Kaum noch neue Asylbewerber für Kassel

Neue Nutzung für ehemaliges Flüchtlingsheim im Druseltal

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Umbau zum Boardinghaus: Die ehemalige Flüchtlingsunterkunft im Druseltal wird derzeit energetisch saniert. 

Kassel. Durch die sinkenden Fllüchtlingszahlen sind die ersten Unterkünfte in Kassel aufgelöst worden. Im Druseltal zeichnet sich nun eine neue Nutzung ab.

Die Flüchtlinge sind ausgezogen, jetzt sind die Bauarbeiter angerückt. Das „Haus im Druseltal“, in dem bis vergangenen September Asylbewerber untergebracht waren, wird derzeit energetisch saniert. Die Firma Vinber als Eigentümerin, die ebenfalls auf dem Grundstück direkt an der Straße im Druseltal ansässig ist, hat die Immobilie nach eigenen Angaben an einen Generalmieter vermietet.

Dieser will dort offenbar ein Boardinghaus einrichten – also ein hotelähnliches Apartmenthaus für Gäste mit längerem Aufenthalt. Nähere Auskünfte erteilte ein Sprecher der Firma Vinber auf Anfrage der HNA nicht. Die Arbeiten seien voraussichtlich gegen Ende des Jahres abgeschlossen. Erst dann werde der Mieter weitere Informationen erteilen. Das Haus im Druseltal war seit Anfang 2013 wieder als Flüchtlingsunterkunft genutzt worden. Zuvor war es in den 1990er-Jahren bereits – damals noch unter der Regie der Caritas – ein Asylbewerberheim. Ursprünglich war das Haus in den 1960er-Jahren vom Sozialdienst katholischer Frauen (damals noch: katholischer Fürsorgeverein) als Mütter- und Kinderheim errichtet worden. Bis 1990 waren dort noch Kinder untergebracht.

Heinrich-Steul-Schule

Die Gemeinschaftsunterkunft im Druseltal war die erste, die die Stadt nach dem Abebben des großen Flüchtlingszustroms 2015/2016 geschlossen hat. Inzwischen wurde auch ein zweites großes Wohnheim aufgelöst: Ende März wurde die Unterkunft in der ehemaligen Heinrich-Steul-Schule im Forstfeld aufgelöst. Diese war bereits Anfang 2015 mit Beginn der steigenden Flüchtlingszahlen provisorisch für die Wohnnutzung hergerichtet worden. Auch diese Unterkunft hatte die Firma Vinber betrieben, die aktuell noch das Wohnheim im ehemaligen Krankenhaus Park Schönfeld managt.

Das 60er-Jahre-Gebäude soll nun vermutlich abgerissen und das Gelände am Forstbachweg anderweitig genutzt werden. „Wir wollen Wohnraum schaffen und eine positive Entwicklung für den Stadtteil erreichen“, sagte Kassels Sozialdezernent und künftiger Oberbürgermeister Christian Geselle. Dafür sei ein städtebaulicher Wettbewerb in Vorbereitung. Die Sporthalle werde bei einer Bebauung des Geländes in jedem Fall unberührt bleiben und weiter für Sportvereine zur Verfügung stehen, betonte Geselle.

Derzeit sind in der Stadt Kassel noch sieben große und 48 kleinere Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge in Betrieb. Insgesamt hält die Stadt 2648 Plätze vor, von denen momentan 1864 belegt sind. Damit beträgt der Leerstand knapp 30 Prozent.

Weitere Schließungen sind laut Geselle aktuell nicht geplant. Man versuche aber, mit einigen Betreibern Lösungen zu finden, um vorzeitig aus Verträgen mit mehrjähriger Laufzeit auszusteigen.

Aktuell werden der Stadt wöchentlich nur noch fünf neue Asylbewerber zugewiesen. Anfang 2016 waren es noch bis zu 80 pro Woche. Bleiben die Zahlen auf dem niedrigen Niveau, wird sich der Leerstand noch erhöhen. Denn sobald Flüchtlinge ihre Anerkennung haben, dürfen sie sich normale Wohnungen suchen.

So viele Flüchtlinge gibt es in Kassel

In der Stadt Kassel leben derzeit 1005 Flüchtlinge, die sich noch im Asylverfahren befinden. Ende vergangenen Jahres waren es noch über 2000. Das zeigt, dass die Asylverfahren nun zunehmend vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) abgearbeitet werden. Seit Beginn der Flüchtlingskrise 2015 wurden nach Angaben des Sozialamts die Asylverfahren von 1927 in Kassel lebenden Flüchtlingen abgeschlossen. 1762 davon haben eine Anerkennung erhalten, überwiegend subsidiären Schutz. Damit ist eine Aufenthaltserlaubnis für zunächst ein Jahr verbunden, die um je zwei weitere Jahre verlängert werden kann. 165 Asylbewerber wurden abgelehnt. 

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