Differenzen zwischen Bewohnern und Investoren

Nach Abriss historischer Gebäude in Kassel: Sorge um Denkmalschutz

Verschwunden: Der denkmalgeschützte Bungalow an der Steinhöferstraße 5 musste für einen ähnlichen Neubau weichen.

Kassel. Es sind unterschiedliche Interessen, die derzeit in Wilhelmshöhe aufeinandertreffen: Die Interessen der Bewohner treffen auf die von Investoren.

Die Bewohner wollen, dass die in großen Teilen noch historische Bebauung ihres Stadtteils erhalten bleibt, und Investoren sind bestrebt, in der begehrten Lage Wohnraum zu schaffen. Weil sich beide Ziele nicht immer vereinen lassen, gab es jüngst oft Unmut. Auch der Ortsbeirat Wilhelmshöhe fordert von der Stadt eine Liste aller abgerissenen und umgebauten denkmalgeschützten Villen am Mulang der vergangenen Jahre sowie Aufklärung in den folgenden aktuellen Fällen:

Burgfeldstraße

In der Kritik von Anwohnern und Ortsbeirat steht der Umbau einer Villa von 1915 an der Burgfeldstraße 16, in der zuletzt die Pension „Im Rosengarten“ beheimatet war. Der neoklassizistische Bau steht unter Denkmalschutz. Dennoch wurde er mit Ausnahme der Fassade abgerissen, weshalb die Stadt zwischenzeitlich einen Baustopp verfügt hatte. Denn es sei mit dem Bauherrn vereinbart gewesen, die Villa mit Ausnahme nachträglicher Anbauten zu erhalten, so Volker Mohr, Leiter des Stadtplanungsamtes. Der Investor habe mittels eines Gutachtens nachweisen können, dass die abgerissenen Wände in Teilen nicht tragfähig gewesen seien. Deshalb sei der fast vollständige Abbruch in Ordnung, so Mohr. Der Investor hätte die Stadt aber über die veränderten Abbruchpläne informieren müssen.

Steinhöferstraße

Ein unter Denkmalschutz stehender Flachdach-Bungalow (Baujahr 1959) an der Steinhöferstraße 5 wurde für einen Neubau komplett abgebrochen. Auch dies rief den Ortsbeirat auf den Plan, der nun von der Stadt wissen will, wie dies möglich war. Das Gebäude taucht auch als stilprägend für den Mulang in der neuen Gestaltungssatzung der Stadt auf.

Wie die Villa an der Burgfeldstraße 16 ist auch der Bungalow an der Steinhöferstraße in der Denkmaltopografie als Kulturdenkmal aufgeführt.

Ursprünglich sei der Erhalt des Gebäudes Ziel gewesen, sagt Stadtplaner Volker Mohr. Nach einem Eigentümerwechsel im Jahr 2009 habe sich aber herausgestellt, dass eine wirtschaftliche Sanierung des Gebäudes nicht tragbar sei. Ein Gutachten, das der Investor beauftragt hatte und vom Denkmalschutz geprüft wurde, habe dies belegt. Nur deshalb sei ein Abriss möglich gewesen. Allerdings sei ein Bauteilkatalog erstellt worden, der den Investor verpflichte, bestimmte Stilelemente des ursprünglichen Bungalows im Neubau wieder aufzunehmen. Die Bauarbeiten laufen.

Heideweg

Die Stadt hatte eine Grünfläche am denkmalgeschützten Flüsseviertel (Heideweg 2) an den Investor Baumanufaktur Königstor verkauft. Nach dessen Angaben für etwa 400.000 Euro. Inzwischen gibt es einen Bebauungsplan für ein viergeschossiges Wohnhaus (inklusive Staffelgeschoss) mit sieben Wohnungen. Diesen Plan lehnt der Ortsbeirat ab. Aus seiner Sicht fügt sich die Bebauung nicht in das benachbarte Flüsseviertel aus den 20er-Jahren ein. Es müsse geprüft werden, ob der Bebauungsplan rechtskonform ist. Denn auch bei der Bebauung der Kurhausstraße 28 (HNA berichtete) hätten Richter später festgestellt, dass die Pläne unwirksam sind.

Die Stadt sieht kein Problem. „Dem Bereich mangelt es nicht an Grünflächen. Wir sind froh, dass gebaut wird und der Bedarf gesättigt wird. Nicht jeder Neubau kann den Nachbarn gefallen“, sagt Stadtbaurat Christof Nolda. Der Investor teilt auf HNA-Anfrage mit, dass er bereit sei, dass Gebäude kleiner als geplant zu bauen oder gar Abstand vom Vorhaben zu nehmen. Je nachdem müsse die Stadt dann einen Teil des Kaufpreises des Grundstücks zurückzahlen oder den Kauf rückabwickeln.

Von Bastian Ludwig

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