Architekt entfernte in Brutzeit alle Sträucher von Wahlershäuser Grundstück

Rodung in Wahlershausen erregt die Gemüter

Um dieses Grundstück geht es: Auf der Grünfläche neben dem Altbau an der Straße Stockwiesen will ein Kasseler Architekt für sich privat ein Mehrfamilienhaus errichten. Sie war vor Kurzem üppig bewachsen.
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Um dieses Grundstück geht es: Auf der Grünfläche neben dem Altbau an der Straße Stockwiesen will ein Kasseler Architekt für sich privat ein Mehrfamilienhaus errichten. Sie war vor Kurzem üppig bewachsen.

Als die Motorsägen heulten, war die Aufregung groß: Ein Kasseler Architekt hat auf seinem bislang verwilderten Grundstück an der Straße Stockwiesen in Wahlerhausen vor Kurzem sämtliche Büsche und Sträucher während der Brutzeit gerodet.

Kassel - Damit zog der Architekt den Zorn der Nachbarn auf sich und erhielt zudem ein Bußgeldverfahren der Unteren Naturschutzbehörde. Denn es ist nur in Ausnahmefällen erlaubt, während der Brutzeit vom 1. März bis 30. September Büsche und Sträucher stärker zurückzuschneiden oder gar zu beseitigen.

Während sich der Architekt, der mit seiner Frau auf dem Grundstück ein fünfstöckiges Haus bauen will, im Recht sieht, haben viele Anwohner kein Verständnis für ihn. „Ich kann nicht verstehen, wie sich ein Fachmann auf dem Gebiet einfach über geltendes Recht hinwegsetzen kann“, sagt Nachbar Claason Großkurth

In der Nachbarschaft gibt es zwar schon länger Widerstand gegen das Bauprojekt, weil es sich nicht in das historische Umfeld passe und einen Großteil der Grünfläche versiegele, aber der eigentliche Eklat nahm am 3. März seinen Lauf. An diesem Tag kamen Mitarbeiter einer Gartenbaufirma im Auftrag des Eigentümers auf das Grundstück Stockwiesen 6. Doch sie mussten nach kurzer Zeit ihre Sägen wieder ausstellen. Nachbarn wiesen sie auf die Schonzeit für die Vögel hin und riefen das Umwelt- und Gartenamt hinzu. „Wir dachten, damit hätte es sich erledigt“, sagt Großkurth.

Doch er und die anderen Anwohner sollten sich täuschen. Am 13. März hörten sie abermals das Heulen von Motorsägen. Relativ bald versammelte sich die Nachbarschaft vor dem Gartengrundstück, um die Rodungsaktion zu verfolgen und zu filmen. Der Architekt war persönlich mit zwei Helfern gekommen, um das noch verbliebene gute Dutzend Sträucher und Büsche in kurzer Zeit abzusägen. „Vermutlich hat er keine Firma gefunden, die innerhalb der Schonzeit diese Arbeit für ihn erledigt“, glaubt Nachbar Manfred Kempe.

Als die herbeigerufenen Mitarbeiter des Ordnungsamtes und die Polizei eintrafen, hatte der Eigentümer bereits Fakten geschaffen und war wieder weggefahren. So blieb den Nachbarn nichts weiter übrig, als eine Anzeige zu stellen. Die Ordnungswidrigkeitsanzeige wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz wird von der Unteren Naturschutzbehörde bearbeitet. Ein entsprechendes Verfahren wurde eingeleitet. Verstöße könnten mit einem Bußgeld von bis zu 10 000 Euro geahndet werden, so ein Rathaussprecher. Es handele sich um eine Einzelfallentscheidung, bei der etwa der Umfang der beseitigten Sträucher und Büsche eine Rolle spiele.

Abrasiert: Ein gutes Dutzend Sträucher und Büsche wurden in der Schonzeit entfernt.

„Der Architekt wirbt im Internet mit regionaler Baukultur und hält sich nicht einmal an städtische Vorgaben“, so Großkurth. Es gebe seit geraumer Zeit eine Baugenehmigung, insofern habe er genug Zeit gehabt, die Büsche außerhalb der Brutzeit zu beseitigen. Nach Informationen der HNA besteht die Baugenehmigung seit mindestens anderthalb Jahren und läuft im September aus. Deshalb gerate der Bauherr wohl unter Zeitdruck, so Großkurth

Der beschuldigte Architekt will sich öffentlich nicht zum Vorgang äußern. Nach Auskunft der Stadt hat er zwar eine Baugenehmigung, allerdings läuft dazu ein Widerspruchsverfahren, das von Nachbarin Luidgart Kimpel und ihrem Partner Manfred Kempe angestoßen wurde. Der Widerspruch ist noch in Bearbeitung im Rathaus.

Nach Informationen der Stadt gibt es zwar Ausnahmeregelungen für die Beseitigung von Sträuchern in der Schonzeit, die etwa auch bei geplanten Bauvorhaben greifen. Auf diese Ausnahme beruft sich der Architekt im vorliegenden Fall. Dies ist aber nur möglich, wenn es sich um einen „geringfügigen“ Bewuchs handelt. Auf Fotos, die der HNA vorliegen, ist zu sehen, dass die Fläche in großen Teilen mit Gewächsen bestückt war. Zudem hätte der Bauherr die Beseitigung im Vorfeld mit dem Umwelt- und Gartenamt abstimmen müssen, so ein Stadtsprecher. Diese Vorgabe sei Teil der Baugenehmigung. (Bastian Ludwig)

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