinter der Stahltür. Also wartete sie darauf, dass ein anderer Autofahrer kam, der ihr die Tür öffnen konnte. Dies dauerte eine ganze Weile, weil die Tiefgarage längst nicht so stark frequentiert ist wie die Parkhäuser und Garagen in der Innenstadt. Für die Frau ist unverständlich, wie man mit so wenig Weitblick für die Bedürfnisse von Behinderten planen kann.

Zu hoch: Carola Hiedl kommt nicht an den Einwurf.

Carola Hiedl, Rollstuhlfahrerin und Vorstandsmitglied des Vereins Fab, hat sich die Situation vor Ort ebenfalls angeschaut. Auch ihr gelang es nicht, die schwere Feuerschutztür zu öffnen. Sie hat aber Verständnis dafür, dass die Tür aus Feuerschutzgründen geschlossen sein muss.

Kassel: Barrierefreiheit im Parkhaus? 

Dieses Problem ließe sich aber mit einer Türautomatik regeln, wie es sie inzwischen in vielen öffentlichen Gebäuden gibt: Die Türen öffnen sich dann auf Knopfdruck oder mittels Bewegungsmelder. Nach Auskunft der Stadt gibt es spezielle Systeme, die das Baurecht erfüllen – etwa durch eine automatische Türschließung im Brandfall. Eine Nachrüstpflicht gebe es zwar nicht, aber die Stadt Kassel würde sich wünschen, dass Eigentümer von Parkhäusern und Großgaragen eine solche Technik einsetzen, um Barrierefreiheit zu gewährleisten, so ein Stadtsprecher.

Was Hiedl vom Fab ebenfalls ärgert, sind die Kassenautomaten. Diese seien zu oft – so auch im City Center – für stehende Menschen konzipiert. Für sie sei es aufgrund einer Bewegungseinschränkung kaum möglich, den Münzeinwurfschlitz zu erreichen.

Die Tiefgarage City Center ist aber nicht die einzige im Stadtgebiet, die für Rollstuhlfahrer problematisch oder gar ungeeignet ist.

Der Verwalter der Parkgarage City Center hat sich auf HNA-Anfrage nicht zu dem Fall geäußert.

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