23-Jähriger gesteht Tötung mit 39 Messerstichen

Mord in der Kunoldstraße: Erst bestohlen, dann getötet

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Kassel. Ein 23-Jähriger aus Kassel hat am Mittwochvormittag vor dem Landgericht Kassel gestanden, eine 49-Jährige getötet zu haben.

„Ich übernehme die volle Verantwortung“, „Es tut mir sehr Leid“ und „Sie war eine tolle Frau“ waren Formulierungen, die der 23-jährige Rick T. am Mittwoch vor der sechsten Strafkammer des Kasseler Landgerichts von seinem Verteidiger Marcus Mauermann in einer Stellungnahme verlesen ließ. Der Angeklagte räumte vor Gericht ein, dass er am 12. Juni 2014 eine 49-jährige Frau in deren Wohnung in Bad Wilhelmshöhe getötet hat.

Aktualisiert um 16.55 Uhr

Trotz dieser Worte war dem jungen Mann auf der Anklagebank - zumindest äußerlich - keine Reue anzumerken. Immer wieder grinste er über das ganze Gesicht. Wegen des Verdachts des Mordes in Tateinheit mit Raub hat die Staatsanwaltschaft Kassel den 23-Jährigen angeklagt. Aus Habgier habe er die Frau in den frühen Morgenstunden des 12. Juni getötet, sagte Staatsanwalt Matthias Blosche. Streit zwischen Rick T. und der 49-Jährigen hatte es wegen 40.000 Euro gegeben, die er ihr im Januar 2014 aus der Wohnung gestohlen hatte.

Kennengelernt hatten sich beide nur wenige Monate zuvor im Herbst 2013 in der Psychiatrie in Merxhausen. Er habe aufgrund seines Drogenkonsums eine Psychose gehabt, sie sei manisch depressiv gewesen, so Rick T. Als die 49-Jährige entlassen wurde, habe auch er die Klinik verlassen und sei mit ihr und ihrem Exmann nach Kassel gefahren.

Ab November habe er bei der 27 Jahre älteren Frau dann regelmäßig übernachtet. Sie seien zusammen essen, spazieren und in die Oper gegangen und hätten auch „intime Kontakte“ gehabt. Nichtsdestotrotz habe er die Frau nur als „beste Freundin“ betrachtet. Rick T. räumte ein, dass die Frau offenbar mehr in der Beziehung gesehen haben könnte. „Ich habe einfach da so mitgespielt, ich wollte nichts kaputt machen“, sagte der Angeklagte, der auch regelmäßig „Taschengeld“ („mindestens 50 Euro“) von der Frau bekam.

Nachdem diese festgestellt habe, dass er ihr im Januar 40.000 Euro gestohlen hatte, habe sie ihn angezeigt. Rick T. brachte das Geld bis Anfang Februar durch. Nichtsdestotrotz näherten sich die beiden wohl im März 2014 wieder an und hatten „eine Aussprache“. Er habe ihr versprochen, das Geld bis zum Juni zurückzuzahlen. Rick T. bekam Hartz IV (382 Euro).

Am 12. Juni, Rick T. war erst wenige Stunden zuvor aus dem Ludwig-Noll-Krankenhaus entlassen worden, besuchte er die 49-Jährige nachts in deren Wohnung. Er habe ihr mitgeteilt, dass er die Schulden nichts zahlen könnte. Zudem habe er eingeräumt, dass er eine jüngere Frau kennengelernt habe, die von ihm schwanger sei.

Als der die Wohnung verlassen wollte, habe sich die 49-Jährige ihm in den Weg gestellt und gestoßen. Er sei in der Küche auf den Rücken gefallen und habe ein Messer gesehen. Was dann geschehen sei, daran könne er sich nicht mehr erinnern. Er sei blutdurchtränkt gewesen, als das Opfer schließlich tot im Schlafzimmer gelegen habe. Laut Anklage hat Rick T. der Frau 39 Stichverletzungen zugefügt. Zudem soll er noch 1300 Euro und das Auto der Frau gestohlen haben.

Mit zehn erstmals in Psychiatrie

Der Angeklagte Rick T. wurde 1992 in Kassel geboren. Mit zweieinhalb wurde er von einer Familie aus Suderwick (Nordrhein-Westfalen) an der holländischen Grenze adoptiert. Im Alter von zehn sei er zum ersten Mal in die Psychiatrie eingewiesen worden, nachdem er seinen Bruder mit einem Messer bedroht habe, schilderte der 23-Jährige vor Gericht.

Anschließend sei er in verschiedenen Heimen untergebracht worden und wiederholt straffällig geworden. Autodiebstähle, Einbrüche und Verfolgungsjagden mit der Polizei gehen auf sein Konto.

Bei einer Verfolgungsjagd im November 2010 mit der holländischen Polizei habe er versucht, einen Polizisten umzufahren. Deshalb wurde Rick T. 2011 in Den Haag wegen versuchten Totschlags zu 30 Monaten Haft verurteilt. „Ich hatte einen guten Anwalt“, sagte er zu dem milden Urteil.

Nachdem er einen Teil der Strafe in Holland verbüßt hatte, wurde er nach Deutschland verlegt. Im Juli 2013 wurde er entlassen und nahm erstmals Kontakt zu seinem leiblichen Vater auf, der in Kassel lebt. Auf diesem Grund kehrte Rick T. zurück nach Nordhessen.

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