Miteigentümer fordern Familie zum Abbau der Anlage auf

E-Ladestation sorgt in Kassel für Streit unter Eigentümern

Familie hat Ärger mit ihrer E-Ladestation: Jorge Luis Torres (von links), Luis Manuel Torres Reyes und Gabriela Valentina Reyes hätten sich mehr Kompromissbereitschaft von ihren Miteigentümern gewünscht.
+
Familie hat Ärger mit ihrer E-Ladestation: Jorge Luis Torres (von links), Luis Manuel Torres Reyes und Gabriela Valentina Reyes hätten sich mehr Kompromissbereitschaft von ihren Miteigentümern gewünscht.

In einem Mehrfamilienhaus in Wilhelmshöhe ist der Streit um eine E-Ladestation eskaliert. Nun droht der betroffenen Familie, die sich für ihr E-Auto eine Ladestation in der Tiefgarage installieren ließ, eine Klage der Miteigentümer.

Kassel - Dass ab dem 1. Dezember eine neue Gesetzesgrundlage gilt, nach der jeder Miteigentümer und auch jeder Mieter einen Anspruch auf eine solche Anlage hat, hilft ihr dabei nicht.

Alles begann im Oktober 2019, als Jorge Luis Torres und seine Frau Gabriela Valentina Reyes sich ein E-Auto bestellten. Das Paar stammt aus Venezuela, lebt aber seit Jahrzehnten in Deutschland. „Wir wollten dem Wunsch der Bundesregierung folgen, die Elektromobilität voranzubringen“, sagt Torres, der als Elektroingenieur viele Jahre in der Branche der erneuerbaren Energien arbeitete.

Während die dreiköpfige Familie monatelang auf ihr neues E-Auto wartete, versuchte sie, in Kontakt mit den fünf weiteren Miteigentümern ihres Mehrfamilienhauses an der Brabanter Straße zu treten. „Es gab aber keine Bereitschaft dazu“, so Reyes. Weil die nächste Eigentümerversammlung erst im September 2020 stattfinden sollte, baten sie darum, diese vorzuziehen. „Auch das wollte man nicht“, sagt Torres.

Als im Juli 2020 das neue Auto kam, stand man vor einem Problem. Die Familie entschloss sich, ohne Genehmigung der Miteigentümer die Ladestation installieren zu lassen. Der Strom läuft über den Zähler der Familie.

Nur einen Tag später hatten sie einen Brief der Hausverwaltung Heindrich im Briefkasten. Darin wurden sie aufgefordert, die etwa 20 mal 20 Zentimeter große Anlage an der Wand der Garage wieder abbauen zu lassen, weil über bauliche Veränderungen erst die Gemeinschaft beschließen müsse. Bei der Eigentümerversammlung im September stimmten schließlich fünf von sechs Eigentümern – von denen aber nicht alle in dem Haus leben – für den Rückbau. „Da war schon klar, dass sich im Dezember die Rechtslage ändern würde und ein Anspruch für die Installation einer Ladestation besteht“, sagt Torres.

Nachdem er die Wallbox bis Ablauf einer Frist Ende September nicht deinstalliert hatte, folgte ein Anwaltsschreiben mit Klagedrohung. Auch die darin genannte Frist, die bis Mitte November lief, ließ er verstreichen. Torres und Reyes glauben, dass andere Streitigkeiten in der Hausgemeinschaft bei der Eskalation der Angelegenheit eine Rolle spielten und deuten einen Generationen- und Kulturkonflikt an.

Sebastian Funke, Geschäftsführer von Heindrich Immobilien, bestätigt, dass es schon länger Unstimmigkeiten zwischen den Eigentümern gebe. Im konkreten Fall sehe er die Familie aber im Unrecht. Erstens habe diese eigenmächtig gehandelt und zudem gebe es mittlerweile einen klaren Beschluss. „Den haben wir umzusetzen“, so Funke. Zudem hätten Eigentümergemeinschaften auch nach der Novelle im Dezember ein Mitspracherecht bei Ladestationen. Zwar gebe es dann einen Anspruch, der auch einklagbar sei, aber der ersetze nicht, dass zunächst die Miteigentümer angehört werden müssten. (Bastian Ludwig)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.