Zu wenig Schalter im Bahnhof Wilhelmshöhe besetzt

Langes Warten auf Bedienung: Gäste beschimpften DB-Mitarbeiter

Wartemarke ist nötig: Wer im Reisezentrum des Wilhelmshöher Bahnhofs Fahrkarten kaufen oder sich über Verbindungen informieren will, muss zunächst einen solchen Schein ziehen. Foto: Ludwig,

Kassel. Wer in das Reisezentrum im Bahnhof Wilhelmshöhe kommt, um eine Fahrkarte zu kaufen oder sich über Fahrzeiten zu informieren, hat in der Regel wenig Zeit. Denn die Bahnen warten nicht.

Dennoch müssen Bahnkunden dort bisweilen viel Wartezeit einplanen, wenn sie eine persönliche Beratung wünschen. Am vergangenen Freitag kam es deshalb zu Ärger und Beschimpfungen der dortigen Bahn-Mitarbeiter.

Gegen zwölf Uhr saß ein gutes Dutzend Fahrgäste im Reisezentrum und wartete darauf, aufgerufen zu werden. Dafür mussten sie zuvor eine Wartemarke ziehen. Auf dem Automat wurde eine Wartezeit von 15 Minuten angezeigt – tatsächlich musste man aber 30 Minuten auf eine Bedienung warten.

Denn von sieben Schaltern waren nur drei besetzt, wobei einer allein den Gästen der 1. Klasse vorbehalten war. Während immer mehr Menschen in das Reisezentrum strömten, ging es an den beiden geöffneten Schaltern der 2. Klasse kaum voran. Gleichzeitig saßen zwei Bahn-Mitarbeiter an zwei Schaltern des Bahnreiseveranstalters Ameropa und hatten keine Kundschaft.

Nach und nach verließen Reisende, die bereits zum Teil 20 Minuten gewartet hatten, unverrichteter Dinge wieder das Reisezentrum. Andere wurden sauer und gingen die Bahnmitarbeiter an den Ameropa-Schaltern an. Auf Nachfrage von wartenden Fahrgästen, ob sie nicht die Schalter der 2. Klasse besetzen könnten, da sie ja derzeit ohnehin keine Kunden hätten, reagierten sie nicht. Auch der Mitarbeiter am Schalter der 1. Klasse ließ sich durch die wachsende Zahl der Wartenden nicht aus der Ruhe bringen.

Das Reisezentrum im Bahnhof Wilhelmshöhe: Unser Foto entstand nach dem Umbau der Räumlichkeiten. Archivbild: Schachtschneider

Nur weil mehrere Kunden das Warten satt hatten oder schlicht ihren Zug nicht verpassen wollten, lichteten sich die Reihen der Wartenden wieder. So wurden schließlich etliche Nummern von Kunden aufgerufen, die das Servicezentrum längst wieder verlassen hatten. Zudem kam eine Mitarbeiterin aus der Pause zurück und besetzte einen weiteren 2.-Klasse-Schalter.

Kritik des Fahrgastverbands

Auch der Fahrgastverband Pro Bahn in Hessen kritisiert die Verhältnisse in den Reisezentren. „Die Bahn hat dort gewaltig Personal reduziert und Öffnungszeiten eingeschränkt. Damit werden die Leute regelrecht dazu gedrängt, dass sie alles im Internet und an den Fahrkartenautomaten erledigen“, sagt Pro- Bahn-Sprecher Thomas Kraft.

Für eine öffentliche Einrichtung sei das nicht hinnehmbar. Wenn die Bahn auch Gelegenheitsfahrer für sich gewinnen wolle, müsse sie die Schalter gut besetzen. Einzelne Dienstleistungen würden ohnehin nur am Schalter angeboten und nicht im Internet oder an den Automaten.

Das sagt die Bahn

Auf HNA-Anfrage teilte eine Bahn-Sprecherin mit: „Um die Wartezeit für unsere Kunden zu verkürzen, sind alle unsere Mitarbeiter im Reisezentrum angehalten, wartende Kunden an allen besetzten Schaltern über das Aufrufsystem aufzurufen. Jedoch haben unsere Mitarbeiter zeitweise in verschiedenen Kundenanliegen Nacharbeiten nach dem Kundengespräch zu leisten, die einen sofortigen Aufruf des nächsten Kunden nicht in jedem Fall ermöglichen. Neben der direkten Bedienung der Kunden werden im Reisezentrum Kassel-Wilhelmshöhe auch schriftliche Kundenanliegen im Reise-/Firmengeschäft bearbeitet, die termingerecht abgeholt oder versandt werden müssen. Diese Arbeiten werden überwiegend am Ameropa-Schalter übernommen. Ein lange Wartezeit ist für unsere Kunden ärgerlich. Daher haben wir die Kennzahlen zur Wartezeit mit einem Aufrufsystem regelmäßig im Blick und versuchen, darauf zu reagieren.“

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