Agentur Micalef

Duftmarketing aus Kassel: Brüder lassen nicht nur Geschäfte gut riechen

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Mit individuellen Düften für Firmen erfolgreich: Die Brüder Filippo (links) und Mirko Micalef sind mit ihrer Agentur in Bad Wilhelmshöhe seit neun Jahren auf diesem Geschäftsfeld aktiv. 

Wenn es in Boutiquen oder Hotellobbys verführerisch duftet, soll der Kunde positiv und konsumbereit gestimmt werden. Zwei Kasseler sind auf dem Geschäftsfeld Duftmarketing aktiv. 

Das Sprichwort, wonach Liebe durch den Magen geht, müsste fürs Geschäftsleben abgewandelt werden: Die Gunst der Kunden geht offenbar vor allem durch die Nase. Marketingexperten wissen das. Die Kasseler Agentur Micalef mischt seit 2010 in diesem wachsenden Geschäftsfeld mit und macht mit zehn Mitarbeitern inzwischen einen Jahresumsatz von 6,5 Millionen Euro.

Angefangen haben die Brüder Filippo und Mirco Micalef als Vertriebspartner eines Mailänder Herstellers von Raumdüften. „Die haben das Prinzip mit Verdunster-Stäbchen erfunden, die man in eine Flasche mit Duftöl steckt“, erzählt Filippo Micalef.

Duftmarketing: Einstieg dank des Karstadt-Konzerns

Die Methode verbreitete sich für den Hausgebrauch, bald wollten viele Markenartikler und Handelsketten ihren Kunden so etwas als Kaufartikel – aber mit hauseigener Duftnote – anbieten. Vor fünf Jahren kam der Karstadt-Konzern auf die Firma in Bad Wilhelmshöhe zu mit der Bitte um eine individuelle Komposition. Das war der Einstieg für die Micalefs, sich auch speziell mit dem Thema Duftmarketing zu beschäftigen.

Solche Signale, die durch die Nase gehen, werden nach Schätzung von Mirco Micalef in etwa jedem 20. Kasseler Geschäft eingesetzt. Von Diffusor-Flaschen oder elektrischen Verdunstergeräten werden die Duftstoffe verbreitet. Die Absicht: Der Kunde soll eine Einkaufsstätte oder Marke über den Geruchssinn mit angenehmen Empfindungen verbinden.

Im menschlichen Gehirn wirken Duftreize direkt auf das limbische System, wo Gefühle und Erinnerungen verarbeitet werden. Die Micalefs verweisen auf diverse Studien, die gezeigt hätten, dass der Duft-Einsatz die Verweildauer in Geschäften erhöhe und sich auch positiv auf die Umsätze auswirke.

Verkaufsfördernde Düfte werden auch in Kasseler Geschäften eingesetzt

In Kassel werden Duftkreationen der Agentur Micalef etwa in den Filialen der Geschenkartikelkette Nanu-Nana oder des Schuh- und Sportmodeanbieters Onygo eingesetzt. Auch der Kasseler Bodenbelag-Großhänder Jordan setze auf Markenbildung per Duft, sagt Filippo Micalef: In Schauräumen und auf Messeständen der Jordan-Marke Joka dufte es „nach frisch geschlagenem Laubholz“, was nicht zwangsläufig der ausgestellten Ware entströme.

Für ähnliche Anwendungen entwickelt die Agentur gerade einen Lederduft, der etwa in Polstermöbel-Ausstellungen zum Einsatz kommen soll: „Riecht wie früher beim Schuhmacher“, also nach solidem Handwerk, befindet Mirco Micalef beim Schnuppern an einer Probenbox.

Solche klar umrissenen Geruchsbilder sind eine recht einfache Aufgabe. Aber nach was riechen Modemarken wie Marc O’Polo und S. Oliver, die sich auch schon von der Kasseler Firma einen Hausduft komponieren ließen? Das sei ein langwieriger Vermittlungsprozess, das Selbstbild und die Werte eines Unternehmens in Duft zu übersetzen, sagt Filippo Micalef. Die Agentur trete dabei als Makler zwischen Entscheidern und Parfümeuren auf. Es werde immer wieder neu abgestimmt und getestet, bis sich der Auftraggeber mit seiner Duft-Marke wohl fühle.

Duftmarketing: Ein Ass im Ärmel

Für die anspruchsvollsten Aufträge haben die Micalefs ein echtes Ass im Ärmel: Sie sind von Jugend an mit Geza Schön bekannt, einem Star unter Deutschlands Duftentwicklern und Parfümeuren, der aus Kassel stammt und heute in Berlin arbeitet.

Gemeinsam mit dem Duft-Virtuosen Schön haben Filippo und Mirko Micalef gerade dem traditionsreichen Heilmittel- und Kosmetikhersteller Retterspitz einen charakteristischen Markengeruch verpasst. Der lässt Anklänge an die berühmte RetterspitzTinktur erkennen, ohne allzu arzneimäßig rüberzukommen. „Man erinnert sich an die Wadenwickel, die einem die Oma früher machte“, sagt Filippo Micalef.

Genau so funktioniert Duftmarketing idealerweise: Man empfindet als Konsument ein unbestimmtes Wohlgefühl, ohne es so recht greifen zu können – und greift vielleicht eher zu bei Angeboten, die in einem solch angenehmen Umfeld auf Kunden warten.

Duftmarketing ist junges Geschäftsfeld mit starken Wachstumsraten

Obwohl Duftmarketing schon länger ein Trend in Hotellerie und Handel ist, werde das Geschäftsfeld in Deutschland noch vergleichsweise zurückhaltend gehandhabt, sagt Filippo Micalef: „In den USA ist es in Kinos überall üblich, dass verführerischer Popcornduft verbreitet wird“ – durch Raumbeduftung, wohlgemerkt. Gleiches gelte dort für Verkaufsstellen, die Backwaren anbieten: Durch künstlich erzeugten Bäckereiduft würden Appetit und Kaufbereitschaft angeregt. In Deutschland hingegen gebe es vielfach noch Vorbehalte gegen den Einsatz solcher Marketing-Methoden: „Viele Kunden befürchten, sie würden damit irgendwie übervorteilt“, sagt Micalef.

Für die Kasseler Firma der beiden Brüder sieht es gleichwohl so aus, als sei man zeitig auf den richtigen Zug aufgesprungen: In den vergangenen Jahren sind die Umsätze nach Angaben der Inhaber jeweils zweistellig gewachsen, auf zuletzt 6,5 Mio. Euro. In gleicher Größenordnung wachse der Gesamtmarkt.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

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