Zwischenstand der Arbeiten

Neuer Glanz: Kasseler Weißensteinflügel soll für Besucher deutlich attraktiver werden

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Die Sehenswürdigkeiten sollen neu präsentiert werden: MHK-Direktor Martin Eberle im Thronsaal des Weißensteinflügels. Das Mobiliar kann man nach der Sanierung in einem deutlich höheren Raum sehen. 

Der Weißensteinflügel von Schloss Wilhelmshöhe in Kassel bekommt eine Schönheitskur und soll für Besucher attraktiver werden. Seit dem Frühjahr laufen die Sanierungsarbeiten.

Er beherbergt der eine ganze Reihe von historischen Schätzen. Unter anderem steht hier ein Schreibtisch von Jérôme Bonaparte, der hier vor über 200 Jahren einmal Schlossherr war und das Bett des Kurfürsten Wilhelm II. Ein prunkvoller Speisesaal sowie der bei Brautpaaren beliebte Thronsaal gehören zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten.

11,2 Millionen Euro investiert das Land Hessen in die Sanierung des in die Jahre gekommenen Schlossflügels. In der Kombination mit dem Herkules (40 Millionen Euro) der Löwenburg (30 Millionen Euro) und der Sanierung der Wasserspiele (10 Millionen Euro) wird deutlich, welches Mammutprogramm da gerade läuft.

Beispiel für das Mobiliar: Vorbild für einige der repräsentativen Räume ist die Einrichtung aus dem Jahr 1790.

Gestern stellten der Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), Prof. Martin Eberle, und MHK-Bauexperte Norbert Arnold den Zwischenstand der Arbeiten am Weißensteinflügel vor.

Seit dem Frühjahr wird hier und am angrenzenden Verbinderbau unter anderem die Dachkonstruktion in Ordnung gebracht. Die Risse am Mauerwerk, durch die Feuchtigkeit eindringt, werden ebenso repariert wie Dutzende von Fenstern. Bis zum Jahr 2022 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

So lange müssen die Besucher allerdings nicht vor verschlossenen Türen warten. Bei Führungen kann man den Weißensteinflügel weiterhin besichtigen.

Bei den jetzt laufenden Arbeiten geht es nicht nur um die Sanierung. Gleichzeitig wolle man die Räume des Schlossmuseums wieder nach historischem Vorbild gestalten, sagt MHK-Chef Eberle. Die Besucher sollen demnächst über den Haupteingang des Schlosses auf eigene Faust den Weißensteinflügel mit seiner Historie von den Landgrafen bis zu Kaiser Wilhelm II. neu entdecken.

"Einmalige Chance" 

Noch ist es Zukunftsmusik, aber nach der Sanierung des Weißensteinflügels sollen die Besucher das Schloss Wilhelmshöhe ganz neu erleben. „Das ist jetzt eine einmalige Chance, die wir nutzen wollen“, sagt MHK-Direktor Prof. Martin Eberle. Bisher konnte man den Thronsaal, den beeindruckenden Speisesaal und andere Attraktionen des Weißensteinflügels nur mit einer Führung bewundern.

Fürstlicher Prunk: Der Speisesaal gehört heute schon zu den Attraktionen der Ausstellung.

Das wird sich ändern. Geplant ist, dass die Besucher über den Haupteingang von Schloss Wilhelmshöhe geführt werden. Von dort wird man in vier Räume kommen, die die verschiedenen Epochen des Schlosses deutlich machen. Von den Landgrafen über die Kurfürsten bis zu Jerome, dem König von Westfalen mit Sitz in Kassel und Kaiser Wilhelm II, der hier seine Sommerresidenz hatte, geht es dann in den sanierten Weißensteinflügel.

Die Räume dort sollen so originalgetreu wie möglich gestaltet werden. Zum Glück sei noch viel von der ursprünglichen Ausstattung vorhanden. Von der Wandbespannung über die Vorhänge bis zum Polster der Möbel könne man den Zustand von 1790 sehr gut wieder herstellen. „Einige Stoffe müssen wir nachweben lassen, das ist teuer, aber machbar“, sagt MHK-Chef Eberle.

Über mögliche Kosten für eine neue Gestaltung des Verbinderbaus und des Weißensteinflügels könne und wolle er jetzt noch nichts sagen. Wichtig sei erst einmal, dass man eine genaue Vorstellung habe, wie die Räume nach der Sanierung der äußeren Hülle einmal genutzt werden sollen.

Auch Erweiterung der Gemäldegalerie

Zu den Plänen gehört unter anderem, dass der Thronsaal aus dem vergleichsweise niedrigen heutigen Raum verlegt werde. Man werde dafür eine bessere Lösung als die erst nachträglich im 19. Jahrhundert gefundene Variante finden. „Es wird aber auf jeden Fall weiterhin möglich sein, im Thronsaal zu heiraten“, sagt Eberle.

Zu den Plänen gehört auch eine Erweiterung der Gemäldegalerie. In dem neu gestalteten Flügel sollen unter anderem Gemälde mit Ansichten des Bergparks zu sehen sein. Teilweise müssen diese noch restauriert werden.

Bis zum Ende der Gebäudesanierung in drei Jahren ist dafür noch Zeit. Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, soll Schloss Wilhelmshöhe um eine neu gestaltete Attraktion reicher sein.

Stündliche Führungen im Weißensteinflügel dienstags bis sonntags, 10 bis 16 Uhr. Tagesticket Wilhelmshöhe 6/4 Euro.

Bombentreffer kurz vor Kriegsende

Einige der Risse am Weißensteinflügel, die jetzt beseitigt werden, hängen noch mit Schäden zusammen, die im Zweiten Weltkrieg entstanden. Gegen Ende des Krieges wurden sowohl Schloss Wilhelmshöhe als auch das benachbarte Grandhotel und die Löwenburg schwer getroffen. 

Der Mittelteil des Schlosses mit dem Kuppelbau auf dem Dach wurden zerstört. Die Erschütterungen zogen auch den Weißensteinflügel in Mitleidenschaft.

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