Schon als Kind wollte sie im Supermarkt arbeiten

Die kennt man doch: Anke Schramm-Fröhlich arbeitet seit 28 Jahren bei Edeka Todenhöfer

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In der Filiale in Bad Wilhelmshöhe so bekannt wie Ski-Star Felix Neureuther: Anke Schramm-Fröhlich arbeitet seit 28 Jahren bei Edeka Todenhöfer.

Kassel. Der Arbeitsalltag im Supermarkt ist anders geworden: Einzelhandeskauffrau Anke Schramm-Fröhlich erzählt, wie sich ihr Traumberuf in 28 Jahren verändert hat. 

Als sie ihre Ausbildung begonnen hat, war Kauffrau im Einzelhandel für Anke Schramm-Fröhlich ein Traumberuf. Im Interview erzählt sie, weshalb sie die Ausbildung heute nicht mehr unbedingt machen würde und wie sie im Supermarkt ihren Traummann gefunden hat.

Frau Schramm-Fröhlich, seit 28 Jahren arbeiten Sie bei Edeka Todenhöfer. Wussten Sie schon früh, dass sie im Supermarkt arbeiten wollen?

Anke Schramm-Fröhlich: Im Supermarkt zu arbeiten war schon als Kind mein Traumberuf. Ich hab schon ein Schulpraktikum im Edeka gemacht. Früher hatte ich einen Spiel-Einkaufsladen mit echter Kasse und Spielgeld, da habe ich dann schon gewusst, dass ich das mal beruflich machen möchte. Ich hab mich bei Edeka Todenhöfer beworben und bin dann nach Kassel in die Filiale in der Hunrodstraße gekommen.

Und geblieben?

Schramm-Fröhlich: Genau. Im Edeka-Markt in der Hunrodstraße war ich insgesamt 22 Jahre. Vor vier Jahren hab ich dann das Angebot bekommen, die Leitung der Filiale in der Baunsbergstraße zu übernehmen. Den Schritt habe ich nicht bereut. Es ist mir aber sehr schwergefallen, weil ich so lange an einen anderen Standort war. In dieser Zeit sind viele enge Freundschaften entstanden.

Hat sich Berufliches mit Privatem vermischt?

Schramm-Fröhlich: Ich bin mit einigen Kollegen auch privat befreundet. Wir gehen einmal im Monat zusammen Kegeln. Aber auch viele Kunden sind zu guten Freunden geworden. So habe ich auch meinen Ehemann kennengelernt.

Sie haben Ihre große Liebe im Supermarkt getroffen?

Schramm-Fröhlich: Das kann man so sagen. Er kam immer im Blaumann, und da ist er mir irgendwie aufgefallen. Da hab ich dann gedacht, sieht eigentlich ganz hübsch aus. Wir sind ins Gespräch gekommen, und ich hab mal vorsichtig vorgefühlt. Irgendwann haben wir uns auf ein Eis getroffen, und da hat es dann geschnackelt. Das war 1998 – seit 2012 sind wir verheiratet.

Kassel ist ihre Heimat?

Schramm-Fröhlich: Nein, ich wohne noch in meinem Heimatort Bad Emstal. Das ist auch ganz schön, weil man dann Berufliches und Privates besser trennen kann, sonst hat man einfach keine Freizeit. Die Kunden erkennen einen ja dann doch, wenn man sie auf der Straße trifft. Es ist zwar schön, aber am Wochenende möchte man auch mal seine Ruhe haben.

Gibt es Stammkunden, die jeden Tag kommen?

Schramm-Fröhlich: Ja, die gibt es. Die kommen natürlich, weil sie was brauchen, aber man freut sich dann auch immer auf ein Schwätzchen. Gerade in einem kleinen Markt ist der Kontakt zu den Kunden sehr persönlich, und das macht eben auch Spaß – und man macht sich auch Sorgen, wenn der Kunde dann mal nicht kommt.

Erkennen Sie ihre Kunden am Einkauf?

Schramm-Fröhlich: Manche schon. Es gibt einige, die kaufen immer dasselbe. Wir haben einen Stammkunden, der steht jeden Morgen zur Öffnung vor der Tür und holt sich frische Brötchen. Wenn der nicht kommt, dann wundern wir uns natürlich.

Haben Sie eine Lieblingsabteilung?

Schramm-Fröhlich: Auf jeden Fall die Obst- und Gemüse-Abteilung. Aber auch da hat sich über die Jahre viel verändert. In meiner Ausbildung habe ich noch an der Theke bedient. Heute nimmt sich jeder Kunde selbst seine Waren aus dem Regal. Als Mitarbeiter ist man dann überwiegend mit Auffüllen und Sortieren der Ware beschäftigt. Durch Biowaren ist auch das Sortiment größer geworden.

Suchen Kunden in Zeiten des Onlinehandels noch Rat beim Verkäufer?

Schramm-Fröhlich: Doch, das kommt auch vor. Beispielsweise wird gefragt, ob ich bestimmte Produkte schon ausprobiert habe. Oder wie ich eine Salatsoße mache.

Sind Sie mit Kunden per Du?

Schramm-Fröhlich: Nein, da sind gerade die älteren Kunden sehr distanziert. In meiner Lehrzeit ist es mir mal aus Versehen passiert, dass ich „Grüß dich“ gesagt habe. Da hab ich mich dann sofort entschuldigt. Wenn man sich so häufig sieht, dann bekommt das schnell einen freundschaftlichen Charakter.

Ist die Arbeit im Supermarkt abwechslungsreich?

Schramm-Fröhlich: Die Tagesabläufe sind schon sehr ähnlich. Aber die vielen Menschen machen jeden Tag verschieden.

Viele Supermärkte haben mittlerweile bis Mitternacht geöffnet. Ist das denn notwendig?

Schramm-Fröhlich: Ich finde nicht. Meiner Meinung nach kommt man auch an seine Lebensmittel, wenn der Supermarkt nur bis 20 Uhr geöffnet hat. Am Wochenende würde es reichen, wenn es wie früher bis 18 Uhr die Möglichkeit gebe einzukaufen.

Würden Sie nach 28 Jahren immer noch von Traumberuf sprechen?

Schramm-Fröhlich: Nicht unbedingt, weil sich in den 28 Jahren vieles geändert hat. Die Schreibarbeit hat stark zugenommen. Der Verwaltungsaufwand ist viel größer als früher. Es gibt strengere Gesetze, die den Verkauf im Einzelhandel regeln. Auch die Hygienevorschriften sind umfangreicher geworden. Mit Blick auf die längeren Öffnungszeiten würde ich die Ausbildung wahrscheinlich nicht noch mal machen. Die Freizeit kommt einfach zu kurz.

Zur Person

Anke Schramm-Fröhlich ist 45 Jahre alt und kommt aus Bad Emstal. Mit 18 Jahren hat sie die Ausbildung bei Edeka Todenhöfer begonnen. Sie war 22 Jahre im Edeka Markt in der Hunrodstraße, seit fünf Jahren leitet sie die Filiale an der Baunsbergstraße. Schramm-Fröhlich ist verheiratet. Ihren Ehemann hat sie im Supermarkt kennengelernt.

In weiteren Teilen der Serie haben wir ...

  • Wolfgang Wagner vorgestellt, der bei den Stadtreinigern arbeitet.
  • mit Andrea Ebel gesprochen, die seit 35 Jahren im Café Nenninger arbeitet.
  • André Werth vorgestellt. Er ist der Herr über die Tiefgarage am Friedrichsplatz.

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